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Der erste kompostierbare Teebeutel kommt aus Hamburg

31/05/2017 19:46 CEST | Aktualisiert 31/05/2017 19:46 CEST
darkbird77 via Getty Images

Im Kampf gegen Verpackungsmüll hat Esin Rager mit ihrem Unternehmen gerade einen großen Schritt getan. Die 2fache Mutter verkauft mit ihrem Label samova schon seit 2002 Biotees - sowohl lose, als auch in einzelnen Beuteln verpackt. Bislang gehörten die Beutel samt Verpackung in den Plastik- bzw. Restmüll. Die neue Variante können wir Verbraucher aber guten Gewissens in die braune Tonne werfen. Ein Meilenstein auf dem Weg zu einer besseren Welt.

JS: Wie genau funktioniert das mit dem kompostierbaren Teebeutel?

ER: Die Teebeutel und die dazugehörige Verpackung bestehen aus dem gartenkompostierbaren Material NatureFlex, das aus nachhaltig produzierter Holzfaser hergestellt wird und in durchschnittlich 6 Wochen auf dem Komposthaufen abgebaut ist. Gleichzeitig ist es zuvor aber so dicht, dass es eine viel größere Mineralölbarriere besitzt als herkömmliche Folien aus Kunststoff. Das ist wichtig, damit keine Schadstoffe von außen in den Beutel eindringen können. Um die Gartenkompostierung dieser Folie nicht zu stören, verwenden wir außerdem spezielle Farben und bedrucken die Folienoberfläche nur zu einem vorgeschriebenen, geringen Prozentsatz.

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JS: Könnte das eine Revolution für die gesamte Verpackungsbranche sein?

ER: Auf jeden Fall. Neben der Luftverschmutzung ist Plastikmüll aktuell eines der größten Probleme unseres Planeten. Folienmaterial spielt dabei eine große Rolle. Wenn das von samova verwendete Material von allen Herstellern eingesetzt würde und damit Folienabfälle in kurzer Zeit und auf natürlichem Weg verrotten könnten, wären wir ein großes Stück weiter.

JS: Bei Müllbeuteln aus Plastik für die Biotonne wird ja auch immer gesagt, es gäbe kompostierbare. Die dürfen aber zum Beispiel nicht in die Bio-Tonne. Kann ich die kompostierbaren Teebeutel wirklich zu Möhrenschalen und Kaffeesatz schmeißen?

ER: In Frankreich wäre man sogar verpflichtet dazu, in Deutschland warten wir noch auf die formal rechtliche Bestätigung. Laut der Europäischen Norm EN 13432 müssen sich über 90% der Folie innerhalb von 60 Tagen abgebaut haben, damit diese für den Biomüll zugelassen ist. Die durchschnittliche Rottezeit der NatureFlex-Folien beträgt nur 42 Tage. Es wäre also kein Problem, die Genehmigung auch bei uns auszustellen.

So paradox es klingen mag: Für den Komposthaufen im Garten ist die Folie schon zugelassen, sie verrottet dort unter normalen Bedingungen innerhalb von rund sechs Wochen. Für die Biotonne stehen in Deutschland noch gesetzliche Genehmigungen aus, die in anderen europäischen Ländern schon optimiert sind. Das hat wahrscheinlich mit der Trägheit der Systeme zu tun, aber sicher auch mit Lobbyarbeit: Mit der Verwendung und Entsorgung von Plastikmüll wird viel Geld verdient. Ohne den massiven Druck der ökologisch verantwortungsvoll handelnden Verbraucher und Unternehmen wird da nichts passieren. Deshalb handeln wir jetzt!

JS: Warum sind Ihnen solche Entwicklungen so wichtig? Das kostet ja auch alles viel Geld und Zeit.

ER: Ich sehe unsere Produkte als meine ganz persönliche Möglichkeit, Dinge positiv zu verändern. Was bedeutet Geld in einer Gesellschaft, die im eigenen Müll versinkt? Geld kann die Welt nur regieren, wenn wir uns davon abhängig machen. Wer es innerlich und äußerlich schafft, diese Abhängigkeit zu überwinden, kann auch wieder frei denken. Und je mehr Menschen etwas verstehen und mitmachen, desto einfacher wird es dann, Veränderungen gesellschaftlich umzusetzen.

JS: Was war die bislang größte unternehmerische Herausforderung für Sie persönlich?

ER: Die bestand darin als Journalistin und zweifache Mutter auf einmal Kauffrau zu sein, Handel zu betreiben und mich dabei nicht komplett über den Tisch ziehen zu lassen. Ich habe auf dem Weg viel Lehrgeld gezahlt - und gleichzeitig in 15 Jahren am Markt gemeinsam mit meinem Team das schaffen können, was samova ausmacht: kompromisslos nachhaltige und kreative Bio-Produkte.

JS: Vor welchen Herausforderungen steht die Teebranche in der Zukunft?

ER: Als wir angefangen haben, wurde ich noch von vielen alteingesessenen Händlern dafür belächelt moderne Teekultur in Deutschland zu präsentieren. Heute gibt es mehr Nachahmer, als wir uns hätten ausdenken können. Was uns freut, denn endlich erhält Tee den Stellenwert, den dieses tolle Getränk verdient. Mit Fortschreiten der Umweltzerstörung auf unserem Planeten wird es allerdings immer schwieriger, konsequent saubere Bio-Produkte zu erschwinglichen Preisen anzubieten. Hier muss sich die gesamte Branche engagieren und die ökologische Landwirtschaft weltweit stärken und ausbauen. Und die eigene Lebensweise immer wieder in Frage stellen und dem Gleichgewicht der Natur anpassen.

JS: Haben Sie eine Vision?

ER: Ich bin OpTEAmistin. :) Meine Vision ist eine moderne Gesellschaft, in der Genuss und Spaß im Einklang stehen mit kultureller Vielfalt und ökologischem Gleichgewicht.

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