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US-Dokumente weisen auf Verbindung zwischen Iran und al-Qaida hin

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  • Die USA haben fast eine halbe Million Dateien aus dem digitalen Nachlass von al-Qaida Chef Osama bin Laden veröffentlicht.
  • Demnach hat der Iran Mitglieder der Terrorgruppe al-Qaida mit Geld und Waffen unterstützt und ihnen angeboten, Trainingslager der radikal-islamischen schiitischen Terrormiliz Hisbollah im Libanon zu nutzen.

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Bin Laden und Teheraner Machthaber Ali Khamenei

Der US-Auslandsgeheimdienst CIA hat ein gigantisches Archiv aus dem Besitz des getöteten al-Qaida-Chefs Osama bin Laden veröffentlicht. Die Menschen erhielten so die Möglichkeit, "weitere Einblicke in die Planungen und Arbeitsweise dieser Terrororganisation zu gewinnen", sagte CIA-Chef Mike Pompeo.
Das nun im Internet frei zugängliche Archiv enthält 470.000 Dateien mit schriftlichen Dokumenten und Videos. Die Unterlagen hatte das US-Elitekommando erbeutet, als bin Laden im Mai 2011 in seinem Versteck in Pakistan überrascht und erschossen wurde.
Nach Angaben von Forschern des Politikinstituts Foundation for Defense of Democracies (FDD), die das Archiv vorab einsehen, ermöglicht dieses in der Tat neue Erkenntnisse.
Von besonderem Interesse ist ein Video, auf dem zum ersten Mal eine halbwegs aktuelle Aufnahme von bin Ladens Sohn Hamsa zu sehen ist. Sie stammt von seiner Hochzeit, die offenbar im Iran stattfand. Seit dem Tod ihres Gründers versucht al-Qaida, dessen Sohn als einen neuen Führer des terroristischen Dschihads aufzubauen.

Wie das FDD in seinem Magazin Long War Journal berichtet, stammt ein weiteres wichtiges Dokument von einem hohen al-Qaida-Führer, der für die Beziehungen zum Iran verantwortlich war. Demzufolge hatte der Iran einige saudische Mitglieder von al-Qaida mit Geld, Waffen und der Möglichkeit unterstützt, Trainingslager der radikal-islamischen schiitischen Terrormiliz Hisbollah im Libanon zu nutzen. Im Gegenzug sollten die al-Qaida-Terroristen in der gesamten Golf-Region und speziell in Saudi-Arabien gegen die Amerikaner vorgehen.

Al-Qaida betrachte sich nicht als Feind des Iran, sondern kämpfe gegen den gemeinsamen Gegner USA, heißt es in dem Bericht. Auch in einem bereits zuvor veröffentlichten Brief bin Ladens hatte dieser die besondere Bedeutung Irans für seine Organisation betont.
In einer heftigen und überstürzten Reaktion wies Javad Zarif, der Außenminister des iranischen Regimes, die Dokumente als „Fake News" zurück.

Iranisches Regime schützte die al-Qaida-Planer von 9/11 und machte Druck auf die US-Regierung zum Bruch mit dem iranischen Widerstand
Die Unterlagen zeigen auch, dass es eine lange Geschichte zwischen dem iranischen Regime und der Terrorgruppe al-Qaida gibt. Laut den veröffentlichten Dokumenten deckte das iranische Regime die Organisatoren des Anschlags vom 11. September 2001. Und nach der Invasion der USA in den Irak im Jahre 2003 bot der Iran drei hochrangigen al-Qaida-Mitgliedern (darunter dem Sohn von bin Laden) Schutz. Gleichzeitig erhöhte der Iran den politischen Druck auf die USA, damit diese gegen den iranischen Widerstand aktiv werden sollte. Vor allem ging es dem Teheraner Regime dabei um die Vernichtung der iranischen Oppositionsgruppe der Volksmojahedin Iran (PMOI / MEK), die zu dieser Zeit im Irak in Camp Ashraf und später in Camp Liberty lebte.

Hätten die USA diesem Druck nachgegeben, wäre dies mit Sicherheit das Ende für die Dissidenten gewesen. Der Iran hat eine lange „Erfahrung" mit Inhaftierung, Folter und Hinrichtung von oppositionellen Freiheitskämpfern. Das grauenvollste Beispiel ist das Massaker von 1988: Damals ließ das Regime innerhalb von wenigen Monaten 30.000 politische Gefangene (fast alles Mitglieder der MEK) ermorden.
Obwohl die USA die MEK nicht dem Iran auslieferte, war es dennoch eine harte Zeit für die Dissidenten. Beide Camps wurden mehrmals von dem Regime und seinen örtlichen Söldnertruppen angegriffen. Nach dem Abzug der USA aus dem Mittleren Osten im Jahre 2011 verschärfte sich die Situation nochmals. Endlich - im Jahr 2016 konnten die verbliebenen MEK-Mitglieder nach Albanien in Sicherheit gebracht werden. Ermöglicht hatte dies ein Abkommen zwischen Albanien, den USA und der UNO. Nichtsdestotrotz leben immer noch viele Oppositionelle unter dem iranischen Regime und sie fürchten Tag für Tag um ihr Leben.

Zurück zu al-Qaida: Das iranische Regime hält den Kontakt zu Al-Qaida nach wie vor aufrecht. Ryan Trapani, ein Sprecher der CIA, sagte dazu: „Die Dokumente, die wir bei der Operation gegen bin Laden fanden und die bisher unter Verschluss waren, zeigen deutlich, dass der Iran und al-Qaida ein Abkommen hatten, sich nicht gegenseitig anzugreifen ... und, dass Bin Laden den Iran als die „Hauptschlagader von al-Qaida" bezeichnete, der die Gruppe finanziert, mit Personal unterstützt und logistische Hilfe gibt."

Im letzten Monat hatte Donald Trump bereits darauf hingewiesen, dass iranische Söldner den Mitgliedern von al-Qaida Trainingscamps zur Verfügung stellten. Diese al-Qaida-Terroristen waren dann 1998 an den Bombenanschlägen auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania beteiligt. In derselben Rede gab er auch bekannt, dass der Iran nach den Anschlägen von 9/11 nachweislich al-Qaida-Terroristen Unterschlupf gewährte. Daraufhin widersprach ihm unter anderem Paul Pillar, der frühere hochrangige Geheimdienstanalyst, der im Jahre 2003 dem Irak den Besitz von Massenvernichtungswaffen unterstellte. Damals hat er sich geirrt - und die neuen Dokumente zeigen, dass er auch hier wieder falsch liegt.

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