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Ich lag zehn Tage lang als lebende Tote im Koma - und das war das größte Geschenk meines Lebens

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Ich habe vor einiger Zeit ein wirklich außergewöhnliches Geschenk erhalten. Ich lag zehn Tage lang als lebende Tote im Koma.

Als der Unfall passierte, war ich Profisportlerin und bereitete mich gerade auf die Olympischen Winterspiele 1988 in Calgary vor. Ich trainierte gerade mit meinen Teamkolleginnen auf dem Fahrrad, als ich von einem LKW erfasst wurde, der viel zu schnell war. Die Ersthelfer am Unfallort gingen nicht davon aus, dass ich überleben würde, da ich schwere lebensbedrohliche Verletzungen erlitten hatte: Mein Genick und mein Rücken waren an sechs Stellen gebrochen, ich hatte zahlreiche weitere Brüche, Kopfverletzungen und starke innere Blutungen.

Eine Zusammenfassung des Textes, seht ihr im Video oben.

Ich erinnere mich nur noch daran, dass mir die Sonne ins Gesicht schien. Was an diesem schicksalhaften Tag sonst noch passierte, werde ich wohl nie genau erfahren.

Ich bekam nicht mehr mit, was um mich herum passierte, als die Sanitäter und Notärzte verzweifelt versuchten, mich am Leben zu halten.

Ich hatte meinen Körper verlassen und ebenfalls zu kämpfen begonnen - ich kämpfte im wahrsten Sinne des Wortes um mein Leben.

Mein Erlebnis war anders als die berühmte "Nahtoderfahrung"

Dieses Erlebnis war anders als die berühmte "Nahtoderfahrung", von der viele Menschen berichten. Ich sah kein Licht am Ende des Tunnels und es wartete auch niemand auf mich, um mir zu sagen, dass meine Zeit noch nicht gekommen war. Ich sah weder irgendwelche religiösen Symbole noch Engel, die mich willkommen hießen.

Ich konnte nach Belieben zwischen beiden Dimensionen hin- und herwechseln. Gerade noch befand ich mich auf physischer Ebene in meinen Körper, und schon im nächsten Moment wechselte ich in die außerphysische Ebene - manchmal befand ich mich sogar zur selben Zeit an beiden Orten.

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Der einzige Unterschied war, dass ich in der physischen Ebene schreckliche Schmerzen hatte, während ich in der außerphysischen Ebene vollkommen frei von sämtlichen weltlichen Problemen zu sein schien und keinerlei Schmerzen verspürte.

Ich wusste, dass ich von Seelen begleitet und unterstützt wurde, die diese Reise schon lange vor mir gemacht hatten. Wir sprachen nicht miteinander, sondern tauschten uns lediglich gedanklich miteinander aus, doch selbst diese Gedanken kann ich heute nicht mehr richtig wiedergeben. Ich befand mich in einem Zustand vollkommenen Bewusstseins.

Ich wusste, dass mein Leben niemals wieder so sein würde wie zuvor

Und diese Seelen - die Wesen und Erscheinungen, die mich begleiteten - machten mir auch das zu Beginn erwähnte Geschenk. Die Kernaussage dieses Geschenks begleitet mich bis heute.

Man gab mir die Wahl: Ich konnte entweder in dieser geistigen Welt bleiben, oder in meinen physischen Körper zurückkehren - ein Körper, der durch den Unfall offensichtlich irreparable Schäden erlitten hatte. Ich hatte lediglich die Gewissheit, dass ich unvorstellbare Schmerzen und nicht vorhersehbare körperliche und emotionale Verluste erleiden würde, wenn ich mich dafür entscheiden sollte, auf die Erde zurückzukehren.

Außerdem wusste ich, dass mein Leben niemals wieder so sein würde wie zuvor.

Und dabei war mir stets bewusst: Diese Entscheidung konnte ich nur ganz allein treffen.

Meine Besucher auf der Intensivstation wachten besorgt über mich, während ich mich beharrlich an mein Leben klammerte. Die Ärzte waren aufgrund meiner starken inneren Blutungen äußerst beunruhigt, und sie informierten meine Eltern, dass sie nichts mehr für mich tun konnten. Man sagte ihnen, sie sollten sich auf das Schlimmste vorbereiten.

Zur Verwunderung all derer, die mich bereits tot geglaubt hatten, öffnete ich nach zehn Tagen wieder meine Augen.

Mein Vater wollte sich mit dieser schrecklichen Prognose nicht abfinden. Er drückte meine Hand ganz fest und begann zu beten: "Lieber Gott, nimm meine Kraft und schenk sie Janine. Ich bin stark genug für uns beide. Bitte lass sie nicht gehen."

Als die Kraft seiner aufrichtigen Liebe mich durchfuhr, nahm ich meine letzten Energiereserven zusammen und begann zu kämpfen.

Mit Hilfe der medizinischen Versorgung und all der Liebe und Hoffnung, die meine Begleiter in dieser und in der anderen Welt mir schenkten, schaffte ich es, wieder auf die Erde zurückzukehren. Zur Verwunderung all derer, die mich bereits tot geglaubt hatten, öffnete ich nach zehn Tagen wieder meine Augen.

Die wichtigste Erkenntnis für mich ist, dass ich nicht in meinen Körper zurückgekehrt bin, um anderen von meinen Erfahrungen im Jenseits zu berichten. Ich bin zurückgekommen, weil ich lernen sollte, mein Leben voll und ganz zu genießen.

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Als ich mich dafür entschied, auf die Erde zurückzukehren, wurde mir klar, dass es sinnvoller für mich war, zu lernen, das Beste aus meinem jetzigen Leben zu machen, anstatt nach Möglichkeiten zu suchen, um diesem Leben zu entkommen.

Und mein Geschenk? Durch diese zehn Tage im Koma, in denen ich völlig frei zwischen der irdischen und der himmlischen Welt hin- und herwechseln konnte, erhielt ich ein tiefes und fundiertes Verständnis über mein wahres Ich und über den Sinn meines Lebens.

Meine Erfahrung mit dem Tod hat mir Folgendes gezeigt:

1) Unsere größte Macht liegt in der Kraft unseres freien Willens.

Ich hatte mich bewusst dafür entschieden, in meinen Körper zurückzukehren. Dieses Wissen verlieh mir ein Gefühl von Verantwortung und ich verstand, wie ich mein Leben von nun an weiterführen sollte. Ich hatte zwar keinen Einfluss auf meine äußeren Lebensumstände, ich wusste jedoch, dass der Umgang mit meinem Seelenleben ganz allein in meiner Hand lag.

Diese Einsicht motivierte mich dazu, mein Leben auf bemerkenswerte und ungewöhnliche Weise neu zu erfinden. Ich saß mit einem Ganzkörpergips in meinem Rollstuhl und beobachtete fasziniert ein Flugzeug, das über meinen Kopf hinweg zog. Und in genau diesem Moment traf ich eine Entscheidung, die unglaublichen Einfluss auf mein zukünftiges Leben haben sollte:

Wenn ich schon nicht gehen kann, dann kann ich vielleicht fliegen!

Dieser Augenblick veränderte mein komplettes Leben. Ich nahm nicht nur Flugstunden, sondern ich ließ mich sogar zur Kunstfliegerin und Fluglehrerin ausbilden. Nebenbei baute ich mir ein ganz neues Leben als Autorin, Sprecherin und Mutter auf.

Oft ziehen auf den ersten Blick unbedeutend erscheinende Entscheidungen tiefgreifende und unvorhersehbare Konsequenzen nach sich. Wir treffen in jedem Moment jedes einzelnen Tages Entscheidungen, die unsere Zukunft beeinflussen, selbst wenn uns das zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst ist. Unsere Entscheidungen können den weiteren Verlauf unseres Lebens von einem Moment zum nächsten vollkommen verändern.

2) Im Leben geht es vor allem darum, Chancen zu erschaffen, zu ergreifen und weiterzuverfolgen.

Als Profisportlerin hatte ich mich selbst stets über meine körperlichen Merkmale und Fähigkeiten definiert. Meine sportlichen Leistungen bestimmten darüber, wer ich war und wie ich mich der Welt präsentierte. Ich glaubte, dass meine ganze Stärke in meinem Körper lag, und deshalb war mir mein Körper auch wichtiger als alles andere in meinem Leben.

Doch indem ich in einen Körper zurückkehrte, der nicht mehr so funktionierte wie früher, erhielt ich die großartige Gelegenheit, auf seelischer Ebene zu wachsen. Für mich war das der Weckruf, der mir die wahren Geschenke zeigte, die mein Leben für mich bereit hielt.

"Du bestehst nicht nur aus deinem Körper. Jeder von hat die Chance, sich neue Träume zu erschaffen. Lass dich nicht von den Dingen definieren, die du verloren hast, sondern lieber davon, wer du wirklich bist und was du noch alles werden kannst."

Meine Erfahrung mit dem Tod hat mir gezeigt, dass meine wahre Stärke eigentlich niemals nur in meinen Körper lag. Denn echte innere Kraft ist nicht an etwas gebunden, das man verlieren kann. Unsere Stärke entstammt der Seele, die in jedem von uns ruht - diesem starken menschlichen Geist, der durch nichts zerstört werden kann.

Und dieses Wissen ist ein wahres Geschenk.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der HuffPost USA und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

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