BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Janine Steeger Headshot

Können wir bald mit gutem Gewissen bei Textilriesen wie KiK einkaufen?

Veröffentlicht: Aktualisiert:
KIK
Leonhard Foeger / Reuters
Drucken

Derzeit wird weltweit auf die Fashion Revolution aufmerksam gemacht. Unter dem Hashtag #Whomademyclothes (Wer hat meine Kleidung hergestellt) setzen Konsumenten auf der ganzen Welt die Textilindustrie unter Druck. Gegründet wurde diese Bewegung nach einem schrecklichen Unglück in Bangladesh.

Etwas Schlimmes führt zu etwas Gutem

Am 24. April 2013 stürzte in Bangladesh das Fabrikgebäude Rana Plaza ein. Dabei wurden 1.127 Menschen getötet und 2.438 Menschen verletzt. In dem Gebäude wurden Textilien für zahlreiche bekannte Textillabel produziert. Die Fabrik galt schon lange als einsturzgefährdet, die Menschen wurden trotzdem gezwungen dort weiter zu arbeiteten.

Der Appell an die Textil-Unternehmen nach dem Unglück: Ihr müsst Verantwortung übernehmen dafür, dass unsere Kleidung unter menschenwürdigen Bedingungen hergestellt wird und kein Blut daran klebt.

Was folgte war die Initiative der Konsumenten in Form der Fashion Revolution. Und die deutsche Politik reagierte ebenfalls - mit einem Bündnis für nachhaltige Textilien.

Was will das Bündnis?

Teilnehmer des Bündnisses sind Vertreter der Textilunternehmen, darunter sowohl kleine Fair-Fashion-Label als auch große Konzerne. Außerdem sind Vertreter der Zivilgesellschaft, Standardorganisationen und Gewerkschaften dabei.

Ziel des Bündnisse ist es, Transparenz in den Lieferketten zu schaffen, individuelle Ziele der Unternehmen festzuhalten und die Einhaltung dieser zu kontrollieren.

Von Anfang an große Kritik

„Das ist doch Augenwischerei, ganz viel Gerede ohne konkrete Ergebnisse. Und so lange keine Strafen drohen, bewegt sich ohnehin nichts." Das war die Haltung vieler zum Start des Textilbündnisses.

Auch Heike Hess war anfangs skeptisch. Sie ist Leiterin der Geschäftsstelle des Internationalen Verbandes Naturtextilien und gehört zum Steuerkreis des Textilbündnisses. Im Gespräch freut sie sich sagen zu können: Ich werde Tag für Tag eines Besseren belehrt. Denn

  • zum ersten Mal zieht die Textilwirtschaft in Deutschland an einem Strang.
  • 50 Prozent aller Unternehmen sind dabei
  • die Unternehmen setzen sich selbstbestimmt viel höhere Ziele, als erwartet - und sie wissen, dass die Einhaltung derselben streng kontrolliert wird und öffentliche Bloßstellung droht bei Nicht-Einhaltung
  • einige der bislang „bösesten" Unternehmen stecken sich die höchsten Ziele
  • Vorangeher teilen ihr Wissen mit anderen, was eigentlich als Wettbewerbs-Nachteil gewertet würde

Geht alles viel zu langsam

Und trotzdem: Immer wieder wird der Vorwurf laut, der gesamte Prozess ginge viel zu langsam voran. Heike Hess betont aber, dass es einfach Zeit braucht, wenn man etwas Sinnvolles gestalten will. Und dass das Bündnis sehr anspruchsvoll sei.

Bislang wurde bei allen teilnehmenden Unternehmen der Status Quo ermittelt. Dazu mussten viele Fragen beantwortet werden, die sich natürlich auch danach unterscheiden, ob es sich bei dem Unternehmen um einen Händler oder einen Produzenten handelt.

Produzenten müssen zum Beispiel beantworten, ob und welche Chemikalien eingesetzt werden, welche Sicherheitsstandards gelten, welche Löhne gezahlt werden. Beim Handel wird gefragt: Habt Ihr eine CSR Strategie, wie viel naturnahe Materialien setzt Ihr ein, wie sehen Eure Verträge mit den Lieferanten aus?

Jedes Unternehmen erstellt nach der Erfassung des Status Quo einen Plan mit 3-4 Zielen, die in einem bestimmten Zeitraum erreicht werden sollen.

Geldstrafen sinnvoll?

Gleich von Anfang an mit Bußgeldern zu drohen, hält Heike Hess für destruktiv. Ihrer Meinung nach ist es sinnvoller, es zunächst mit öffentlichem Druck zu versuchen. Denn wenn ein Unternehmen seine selbst gesetzten Ziele nicht erreicht, wird es öffentlich an den Pranger gestellt. Und es besteht auch die Möglichkeit des Ausschlusses aus dem Bündnis.
Sollte dieser Weg nicht funktionieren, könne man immer noch über Strafen nachdenken.

Finanzierung

Die Bundesregierung hat einige Millionen in das Projekt gesteckt. Ab 2018 sollen die Unternehmen aber selbst für die Kosten des Textilbündnisses aufkommen.

Achtsam bleiben!

Trotz aller Euphorie über das bislang Erreichte: Der Druck auf die Textilunternehmen muss aufrecht erhalten werden und es gilt das alte Sprichwort: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.
Aber man muss auch loben können und ganz offenbar hat eine Vielzahl der Textilunternehmen verstanden, dass bestimmte Dinge anders laufen müssen und dass der Kunde immer öfter die Frage stellt: Who made my clothes.

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.