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Warum wir gerade jetzt starke Online-Kampagnen brauchen

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YOUNG POLITICS
Bloomberg via Getty Images
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Dass sie zu Beginn belächelt werden, kennen fast alle Menschen, die am Status Quo rütteln. Es scheint in unserer Kultur verankert, Neues erst einmal abzuwehren. Wir haben viele Worte dafür kreiert: Shitstorm, nimby ("not in my back yard"), nih ("not invented here"), Klicktivismus oder Einmischungselan.

Es ist die Rhetorik der Bestandswahrung, das Festhalten an Bestehendem, selbst dann, wenn es sich nicht bewährt hat. Die große Chance an fast allen Umständen unseres modernen Lebens ist aber gerade, dass die Entscheidungen, die zu ihnen geführt haben, von Menschen gemacht worden sind. Sie sind nicht in Stein gemeisselt, sie sind umkehrbar.

Ringen um bessere Lösungen

Über bessere Lösungen mit Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern ringen, ist Absicht vieler Leute, die sich mithilfe von Online-Kampagnen engagieren. Sie wollen in Diskussionen um , z.B. das Bundesteilhabegesetz, Pferdekutschen in Berlin, Plastikverpackungen von Bio-Gemüse oder um ein #neinheisstnein im reformierten Sexualstrafrecht Alternativen aufzeigen. Ihre Kampagnen sind leidenschaftliche Plädoyers für einen anderen Weg.

Ein konstruktiver Vorschlag. Ein Entwurf, wie eine bessere Gesellschaft aussehen kann. Die Aktivistinnen und Aktivisten hinter der Kampagne zum Bundesteilhabegesetz verbringen seit Monaten jede freie Minute mit ihrem Protest - die Online-Kampagne auf Change.org wurde von Constantin Grosch vor 3 Jahren gestartet.

Antwortet mir Sigmar Gabriel?

Echte Menschen mit echten Geschichten starten heute Kampagnen, um ihre Interessen zu vertreten. Sie organisieren sich online mit einem Thema und durchlaufen dort den harten Test der Demokratie: Schaffe ich es, Tausende Andere hinter meinem Mobilisierungsanliegen zu vereinen? Wie bekomme ich einen Gesprächstermin beim Berliner Senat oder beim Einzelhändler Rewe? Was können nächste Kampagnenaktionen sein und wie organisiere ich meine Community dafür? Antwortet auch mir der Präsident der Vereinigten Staaten oder Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel?

Wann engagieren, wenn nicht jetzt?

Es gibt keinen besseren Zeitpunkt, um sich zu engagieren. Die AfD erreichte in den vergangenen Landtagswahlen zweistellige Ergebnisse, die soziale Schere wird größer, die Umsetzung von Frauenrechten und Schwulenrechten ist in Deutschland mindestens ein Jahrzehnt zurück und selbst der Kommentar zweier EM-Spiele von der ZDF-Moderatorin Claudia Neumann löst Hass aus.

Es braucht starke Stimmen aus der Zivilgesellschaft, die sich einmischen. Mund auf, aufstehn. Und loben gegen den Hass.

Unabhängig davon, wie Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger die Anliegen einzelner Online-Kampagnen bewerten - Bürger/innen, Verbraucher/innen und Zuschauer/innen haben eine Stimme, die sie im Alltag selbstbewusst einsetzen. Sie sind in der Lage, landesweite Debatten auszulösen.

Dieses Engagement sollten wir fördern, nicht neue Worte schaffen, um es kleinzureden.

Die Autoren schreibt zu diesem und anderen Themen auf #XIngBranchenInsider.

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