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Iran: Ein Blick auf die bankrotte Wirtschaft

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Das Elend des Volkes - ein Bericht der Zentralbank räumt Preissteigerung für die elementare Versorgung ein: Preise für Reis um 31,7%, für Getreide um 21,7% und für Zucker um 23,9% gestiegen.

In der vorigen Woche stieg der US-Dollar von 3791 auf 3797 Toman in der iranischen Währung an. Der Preis einer neu geprägten Bahar-Azadi-Goldmünze erreichte die Höhe von 1.169.000 Toman - 5 600 mehr als am Vortage. Was die Börse betrifft, so wurden - der Website der Gewerkschaft für Gold- und Juwelenhandel zufolge - auf dem Aktienmarkt die Anteile von sieben Automobilfabriken niedriger gehandelt.

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(Foto: Mehr News Agency)

Nach einem Bericht der staatlichen iranischen Zeitung „Shahrvand" vom 9. Februar 2017 leben 11% der iranischen Bevölkerung unter der absoluten, 30% unter der relativen Armutsgrenze. Diese beiden Indikatoren bedeuten: Menschen unter der absoluten Armutsgrenze sind nicht in der Lage, ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen.

10 Gegenstände, die zum Haushalt gehören: Nahrung, Kleidung, Wohnen, Schule, Gesundheitsfürsorge etc. können von diesen Leuten nicht genügend besorgt werden. Der Charakter dieser Armut besteht in Hunger und mangelhafter Ernährung.

Wenn 11% der 80 Millionen betragenden iranischen Bevölkerung unterhalb der absoluten Armutsgrenze leben, heißt es, dass dies Elend 8.800.000 Menschen betrifft. Es sollte auch bemerkt werden, dass es sich hier um eine Mindestzahl handelt. Andere Experten des Regimes haben in diesem Sinne 30% angegeben.

Was die relative Armutsgrenze betrifft, so betrifft sie Menschen, welche weniger aufbringen können als die durchschnittlich für einen Haushalt aufzuwendenden Mittel; wenn z. B. diese Armutsgrenze auf 3 ½ Millionen gesetzt wird, so heißt es, dass jene, die weniger verdienen, unterhalb ihrer leben.

30% der iranischen Bevölkerung unterhalb der relativen Armutsgrenze - es bedeutet, dass fast 24 Millionen Menschen in diesem Zustand leben. Auch diese Zahl ist erheblich niedriger als jene, die realistisch wäre, denn wenn man auf die Gemeinschaft der 13 Millionen Arbeiter sieht, so steht sie, nimmt man ihre Angehörigen hinzu, für eine Bevölkerung von 40 Millionen.

Und das Einkommen a l l e r Arbeiter liegt unterhalb der Armutsgrenze; sie trifft also mehr als 50% der iranischen Bevölkerung. Einige Fachleute des Regimes sind der Auffassung, dass mehr als 80%, vielleicht sogar 90% der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze leben müssen.

In dieser Woche erreichten die Schulden der Regierung Rohani bei den Banken die Höhe von 210 Billionen Toman; diese Summe ist nach Angabe der Zentralbank um 20% größer als die auf die gleiche Periode im letzten Jahr zutreffende.

Es wurde auch berichtet, dass die Regierung Rouhani zur Begleichung ihrer Schulden den Banken staatliche Firmen überträgt - in einer Zeit, in der ihr Kredit knapper wird. Damit wird indessen das Problem nicht gelöst, denn die Firmen, die den Banken übertragen werden, leiden meistens an Verlusten, und Rohanis Wirtschafts- und Finanzminister Tayebnia erklärte am 14. Februar:

„Die Firmen, mit denen die Regierung ihre Schulden begleicht, sind in Wirklichkeit keinen Groschen wert; die meisten von ihnen machen Verluste und geben über ihre finanzielle Situation nur unregelmäßige Erklärungen ab." (So in der staatlichen Zeitung „Asre Iran" am 14. Februar 2017)

Was die Banken betrifft - sowohl ihre Struktur als auch die in ihnen bestehende Korruption -, erklärte Rohanis Wirtschaftsberater Masoud Nili in dieser Woche: „Das Bankensystem wurde mehr als irgendein anderes Unternehmen von schlechter Politik beschädigt, besonders in den vergangenen 10 Jahren; eine Wende zeichnet sich nicht ab."

„Die Wirtschaft des Iran", so Nili, „befindet sich an einem historischen Scheideweg. Die Entscheidungsträger haben keine andere Wahl als die zwischen schlechten und harten Entscheidungen. Der Weg des Iran in die Zukunft muss mit einer Wiederbelebung des verlorenen sozialen Kapitals gepflastert sein." (Die Nachrichtenagentur der Revolutionsgarden „Fars" am 14. Februar 2017)

Und hier ein Bericht der Zentralbank: hohe Preise für die elementare Versorgung. Nach diesem Bericht sind in der Zeit bis zum 10. Februar 2017 die Preise für Reis um 31,7%, für Getreide um 21,7%, für frisches Obst um 27,5%, 5,1% für frisches Gemüse, 7,3% für rotes Fleisch, 13,5% für Geflügel, 23,9% für Zucker, 12,9% für Tee, 8,4% für organisches Öl und 9,7% für Molkereiprodukte gestiegen. (Staatliche Website „Taraz" am 14. Februar 2017)

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