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Plötzlich allein

30/07/2017 19:01 CEST | Aktualisiert 09/10/2017 16:43 CEST
milos-kreckovic via Getty Images

...da stand er nun vor mir. Geduscht, im Anzug und mit geröteten Augen. Wir schauten uns einen Moment lang an. Mein Herz klopfte dabei so wild und pulsierend, man hätte jeden einzelnen Herzschlag mit bloßem Auge sehen können. Ich richtete mich auf. Wirre Fragen schossen mir durch den Kopf. Wie geht es jetzt weiter? Will er, dass ich mich jetzt anziehe und seine Wohnung verlasse? Will er mir noch etwas mitteilen? Will er sich verabschieden? Meine Gedanken rasten kreuz und quer.

„Ich werde jetzt ins Büro fahren", sagte er in gebrochenem Ton. Mir stockte der Atem und plötzlich spürte ich wieder ein Zittern am ganzen Körper. Ich konnte kaum sprechen und bekam gerade noch ein kaum hörbares „okay" raus. Er setzte sich zu mir, gab mir einen Kuss auf die Stirn und wünschte mir für die Zukunft nur das Schönste. Eigentlich sagte er noch einiges mehr, doch ich konnte ihn nicht mehr hören. Meine Gedanken wurden so laut, dass ich meine Umwelt nicht mehr wahrnehmen konnte.

Das kann doch nicht wahr sein. Das ist doch ein bestialisch-bösartiger Traum. Bitte weck mich doch jemand auf.

Er stand auf, ging Richtung Zimmertür und blickte sich noch einmal um. Noch immer konnte ich nicht begreifen, was hier gerade passierte. Er warf mir einen letzten Blick zu und verschwand. Eine ganze Weile saß ich noch auf seinem Bett und hatte dabei sämtliches Verständnis für mein Dasein verloren. Wie im schlimmsten Drogenrausch im „Feeling Blue" Modus, zog auch ich mich nun an, ging ins Bad und wage einen Blick in den Spiegel.

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Ich war entsetzt. War das wirklich ich? Dieser jämmerliche Anblick!? Meine Augen waren zugeschwollen, meine Nase wund und meine Wangen gefleckt. Eindeutig - einmal im Leben schienen mein inneres und äußeres Gefühl tatsächlich mal übereinzustimmen. Ich kippte mir kaltes Wasser ins Gesicht. Keine kluge Idee. Sämtliche Gefäße zogen sich zusammen und erröteten in Purpurfarben. Hier hätte noch nicht mal der Star Visagist Boris Entrup etwas retten können.

Ich ging ins Wohnzimmer, griff mir mein Handy und starrte wie hypnotisiert auf das Display. „Keine neuen Mitteilungen", so der Hinweis. Da hatte ich ihn also. DEN Beweis schlecht hin. Das ist alles nur ein bestialisch-bösartiger Traum!

Noch nie ist es in der Geschichte meiner Handykarriere vorgekommen, dass ich über den Abend hinweg und/oder auch über Nacht „keine neuen Mitteilungen" erhalten habe. Noch nie! Ich griff nach meinen restlichen Sachen und schenkte seiner Wohnung einen allerletzten Blick.

Mehr zum Thema: Der Morgen danach

Mit zitternden Händen zog ich die Haustür hinter mir zu. Ich spürte sehr genau, dass dies das letzte Mal gewesen sein würde, an dem ich diesen Ort hier besuchte. Ich lief das Treppenhaus hinunter und öffnete die Hauseingangstür. Helle Sonnenstrahlen blendeten meine Augen. Jeder einzelne Sonnenstrahl fühlte sich an wie ein Feuerball auf meiner Haut. Reflexartig hielt ich mir beide Hände vors Gesicht. Seine Nachbarin, eine freundlich betagte Dame, kreuzte meinen Weg. „Ist es nicht ein wunderschöner Tag, junges Fräulein?!", fragte sie und blickte mir dabei ins Gesicht. Ich nickte nur höflich und ging, noch bevor es zu einen Gespräch kommen konnte, fix die Straße entlang. Eine Chaussee führte Richtung Bahn.

Dass diese Chaussee mich nicht nur in Richtung Bahn führen würde, sondern dass dies gleichzeitig der Beginn einer langen Reise sein würde, habe ich damals noch nicht erkannt. Eine Reise zu mir selbst. -

Einmal Hölle und zurück - ich erzähl dir meine Geschichte

Fortsetzung folgt!.

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