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Iran: Hinrichtungen auf Rekordniveau

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Die psychologischen Auswirkungen der Massenhinrichtungen auf die iranische Gesellschaft

In Iran sind nach Angaben der Vereinten Nationen im vergangenen Jahr fast 1000 Menschen hingerichtet worden. Laut UN ist dies die höchste Zahl von Hinrichtungen in dem Land seit zwei Jahrzehnten.

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Ein Mitglied des iranischen Parlaments hat zugegeben, dass die überhand nehmenden Massenhinrichtungen, die das Mullahregime veranlasst, die Menschen in Wut und Schrecken setzen. Er rief dazu auf, die Hinrichtungspraxis zu überdenken.

Am 23. November 2016 hielt Ezzatollah Yousefian, Vertreter der Stadt Amol im Parlament, eine Rede im Plenum, in der er u. a. sagte: „Wir führen viele Hinrichtungen durch, jeden Tag. Sehr viele wegen Drogenvergehen Verurteilte werden hingerichtet. Müssen wir jeden Tag hinrichten? Wir müssen darüber endlich einmal nachdenken, sind Sie nicht auch dieser Meinung?"

Ezzatollah Yousefian ging auf die psychologischen Auswirkungen der Hinrichtungen auf die Gesellschaft ein. Er sagte: „Als ich Oberstaatsanwalt der Provinz Mazandaran war - es war 1990 -, kam ein Bericht vom Ministerium für Erziehung. Darin wurde festgestellt, dass, wenn eine Person an einem Tag hingerichtet wird, 20 bis 30 Schüler nicht mehr zur Schule kommen. Ich fragte nach den Gründen dafür und wurde beschieden, die Hingerichteten hätten eine Art Familienbeziehung mit den Schülern.

Eine Frau im Gerichtssaal sagte zum Richter: ‚Euer Ehren, ich sagte zu meinem Sohn, er solle dieses Mädchen nicht heiraten, denn ihr Vater sei zum Tode verurteilt.'"

Der iranische Parlamentarier schloss damit, es handle sich, wenn jemand hingerichtet werde, nicht bloß um die vollzogene Todesstrafe. „Die psychologischen Auswirkungen der Hinrichtung reichen in seiner Familie über Jahre hin. Mit anderen Worten, die Verurteilung gilt nicht nur dem Opfer, sondern auch seinen Angehörigen. Seine Familie, seine weitere Verwandtschaft, eine ganze Generation leidet im Iran an einer Hinrichtung."

Ezzatollah Yousefian beschäftigte sich auch mit der wachsenden Zahl an Hinrichtungen im Iran. Er wandte sich mit Folgendem an das ganze Parlament: „Wollen wir mit dieser Praxis noch 20 Jahre lang fortfahren? Was werden die Folgen sein? Sehen Sie auf das Alter drogensüchtiger Schüler, sehen Sie sich das in Ruhe an. In unserem Land warten Leute dringend darauf, eine Niere zu verkaufen, nur aus Armut; in anderen Teilen der Welt warten Menschen darauf, dass ihnen eine neue Niere eingepflanzt wird. Dennoch muss der, der seine Niere verkaufen will, lange darauf warten, da es so viele gibt, die das Gleiche wollen wie er. Vom Verkauf anderer Körperteile rede ich erst gar nicht. Aber die Probleme sind nicht leicht zu lösen. Es werden Worte gesagt, aber es folgt ihnen kein Handeln."

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