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Alle Terroristen sind Männer - und das ist nicht das Einzige, was sie gemeinsam haben

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TERRORISTS CITY
Laurent Hamels via Getty Images
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Terrorismus ist mittlerweile ein trauriger Bestandteil unseres Lebens. Oft wachen wir mit der unterschwelligen Angst auf, dass irgendwo auf der Welt wieder einmal ein Mann sein Auto, oder einen Lastwagen, in eine Menschenmenge gefahren hat.

Oder, dass ein Mann auf einem Pop-Konzert eine Bombe gezündet hat. Oder, dass ein Mann sein Auto rückwärts in eine demonstrierende Menschenmenge gefahren hat.

Die Hauptpersonen in allen aktuellen terroristischen Attacken sind männlich

Wir haben Angst vor Männern, während wir auf Demonstrationen oder Umzügen sind. Wir haben Angst vor Männern, wenn wir öffentliche Verkehrsmittel benutzen. Und wir haben Angst vor Männern, jedes Mal, wenn wir in einer großen Stadt oder auf einem öffentlichen Platz sind.

Manche Leser, egal ob Männer oder Frauen, werden, wenn sie diese Zeilen lesen, wütend werden. Sie werden mir vorwerfen, dass ich das Wort "Mann" benutze. Wahrscheinlich werden sie vor lauter Wut Sachen wie "Das ist sexistisch" oder "Frauen töten auch", rufen.

Doch die Wahrheit ist nicht sexistisch. Alle Personen, die eine Hauptrolle während der letzten Anschläge gespielt haben, sind Männer. Alle von ihnen.

Mehr zum Thema: Die islamistischen Anschläge in Europa seit 2015 haben eine beunruhigende Gemeinsamkeit

95 Prozent der 437.000 weltweit begangenen Morde, sind von männlichen Tätern verübt worden. Nichts daran ist sexistisch. Das Ganze ist Fakt, wie man unschwer an einer Studie des United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC) erkennen kann.

Alle haben in der Vergangenheit mit häuslicher Gewalt zutun gehabt


Deshalb war es besonders frustrierend am Wochenende den Artikel von Jason Burke in "The Guardian" zu lesen, der alle möglichen existierenden Verbindungen zwischen den Tätern in aktuellen terroristischen Attacken aufgezeigt hat. Alle, bis auf die eine Verbindung, die am offensichtlichsten ist. Alle von ihnen sind Männer. Gewalttätige Männer.

Joan Smith hat in diesem Artikel über die Gemeinsamkeiten zwischen einigen der männlichen Terroristen geschrieben. Alle haben regelmäßig, und zwar so regelmäßig, dass man die Relevanz dieses Faktes nicht in Frage stellen kann, in der Vergangenheit mit häuslicher Gewalt gegenüber Frauen zu tun gehabt. Oftmals ist diese Gewalt gegen Frauen gerichtet, mit denen sie in einer Beziehung sind, oder es bis vor kurzem noch waren.

Nachdem dieser Artikel veröffentlicht wurde, wurde plötzlich publik gemacht, dass auch einer der Attentäter von Barcelona eine Vergangenheit mit häuslicher Gewalt hat. Der Mörder aus Charlottesville, James Alexander Fields Jr., hat sogar seine eigene Mutter häuslich missbraucht.

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Während des Attentats in Barcelona berichtete ABC News, einer der Verdächtigen, Driss Oukair, sei bereits polizeilich bekannt gewesen. Der Haftbefehl lief wegen häuslicher Gewalt, nicht etwa, wie man erwartet hätte, wegen terroristischen Machenschaften.

Oder etwa doch?

30 Prozent alle Frauen erfahren sexuelle oder körperliche Gewalt. Das geht aus einem Bericht der World Health Organisation hervor. Lasst uns darüber einen kurzen Moment nachdenken.

Häusliche Gewalt tut genauso weh wie Terrorismus

Terrorismus ist entsetzlich. Aber weltweit erfahren 30 Prozent aller Menschen keinen direkten körperlichen Schaden durch terroristische Taten. 30 Prozent aller Frauen hingegen schon.

Die Meisten der Täter sind männlich. Viele von ihnen begehen nicht nur einen terroristischen Akt der die ganze Welt betrifft, sondern auch einen terroristischen Akt gegenüber der Frauen, mit denen sie eine Beziehung führen.

Während meines Projekts "Ride for Murdered Women" habe ich kürzlich eine 43 Jahre alte Rechtsanwältin namens Alison Jane Farr-Davies ausgezeichnet.

Allison ist von ihrem Freund zuerst zu Tode geprügelt, dann nackt die Treppe heruntergeworfen worden. Der Gerichtsmediziner schrieb daraufhin, dass ihr Herz und ihre inneren Organe dabei schwer verletzt wurden.

Als ich den genauen Wortlaut des Mediziners googelte fand ich heraus, dass solche Verletzungen des Herzens hauptsächlich bei Kriegsverletzten festgestellt werden. Die meisten der Einträge, die ich fand, stammten aus den großen Kriegen der vergangenen Jahrzehnte.

Normalerweise werden diese Verletzungen durch kleine Projektile, wie zum Beispiel Splitter von Minen, Handgranaten, oder Bomben verursacht. Häusliche Gewalt tut also genauso weh wie Terrorismus.

Mehr zum Thema: Es sieht aus wie eine normale Kontrolle - aber eine Kamera offenbart, was die Polizisten einer Frau antun

Jeden Tag stirbt eine Frau durch häuslichen Missbrauch

Gewalt und Missbrauch von Frauen werden so oft begangen, dass sie definitiv als Terrorismus gesehen werden sollten. Sie dienen dazu, besonders in Frauen panische Angst auszulösen und sie davon abzuhalten, ein sicheres Leben zu führen.

Und genau das schafft diese Form von Terrorismus auch. Sie sollte also einen genauso hohen Stellenwert auf der schwarzen Liste der weltweiten Regierungen haben, wie jede andere terroristische Bedrohung.

Jeden Tag, an dem wieder eine Frau stirbt, sollte eine Krisensitzung, oder was auch immer das globale Äquivalent dazu ist, einberufen werden. Jeden Tag stirbt eine Frau auf diese furchtbare Art und Weise in der Welt.

Ihr könnt also schon mal anfangen, die Sitzung einzuberufen.

Dieser Beitrag wurde von Rebecca Nothvogel aus dem Englischen übersetzt und zur Veröffentlichung angepasst. Er ist zuerst bei Huffpost.uk erschienen.

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