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10 Tage Wahnsinn - Teil 4

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BIPOLAR DISORDER
KatarzynaBialasiewicz via Getty Images
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....völlig aufgelöst und verwirrt erreichte ich mein Zuhause. Gnals begrüßte mich überschwänglich, und heimlich war ich froh, ihn wiederzusehen. Ich legte meine Schlüssel ab, zog meine Schuhe aus und legte mich ins Bett.

Ich begann nachzudenken. Was passiert mit mir? Und, wenn ich mit Gott sprechen dürfte, welche Fragen würde ich ihm wohl stellen?! Welchen Tag haben wir heute? Und wache ich morgen wieder auf? Ich fand weder die passenden Fragen, noch die passenden Antworten. Also grübelte ich vor mich hin. Ich drehte mich von links nach rechts. Tauschte die Bettseiten. Tauschte Kopf- gegen Fußlage und empfand dabei die totale Erschöpfung.

Ich schlief ein, und als ich wieder aufwachte, fühlte ich mich abgrundtief erbärmlich. Der Schweiß lief mir übers Gesicht, mein Puls raste, und ich fühlte mich schmutzig. „Ist es noch hell oder schon dunkel?", fragte ich mich, ging Richtung Fenster und öffnete die Vorhänge. „Es ist endlich dunkel", dachte ich, öffnete das Fenster und genoss die klare Luft.

Die abgekühlte Luft durchflutete auch mein Schlafzimmer, und plötzlich wuchs das Bedürfnis nach einer Dusche in mir. Ich gelange zu der Erkenntnis, dass meine Haarwurzeln nach mehreren Tagen ohne Pflege unfassbar anfingen zu schmerzen. Es fühlte sich so an, als ob ich jedes einzelne Haar hätte einfach abrechen können.

Und hier konnte ich sehr genau das, für Außenstehende unverständliche, Handeln von Britney Spears im Jahr 2007 nachempfinden, als sie sich dazu entschlossen hatte, sich eine Glatze zu rasieren. „Das muss sich wie eine ultimative Befreiung angefühlt haben", dachte ich. Eine Kopfrasur empfand ich als eine schöne Art von Neuanfang.

Ich ging ins Bad. Und ohne einen Blick in den Spiegel zu wagen, zog ich meine Kleidung aus und stellte mich unter die Dusche. Das Wasser plätscherte über meinen Körper. Ich sah dabei zu, wie einzelne Tropfen an meinen Körper abprallten und sich den Weg Richtung Abfluss suchten. Plötzlich dachte ich über die Widerstandsfähigkeit meiner Haut nach.

„Wahnsinn, meine Haut lässt Wassertropfen einfach von sich abprallen". Wieso besitzt diese Fähigkeit nicht mein Gehirn? Und wenn nicht mein Gehirn, dann doch bitte mein Herz?!", dachte ich und schloss meine Augen. Ich konzentrierte mich auf den Klang meiner Dusche. Unruhe überkam mich plötzlich. „Das Wasser läuft zu schnell", dachte ich und stellte den Regelungsapparat runter.

Blitzartig kam mir der Gedanke, dass auch das ganze Leben viel zu schnell läuft. Mindestens so schnell wie die Formel 1. Das Wasser läuft zu schnell, mein Puls schlägt zu schnell, die Uhr tickt zu schnell, ja selbst die Trennung kam zu schnell. Das Leben rast an mir vorbei und ich stehe auf dem Abstellgleis.

Ich verlieĂź die Dusche, warf mir meinen Bademantel ĂĽber und wickelte meine Haare in ein Handtuch ein. Ich setzte mich aufs Bett und schon wieder musste ich weinen. Ich fĂĽhlte mich so kraftlos, wie DĂĽnnglas so zerbrechlich.

Die Schulter tief runter hängend, saß ich auf meinem Bett, krallte mich fest an meine Matratze und stampfte mit beiden Füßen auf den Boden. „Das darf nicht wahr sein! Das darf wirklich nicht wahr sein!
Gott, bitte hilf mir!", schrie ich auf und weinte laut.

Einmal Hölle und zurück - ich erzähl dir meine Geschichte.
Fortsetzung folgt!

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