BLOG

Eine offene Plattform f├╝r kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Janine Steeger Headshot

Der erste kompostierbare Teebeutel kommt aus Hamburg

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
TEA
darkbird77 via Getty Images
Drucken

Im Kampf gegen Verpackungsm├╝ll hat Esin Rager mit ihrem Unternehmen gerade einen gro├čen Schritt getan. Die 2fache Mutter verkauft mit ihrem Label samova schon seit 2002 Biotees - sowohl lose, als auch in einzelnen Beuteln verpackt. Bislang geh├Ârten die Beutel samt Verpackung in den Plastik- bzw. Restm├╝ll. Die neue Variante k├Ânnen wir Verbraucher aber guten Gewissens in die braune Tonne werfen. Ein Meilenstein auf dem Weg zu einer besseren Welt.

JS: Wie genau funktioniert das mit dem kompostierbaren Teebeutel?

ER: Die Teebeutel und die dazugeh├Ârige Verpackung bestehen aus dem gartenkompostierbaren Material NatureFlex, das aus nachhaltig produzierter Holzfaser hergestellt wird und in durchschnittlich 6 Wochen auf dem Komposthaufen abgebaut ist. Gleichzeitig ist es zuvor aber so dicht, dass es eine viel gr├Â├čere Mineral├Âlbarriere besitzt als herk├Âmmliche Folien aus Kunststoff. Das ist wichtig, damit keine Schadstoffe von au├čen in den Beutel eindringen k├Ânnen. Um die Gartenkompostierung dieser Folie nicht zu st├Âren, verwenden wir au├čerdem spezielle Farben und bedrucken die Folienoberfl├Ąche nur zu einem vorgeschriebenen, geringen Prozentsatz.

2017-05-30-1496172217-5144979-SachetfolieNPFLogo.jpg

JS: K├Ânnte das eine Revolution f├╝r die gesamte Verpackungsbranche sein?

ER: Auf jeden Fall. Neben der Luftverschmutzung ist Plastikm├╝ll aktuell eines der gr├Â├čten Probleme unseres Planeten. Folienmaterial spielt dabei eine gro├če Rolle. Wenn das von samova verwendete Material von allen Herstellern eingesetzt w├╝rde und damit Folienabf├Ąlle in kurzer Zeit und auf nat├╝rlichem Weg verrotten k├Ânnten, w├Ąren wir ein gro├čes St├╝ck weiter.

JS: Bei M├╝llbeuteln aus Plastik f├╝r die Biotonne wird ja auch immer gesagt, es g├Ąbe kompostierbare. Die d├╝rfen aber zum Beispiel nicht in die Bio-Tonne. Kann ich die kompostierbaren Teebeutel wirklich zu M├Âhrenschalen und Kaffeesatz schmei├čen?

ER: In Frankreich w├Ąre man sogar verpflichtet dazu, in Deutschland warten wir noch auf die formal rechtliche Best├Ątigung. Laut der Europ├Ąischen Norm EN 13432 m├╝ssen sich ├╝ber 90% der Folie innerhalb von 60 Tagen abgebaut haben, damit diese f├╝r den Biom├╝ll zugelassen ist. Die durchschnittliche Rottezeit der NatureFlex-Folien betr├Ągt nur 42 Tage. Es w├Ąre also kein Problem, die Genehmigung auch bei uns auszustellen.
So paradox es klingen mag: F├╝r den Komposthaufen im Garten ist die Folie schon zugelassen, sie verrottet dort unter normalen Bedingungen innerhalb von rund sechs Wochen. F├╝r die Biotonne stehen in Deutschland noch gesetzliche Genehmigungen aus, die in anderen europ├Ąischen L├Ąndern schon optimiert sind. Das hat wahrscheinlich mit der Tr├Ągheit der Systeme zu tun, aber sicher auch mit Lobbyarbeit: Mit der Verwendung und Entsorgung von Plastikm├╝ll wird viel Geld verdient. Ohne den massiven Druck der ├Âkologisch verantwortungsvoll handelnden Verbraucher und Unternehmen wird da nichts passieren. Deshalb handeln wir jetzt!

JS: Warum sind Ihnen solche Entwicklungen so wichtig? Das kostet ja auch alles viel Geld und Zeit.

ER: Ich sehe unsere Produkte als meine ganz pers├Ânliche M├Âglichkeit, Dinge positiv zu ver├Ąndern. Was bedeutet Geld in einer Gesellschaft, die im eigenen M├╝ll versinkt? Geld kann die Welt nur regieren, wenn wir uns davon abh├Ąngig machen. Wer es innerlich und ├Ąu├čerlich schafft, diese Abh├Ąngigkeit zu ├╝berwinden, kann auch wieder frei denken. Und je mehr Menschen etwas verstehen und mitmachen, desto einfacher wird es dann, Ver├Ąnderungen gesellschaftlich umzusetzen.

JS: Was war die bislang gr├Â├čte unternehmerische Herausforderung f├╝r Sie pers├Ânlich?

ER: Die bestand darin als Journalistin und zweifache Mutter auf einmal Kauffrau zu sein, Handel zu betreiben und mich dabei nicht komplett ├╝ber den Tisch ziehen zu lassen. Ich habe auf dem Weg viel Lehrgeld gezahlt - und gleichzeitig in 15 Jahren am Markt gemeinsam mit meinem Team das schaffen k├Ânnen, was samova ausmacht: kompromisslos nachhaltige und kreative Bio-Produkte.

JS: Vor welchen Herausforderungen steht die Teebranche in der Zukunft?

ER: Als wir angefangen haben, wurde ich noch von vielen alteingesessenen H├Ąndlern daf├╝r bel├Ąchelt moderne Teekultur in Deutschland zu pr├Ąsentieren. Heute gibt es mehr Nachahmer, als wir uns h├Ątten ausdenken k├Ânnen. Was uns freut, denn endlich erh├Ąlt Tee den Stellenwert, den dieses tolle Getr├Ąnk verdient. Mit Fortschreiten der Umweltzerst├Ârung auf unserem Planeten wird es allerdings immer schwieriger, konsequent saubere Bio-Produkte zu erschwinglichen Preisen anzubieten. Hier muss sich die gesamte Branche engagieren und die ├Âkologische Landwirtschaft weltweit st├Ąrken und ausbauen. Und die eigene Lebensweise immer wieder in Frage stellen und dem Gleichgewicht der Natur anpassen.

JS: Haben Sie eine Vision?

ER: Ich bin OpTEAmistin. :) Meine Vision ist eine moderne Gesellschaft, in der Genuss und Spa├č im Einklang stehen mit kultureller Vielfalt und ├Âkologischem Gleichgewicht.

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform f├╝r alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.