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Die Zukunft der Gelben Engel

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ADAC
Getty
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Kürzlich musste ich seit langer Zeit mal wieder den ADAC rufen. Ich hatte das Auto meiner Mutter geliehen. Das eigene habe ich ja abgeschafft. Aber nun war die Batterie leer an Mamas Auto. Und als wir da so auf der Straße standen, der Gelbe Engel und ich, neben einem Benziner übrigens, kamen wir ins Gespräch. Mobilitätswende, was bedeutet das eigentlich für den ADAC und konkret für die Pannenhelfer? Im Anschluss an unseren Straßenplausch, habe ich meine Fragen an die Pressestelle des ADAC gestellt, und Antworten bekommen von Thomas Burkhardt, ADAC Vizepräsidenten für Technik.

JS: Was wird sich in der Arbeit der Gelben Engel konkret ändern durch alternative Antriebe wie Elektro, Hybrid, Erdgas oder Wasserstoff?

TB: Wir sind jetzt schon auf die Veränderungen durch mehr Elektroautos vorbereitet. Alle unsere Gelben Engel haben eine Ausbildung als sogenannte „EuP". Dieser Terminus steht für „Elektrisch unterwiesene Person". EuP-geschulte Mitarbeiter dürfen an Elektro- und Hybridfahrzeugen arbeiten, allerdings nicht an den starkstromführenden Bauteilen und Leitungen. In diesem Bereich treten aber auch kaum Defekte auf.
Auch im Bereich Erdgasantrieb ist unsere Pannenhilfe geschult. Beim Thema Wasserstoff ist das anders. Das Thema ist noch kein Massenthema und daher ist die Pannenhilfe hier noch am Anfang. Grundsätzlich stehen unsere Technikausbilder mit den Fahrzeugherstellern in ständigem Kontakt, um unsere Mitarbeiter auf dem aktuellsten technischen Stand zu halten.

JS: Setzen Sie auch im eigenen Unternehmen auf alternative Antriebe?

TB: Klar, auch für unsere eigenen Pannenhilfefahrzeuge sind wir unentwegt auf der Suche nach neuen Lösungen. Bis dato haben unsere Gelben Engel Erdgasfahrzeuge, einen Brennstoffzellen-Pkw und Plug-In-Hybriden ausprobiert. Wichtig in diesem Zusammenhang: Für ADAC Pannenhilfefahrzeuge stellen sich im Einsatz besondere Anforderungen. Zum Beispiel muss die Leistungsfähigkeit höher sein als bei Autos für den Privatgebrauch, weil sie durch die Spezialausrüstung viel mehr Zusatzgewicht mit sich führen und gegeben falls auch andere Fahrzeuge abschleppen müssen. Angepasst an städtische Bedingungen kommen bei der Pannenhilfe seit 2016 auch E-Bikes zum Einsatz. Damit sind unsere Pannenhelfer in den Innenstädten von Berlin und Köln schneller am Einsatzort. Die Ausrüstung ist dann allerdings „abgespeckt". Daher haben die E-Bikes auch ein ganz spezielles Einsatzprofil in der Innenstadt.
  
JS: Mit welchen Gefühlen betrachtet der ADAC die Autowende?

TB: Der ADAC ist ein Mobilitätshelfer und Verbraucherschützer, der in Zeiten der Digitalisierung und Dekarbonisierung sämtliche Formen der Mobilität mitgestaltet. Dabei sehen wir keine ‚Autowende' - im Gegenteil. Vor allem auf dem Land wird das Auto das Rückgrat der individuellen Mobilität bleiben. Allerdings werden wir im Sinne einer Mobilitätswende sehen, dass immer mehr Menschen alternative Antriebe nutzen und verschiedenste Verkehrsmittel verstärkt miteinander verknüpfen. Der Anteil emissionsarmer Fahrzeuge wird dabei immer größer werden. Auf diesem Feld bieten wir dem Verbraucher mit unserem ADAC EcoTest bereits seit 2003 Orientierung. Hier testen wir realitätsnäher als Hersteller und Behörden. Dadurch können wir, basierend auf eigenen CO2- und Schadstoffmessungen, Autos eine Umweltvisitenkarte ausstellen. Wir empfehlen nur Autos mit vier oder fünf Umweltsternen. Bis dato führen Pkw mit Elektro- und Hybridantrieb, ein Erdgasauto und einige Fahrzeuge mit sauberen Verbrennungsmotoren. Wir testen im Labor und auf der Straße.
 
JS: Welches Geschäftsfeld ist das wichtigste für den ADAC und verschieben sich die Verhältnisse durch die Mobilitätswende?
 
TB: Wir entwickeln uns seit einiger Zeit Schritt für Schritt zum digitalen Mobilitätshelfer. Die Pannenhilfe bleibt dabei unsere Kernleistung, genauso aber der Verbraucherschutz. Mit neuen Mitgliedschaftsmodellen, zum Beispiel auch für Patchwork Familien, passen wir uns der Lebensrealität unserer Mitglieder an. Bei der Beratung unserer Mitglieder erweitern wir unser digitales Informations- und Beratungsangebot zum Beispiel auch auf den öffentlichen Verkehr sowie jüngere Mobilitätsformen wie Carsharing, automatisiertes Fahren oder E-Bikes.

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