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Wie eine Frau die Bananen vor dem Tod retten will

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BANANA
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Regina Niedenzu hat gerade gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten ein Crowdfunding gestartet, zum ersten Mal in ihrem Leben. Sie braucht Unterstützung für eine echte Herzenangelenheit, die alle Menschen auf der Welt betrifft. Die Banane wird aussterben. Mit fatalen Folgen.

JS: Warum ist die Banane vom Aussterben bedroht? 

RN: Weil es einen Pilz mit dem Namen ‚Tropical Race 4' gibt, der weltweit immer mehr Bananenplantagen befällt. Es gibt bisher kein Gegenmittel, welches ihn stoppen kann. Eines der Hauptprobleme ist, dass 80 % der weltweiten Bananenernte von ein und derselben Sorte, der ‚Cavendish' stammen. Und diese Sorte ist gegen den Pilz nicht resistent. Es ist ein typisches Monokultur-Problem, welches wir Menschen selbst zu verantworten haben.

JS: Warum wäre es denn schlimm, wenn es die Banane nicht mehr gäbe? Mein Schwager bspw. hasst Bananen, dem wäre das herzlich egal....

RN: Ja, das stimmt. Nicht jeder mag Bananen. Und es hört sich zunächst ein wenig nach einem Luxusproblem an, wenn es diese bei uns auf einmal nicht mehr geben würde. Aber die eigentlich exotische Frucht zählt bei den meisten Menschen - auch in Deutschland - zu den alltäglichen Lebensmitteln. Pro Kopf werden rund 12 Kilo pro Jahr bei uns gegessen. Und sie ist sehr gesund. Selbst wenn man das alles beiseite lassen würde - in Afrika und in Teilen Lateinamerikas gehört die Kochbanane zu den Grundnahrungsmitteln wie bei uns die Kartoffel. Man mag sich kaum vorstellen, was passieren würde, wenn es auf einmal keine Kochbananen mehr geben würde.

JS: Wann ist Ihnen das Thema zum ersten Mal begegnet?

RN: Vor eineinhalb Jahren habe ich einen wissenschaftlichen Artikel darüber gelesen und war ziemlich überrascht und entsetzt. Dann habe ich mich recht schnell mit einem der Forscher in Verbindung gesetzt, die sich mit dieser Thematik befassen.

JS: Warum hat es Sie nicht mehr losgelassen? 

RN: Schwer zu sagen. Vielleicht, weil die Banane schon immer da war. Wer hat nicht als kleines Kind schon Bananenmilch getrunken oder sie als Baby zerdrückt als Brei gegessen? Ich fand die Vorstellung, dass dies vorbei sein könnte, unglaublich. Übrigens, dass wir Deutsche so große Bananen-Liebhaber geworden sind, haben wir Konrad Adenauer zu verdanken. Der erste Kanzler der Bundesrepublik Deutschland soll selbst ein großer Anhänger der Frucht gewesen sein und hat für die Deutschen eine zollfreie Sonderregelung innerhalb Europas erwirkt. Auf solche Nebenaspekte stößt man eben auch, wenn man anfängt sich mit der Banane zu beschäftigen. Das finde ich spannend.

JS: Lachen Menschen Sie aus, wenn Sie sagen: Ich bin die, die die Bananen retten will? 

RN: Nein. Die meisten sind erst einmal total überrascht, wenn ich ihnen erzähle, wie es um die Banane steht. Da kommt dann fast immer: „Wirklich? Das habe ich ja gar nicht gewusst."

JS: Warum ist Ihnen dieser Film so wichtig

RN: Es geht am Ende ja nicht nur um die Banane und deren Rettung, sondern auch um die grundsätzlichen Fragen, die hinter diesem Problem stehen. Wollen wir weiter auf Monokultur setzen, wie stehen wir zu genveränderten Produkten, welchen Stellenwert soll Biodiversität in Zukunft haben? Was wollen wir den nachfolgenden Generationen vererben?

JS: Ist Crowdfunding der neue Weg, um wichtige Filme machen zu können? 

RN: Wir glauben daran. Immer mehr Menschen schauen 'Video on Demand' und sind auch bereit, dafür etwas zu bezahlen. Das gezielte Aussuchen von Inhalten wird weiter zunehmen. Über das Crowdfunding kann man genau die Zuschauer erreichen, die sich für ein ganz bestimmtes Thema oder einen Themenkomplex interessieren.

JS: Was haben Sie schon alles investiert in das Projekt?

RN: In Zahlen ist das schwer zu beziffern. Aber es ist sicher weit im fünfstelligen Bereich. Neben Reisekosten ist es vor allem viel Zeit gewesen und die ist für uns Selbstständige eben auch Geld. Wir haben vor rund einem Jahr begonnen, mit Unterbrechungen daran zu arbeiten. Und in der Zeit, die wir in das Projekt investiert haben, konnten wir keine anderen Aufträge ausführen.

JS: Was ist Plan B, wenn Sie das Geld nicht zusammen bekommen?

RN: Das erste wäre natürlich eine Fehleranalyse. Warum hat es nicht geklappt? Unser Projekt ist ja auch ein Lernprozess, denn wir versuchen zum ersten Mal per Crowdfunding einen Film zu finanzieren. Dann würden wir es sicher noch einmal versuchen und nach anderen möglichen Finanzierungswegen suchen. So schnell werden wir nicht aufgeben.

JS: Warum sollten die Menschen Sie unterstützen?

Weil es wichtig ist, dass dieses Problem eine große Öffentlichkeit bekommt. Die Banane ist sehr populär und das Thema bietet die Möglichkeit, die Diskussion über grundsätzliche Fragen der Ernährung und der Landwirtschaft zu forcieren.  

Anmerkung: Wer das Projekt unterstützen möchte, hier geht´s zum Crowdfunding.

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