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Diese Frau befreit uns von den Einwegbechern

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COFFEE TO GO
guruXOOX via Getty Images
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Und wir haben alle etwas davon: Mehr Gesundheit, mehr Geld und die Gewissheit, dass wir mithelfen den Planeten zu retten.

Riesiger Müllberg

Es ist ein Nachmittag im März 2015, als Julia Post das Dilemma zum ersten Mal so bewusst wahrnimmt. Jede Stunde werden in Deutschland 320.000 Coffee-to-go-Becher verbraucht. Für deren Produktion werden - allein für den deutschen Markt - 43.000 Bäume gefällt, 1,5 Milliarden Liter Wasser und 22.000 Tonnen Rohöl verbraucht. 111.111 Tonnen CO2 werden dabei in die Atmosphäre geblasen.

Coffee to go again

Julia Post beschließt: Ich will etwas ändern und zwar im großen Stil. Ihre Idee: Cafés in ganz Deutschland erklären sich bereit, mitgebrachte Mehrwegbecher mit Kaffee zu befüllen. Es ist die Geburtsstunde von Coffee To Go Again.

Crowdfunding

Die Studentin erarbeitet ein Konzept und lässt sich in Kampagnen- und Öffentlichkeitsarbeit schulen. Problem: Für eine starke Kampagne braucht es Geld. Ein Logo und eine Homepage müssen entwickelt werden, Aufkleber und Flyer gedruckt. Viele raten Julia Post zu Crowdfunding. Sie hat Respekt, will das eigentlich nicht so richtig. Als sich keine andere Möglichkeit auftut, nimmt sie Mut und Kraft zusammen und probiert es aus. Und es funktioniert.

Mega Erfolg

Aktuell hat die Stadt München hat angekündigt in den Kantinen aller öffentlichen Einrichtungen die Einwegbecher abzuschaffen. Bundesweit tragen schon mehrere hundert Cafés den Coffee-to-go-again-Aufkleber, der den Kunden zeigt: Hier kannst Du Deinen Mehrwegbecher auffüllen lassen. „Die Debatte überhaupt in der breiten Masse in Gang gebracht zu haben", bezeichnet Julia Post als ihren größten Erfolg. Als sie mit ihrer Arbeit anfing, habe fast niemand über das Thema gesprochen oder die Problematik gekannt.

Geld sparen

Julia Post hat das Thema so groß und cool gemacht, dass namhafte Kaffee-Ketten aufgesprungen sind auf den Zug. Und sie belohnen das Mitbringen des Bechers sogar mit einem Rabatt. Der Mehrwegbecher wird immer salonfähiger und Einwegbecher wirken inzwischen schlichtweg uncool.

„Ich möchte mit meiner beruflichen Tätigkeit Spuren hinterlassen und etwas schaffen, das auch noch bleibt, wenn ich den Aufgaben nicht mehr nachgehe. Ich möchte nicht nur auf einer höheren Ebene diskutieren, sondern ganz konkret und Stück für Stück im Kleinen echte Veränderungen bewirken."

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Foto: Andreas Gregor

Die Kritiker

Die Herstellung eines Mehrwegbechers verbrauche viel mehr Ressourcen als die eines Einwegbechers, bekommt Julia Post oft zu hören. Darüber hinaus müsse man das Spülen des Mehrwegbechers einrechnen in die Ökobilanz. „Beides richtig", sagt die Aktivistin. „Aber den Wasserverbrauch beim Spülen hat jeder selbst in der Hand. Eine Spülmaschine sollte bspw. nur laufen, wenn sie voll ist.

Man dürfe bei den Einwegbechern aber auch den riesigen Müllberg nicht vergessen, den sie verursachen. Teile davon landen übrigens auch in den Weltmeeren und schaden dort Tieren und der Gesundheit von Menschen.

Ganz grundsätzlich wünscht auch Julia Post sich Zahlenmaterial. Daten, die Auskunft darüber geben, ob Aufklärungskampagnen wie die ihre nachhaltig etwas verändern. Denn wäre das nicht der Fall, müsse man über andere Maßnahmen nachdenken.

Noch nicht perfekt

„Wie ätzend, dann muss ich ja immer meinen Mehrwegbecher gespült in der Tasche dabei haben." Ein Gedanke, der viele Konsumenten immer noch abhält mitzumachen. Aber auch hierfür gibt es schon eine Lösung. Einige Städte testen ein Pfandsystem. Prinzip: Ich kaufe in Laden A einen Coffee to go in einem Mehrwegbecher, den der Laden zur Verfügung stellt. Habe ich den Becher leer getrunken, kann ich ihn bei einer anderen teilnehmenden Filiale auf meinem Weg abgeben und bekomme mein Pfand zurück.

Zukunftsvision

Julia Post denkt groß. Sie wünscht sich, dass die Menschen, die Gesellschaft Lebensqualität in Zukunft für wichtiger halten als das BIP. Dafür sei es notwendig, dass die Umweltbewegung die Politik noch viel stärker beeinflusst.
Sie selbst will sich als Unternehmensberaterin selbständig machen, speziell für das Social Business und NGOs. Ihre eigenen Erfahrungen mit Coffee To Go Again möchte sie unbedingt weitergeben und damit andere Aktivisten unterstützen.

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