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Iran: Frauen im Widerstand

Veröffentlicht: Aktualisiert:
WOMEN IRAN
Luis Davilla via Getty Images
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In einem vom islamischen Fundamentalismus beherrschten Land sind Frauen die Kraft des Wandels. Maryam Rajavi und ihre tapferen Mitstreiterinnen für eine bessere Welt im Iran.

Der Weltfrauentag am 8. März ist ein Tag, an dem mit besonderer Aufmerksamkeit auf die Lage der Frauen in aller Welt geschaut wird.

Im Fokus stand dabei in den letzten Jahren vor allem die Lage muslimischer Frauen in ihren Heimatländern. Unterdrückung, Ungleichbehandlung in Praxis und Gesetz sowie Gewalt gegen Frauen sind leider vor allem im Iran ein seit Jahrzehnten andauerndes Problem, dem sich die mutigen Frauen des iranischen Widerstandes im Land und im Exil zur Wehr setzen.

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Tirana / Albanien - Treffen zum Internationaler Frauentag März 2017: Maryam Rajavi, eine Frau an der Spitze

Ihr Vorbild für die Hoffnung eines freien Iran ist Maryam Rajavi, die gewählte Präsidentin des Nationalen Widerstandsrates Iran (NWRI), ein Dachverband von Exiliranern in aller Welt, die ein Ende der Mullahs im Iran und das Gründen von Demokratie, Freiheit und Gleichberechtigung und einer Trennung von Kirche und Staat verfolgen.

Auf der Webseite des Frauenkomitees im Nationalen Widerstandsrat Iran kommen zwei Mitstreiterinnen im Kampf um Frauenrechte im Iran zu Wort. Sie bezeichnen Maryam Rajavi als ihre „Schwester", was zeigt, wie tief die Hoffnungen der iranischen Frauen auf einem menschenwürdigen Leben und einer Stimme ihrer Nöte und Sorgen in der Welt ist.

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Laila Delfi (aus Ahwaz, wo zurzeit schwere Proteste wegen einer katastrophalen Umweltsituation toben) zeigt ein Schicksal von Millionen iranischen Frauen auf, die sich zum Widerstand gegen das frauenverachtende Mullah-Regime entschlossen haben.

Ihre gesamte Familie ist Opfer des Mullah-Regimes geworden, wurde für ihren friedlichen Protest inhaftiert und gefoltert. Vor allem ihre ältere Schwester Sakineh war dabei ihr Vorbild für den Widerstand gegen das iranische Regime.

Sie kämpfte in den 80er Jahren nicht nur für das Unrecht, welches Frauen im Iran angetan wird, sondern auch für die Rechte der Kinder, Arbeiter und Mütter, die unter dem Mullahregime litten. 1988 wurden nach einem Dekret von Ajatollah Chomeni alle politischen Gefangenen zu „Feinden von Gott" erklärt und zu Zehntausenden hingerichtet.

Darunter waren fast ausschließlich Mitglieder der Volksmojahedin Iran (MEK), welche das Kerngerüst im NWRI stellen. Auch Sakineh befand sich unter den Opfern, die im Sommer 1988 gehängt wurde.

Kurz nach der Hinrichtung von Sakineh floh Laila aus dem Iran und schloß sich dem Widerstand im Exil an. Seitdem trägt sie die Botschaft ihrer Schwester weiter in alle Welt.

Fatemeh Akbari ist die Schwester der inhaftierten Maryam Akbari Monfared, Mutter von drei Töchtern, die seit acht Jahren in einem Gefängnis im Iran sitzt. Als diese von den Vertretern des Regimes forderte, Auskunft über den Verbleib ihrer 1988 ermordeten Schwestern und Brüder zu erteilen, verbot man ihr aus Vergeltung den Besuch ihrer Familienangehörigen.

Solche Maßnahmen wie der Entzug medizinischer Versorgung und Verhöre, Einzelhaft, Folterungen und Scheinhinrichtungen sind im Iran für politische Gefangene immer noch an der Tagesordnung und die Situation hat sich unter Präsident Rohani nicht im Geringsten verbessert.

In der Familie von Fatemeh Akbari wurden zwei Brüder in den 80er Jahren und 1988 ein Bruder und eine Schwester hingerichtet.

Ganze Familien werden weggesperrt

Es gibt zahlreiche Fälle im Iran, wo ganze Familien politischer Aktivisten in den Gefängnissen des Iran zu Tode gefoltert oder hingerichtet wurden, denn bis heute gelten die Anhänger der Volksmojahedin Iran unter dem Mullah-Regime als „Feinde von Gott" und können so zum Tode verurteilt und hingerichtet werden und der amtierende Justizminister im Kabinett Rohani saß nachweislich in einem der Todeskomitees, die 1988 die politischen Gefangenen im Schnellverfahren hinrichteten.

Maryam Akbari Monfared sitzt im Gefängnis, weil sie mit ihren Angehörigen telefonierte, die damals in Camp Ashraf (Irak) für die Freiheit im Iran kämpften. Das Camp wurde unter Premierminister al-Maliki 2012 geräumt und die 3500 Bewohner nach Camp Liberty zwangsumgesiedelt. Nach mehreren Massakern, Raketenangriffen und medizinischen Blockaden starben weit über 100 MEK-Angehörige und wurden Hunderte verletzt.

2016 wurden die letzten MEK-Mitglieder nach massiven internationalen Kampagnen schließlich in Drittländer verteilt, 100 von ihnen nach Deutschland, wo sie vom iranischen Widerstand umsorgt und als Helden für ihren gewaltfreien Widerstand in diesem Jahrtausend verehrt werden.

Viele dieser Frauen sehen in Maryam Rajavi ein Vorbild. Sie sind wie sie Muslime, sind meist jüngere oder mittlere Alter und wünschen sich nichts mehr, als einen Iran, wo Frauen menschenwürdig und gleichberechtigt behandelt werden.

Sie hegen keinen Hass gegen Männer, im Gegenteil, sie kämpfen zusammen mit ihren männlichen Mitstreitern für einen freien Iran und sind damit auch für die westliche Zivilisation ein leuchtendes Vorbild, worauf es wirklich ankommt in dieser Welt. Freiheit ist ein universelles Gut, jeder hat das gleiche Recht darauf, es gibt keine Freiheit erster oder zweiter Klasse.

Der iranische Widerstand und sein Frauenkomitee freuen sich über jeden Bürger, Politiker und Würdenträger, Journalisten und Menschenrechtsgruppe, die sich ihrem legitimen Kampf um Frauenrechte im Iran anschließt.

Der Kampf der Frauen des Iran für eine bessere Welt ist nicht nur ein Kampf für die Menschen im Iran, er hätte eine große Signalwirkung auf die ganze Region und wäre ein wirkungsvoller Sieg gegen frauenverachtenden Fundamentalismus und Terrorismus unter dem Banner des Islam, dessen Urvater das iranische Regime ist.

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