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Ein Einblick in mein Leben in der Psychiatrie

26/11/2017 14:47 CET | Aktualisiert 26/11/2017 14:47 CET
KatarzynaBialasiewicz via Getty Images

Einige Wochen waren nach meiner Einweisung in die Psychiatrie vergangen, und mein seelischer Gesundheitszustand blieb unverändert. Die Ärzte versuchten wahrscheinlich ihr Bestes, doch davon bemerkte ich nichts.

Regelmäßig kamen Ärzte und Pfleger auf mich zu und versorgten mich mit neuen Medikamenten.

Und wenn Nebenwirkungen auftraten, gab es eben halt ein zusätzliches Medikament, welches die Nebenwirkungen aufhob.

Der Beginn meines persönlichen Tabletten-Tangos begann. Die Klinik versorgte mich mit unterschiedlichen Arten von Medikamenten, angefangen von Beruhigungsmitteln, über Schlaftabletten, Psychopharmaka bis hin zu Neuroleptika. Die Ärzte hatten keine Scheu, sich an mir auszutoben. Schließlich war ich bei einer Tagesdosis von 8 Pillen angekommen.

Die Wirkung der Medikamente haben deutliche Spuren hinterlassen. Sie führten dazu, dass ich emotional verkümmerte, und auch mein äußeres Erscheinungsbild war nicht mehr anschaulich.

Mein Gesicht wirkte erschreckend verquollen und meine Blicke glichen der einer Verstorbenen. Das Pharmazeutikum schickte meine Seele auf Reisen. Der einzige Vorteil daran war, dass ich während der Einnahme der hochdosierten Medikamente nicht in der Lage war, mein Inneres und Äußeres zu reflektieren. Ich war emotional abgestumpft.

In ruhigen Momenten habe ich, begleitet von psychotischen Gedankengängen, den Kontakt mit meinem Ex-Partner gehalten. Ich konnte und wollte die Trennung nicht akzeptieren und habe deshalb versucht, ihn auch während meines Klinikaufenthaltes umzustimmen. Immerzu belästigte ich ihn mit Nachrichten und Anrufen, und er war so geduldig und ertrug es zu diesem Zeitpunkt einfach nur.

Als ich mich eines Tages etwas klarer im Kopf empfand, begann ich meine Trauer schriftlich festzuhalten und schrieb ihm einen Brief. Ich begann, aufzuschreiben wie wir uns kennenlernten, was mir an ihm gefiel und wie verliebt ich doch gewesen war. Während des Schreibens begann ich mich daran zu erinnern, wie schön unsere Zeit einst gewesen war.

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Ich legte mehrfach den Stift bei Seite und fing an zu weinen. Die Erinnerungen schienen plötzlich gegenwärtig und es fühlte sich so an, als ob ich jedes Detail meiner Gefühle mit den Erinnerungen hervorrufen konnte.

Ich hatte Schmetterlinge im Bauch, als ich über unser Kennenlernen schrieb. Ich habe laut lachen müssen, als ich mich an seinen Humor erinnerte, und ich habe denselben bestialischen Schmerz empfunden, als ich über unsere Trennung schrieb. Hier nahm ich das erste Mal wahr, dass das Schreiben für mich einen Zugang zu mir selbst öffnete.

"Deine Spitzfindigkeit bzgl. der Aussprache von „Freixenet" bleibt unvergessen. Nach Kopenhagen haben wir es dennoch nie geschafft."

Das war eine von vielen Erinnerungen, die ich schriftlich festhielt. Ich begann, diese Aussage in meinen Gedanken zu manifestieren und projizierte dabei Momentaufnahmen im Geiste. Immerzu sah ich Bilder vor mir.

Geküsst vom Glück und geknechtet vom Kummer. Meine Nerven waren zum Zerreißen gespannt, und ich hatte keine Geduld, den postalischen Weg abzuwarten. Also entschloss ich mich dazu, den Brief zu fotografieren und ihn ihm in einer Nachricht via Handy zu übermitteln.

Seine Antwort war meine Erkenntnis.

Einmal Hölle und zurück - ich erzähl dir meine Geschichte. Fortsetzung folgt!

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