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In Sicherheit

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
GIRL MENTAL HOSPITAL
Slavica via Getty Images
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Nur langsam wurde mir bewusst, wo ich mich gegenw├Ąrtig befand. Der Stationsarzt verabschiedete sich und schloss hinter sich die T├╝r. Ich sa├č auf meinem Bett. Meine Augen zugeschwollen vom Weinen und nur wenig Stunden Schlaf.

Ich blickte mich im Raum um. Der Raum hatte jedoch nicht viel zu bieten. Mein Bett, ein Linoleumboden, vier wei├če W├Ąnde und eine Videokamera, an einer Wand befestigt, die auf mein Bett gerichtet war.

Ich f├╝hlte mich sehr unwohl und beobachtet und entschloss mich deshalb, das Zimmer zu verlassen. Als ich das Zimmer verlie├č, machten sich pl├Âtzlich zwei Krankenpfleger mit wedelnden Armen auf den Weg zu mir. Sichtlich erschrocken und irritiert blieb ich auf dem Gang stehen.

Mir wurde nahegelegt, mich wieder in mein Bett zu legen, da mein gesundheitlicher Zustand noch nicht stabil sei. Mir fehlte in diesem Moment tats├Ąchlich die F├Ąhigkeit, selbst einzusch├Ątzen wie mein derzeitiges Befinden ├╝berhaupt gewesen sein mag. Und was bedeutet ├╝berhaupt ÔÇ×stabil"?
 
Ich drehte um und sichtete dabei einen Patienten dieser Station. Der Anblick war ├Ąu├čerst erschreckend. Der Mann schien fern ab von einer gesunden, geistigen Verfassung zu sein und murmelte nur unverst├Ąndliches Zeug vor sich her.

Wei├čer Schaum umrandete seine Mundwinkel, und er schaute mich mit glasigen Augen und gleichzeitig auch mit einem leeren Blick an. Ich war sofort ver├Ąngstigt, wich seinen Blicken aus und ging zur├╝ck auf mein Zimmer. Ich schmiss mich aufs Bett und fing an zu weinen. Ich konnte nicht verstehen, weshalb ich mich ├╝berhaupt auf dieser Station und/oder ├╝berhaupt im Krankenhaus befand. Ich f├╝hlte mich nicht ann├Ąhernd so hilfsbed├╝rftig, wie mir auf dieser Station so manch anderer Patient erschien. Kurzum: Mir fehlte die Einsicht f├╝r mein Befinden.
 
Meine Schwester brachte mir Kleidung und Waschutensilien. ÔÇ×Erst mal nur f├╝r ein paar Tage", sagte sie mit angeschlagener Stimme. Dass sie sich in dieser Situation mindestens genauso unwohl f├╝hlte wie ich, war ihr deutlich anzusehen. Ich suchte in diesem Moment nicht nach einem Gespr├Ąch, sondern empfand einfach nur unendlich viel Dankbarkeit - allein daf├╝r, dass sie da war.
 
ÔÇ×Erst mal nur f├╝r ein paar Tage" . Immerzu musste ich an diesen Satz denken. Wie lange w├╝rde ich wohl hier bleiben m├╝ssen, dachte ich?! Ich rechnete mit 3 oder maximal 5 Tagen. Bis dahin w├╝rde ich mich erholt haben und zu Kr├Ąften gekommen sein. Dass ich weitaus mehr Tage im Krankenhaus verbringen w├╝rde, wollte ich zu dem Zeitpunkt nicht wahrhaben.
 
Zum Abend brachte mir ein Pfleger einen Tee und etwas Brot. Zus├Ątzlich hatte er zwei kleine, wei├če Pillen in einem Beh├Ąlter dabei. Er nannte den Namen und die Wirkung des Medikaments. Ich hatte schon wieder nichts verstanden, nickte einfach nur nahm und beide Pillen zeitgleich ein. Er verlie├č den Raum und kam mit Verbandszeug wieder. Er versorgte vorsichtig die Schnittwunden an meinem Handgelenk und verband dieses dann im Anschluss.
 
Ich versp├╝rte weder Hunger noch Durst. Ich legte mich wieder ins Bett und griff nach meinem Handy. Ich versuchte ein wenig zu rekonstruieren, was in der Nacht zuvor geschehen war, denn ich wies noch immer Wissensl├╝cken auf. Egal, wie sehr ich mich auch bem├╝hte: Vieles bleibt bis heute im Verborgenen.
 
Einmal H├Âlle und zur├╝ck - ich erz├Ąhl dir meine Geschichte.
 
Fortsetzung folgt!

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