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10 Tage Wahnsinn - Teil 3

26/08/2017 16:15 CEST | Aktualisiert 09/10/2017 16:43 CEST
Adam Kuylenstierna / EyeEm via Getty Images

...viele Tage vergingen, ohne dass ich Notiz von ihnen genommen hatte. Die meiste Zeit verbrachte ich im Bett und tauschte Tage durch Nächte. Nachts schienen mir meine Gedanken klarer, fast als würde ich mein Leben von außen betrachten können.

Ich hatte große Mühe damit, soziale Kontakte aufrecht zu erhalten. Das wurde im Laufe der Zeit auch nicht besser, denn meine Familie und auch die Freunde pflegten in der Nacht zu schlafen und tagsüber tat ich des Gleichen.

Es folgte ziemlich rasant der soziale Rückzug.

Auch die Betreuung meines Hundes fiel mir sichtlich schwer. Ich empfand es als Überforderung, Verantwortung für ein Lebewesen übernehmen zu müssen, das ich doch eigentlich so sehr liebte. Heute bin ich froh, ihn auch während dieser schweren Zeit an meiner Seite gehabt zu haben, denn er schenkte mir Liebe und ein klein wenig Struktur.

So war ich also gezwungen, mindestens drei Mal am Tag die Wohnung zu verlassen. Oh, wie gern hätte ich mich dabei am liebsten versteckt. Ich fühlte mich unfassbar antriebslos, schmutzig und war von Trauer gezeichnet. Die tägliche Dusche stellte sich mehr und mehr als zu große Herausforderung dar und dieser konnte ich mich einfach nicht mehr stellen. So verstrichen Tage ohne Dusche, Make -up und Parfum.

Wenn ich nicht schlief, habe ich versucht meinen Kummer in Alkohol zu ertränken. Dabei spielte die Tageszeit irgendwann auch gar keine Rolle mehr. Sobald sich Trauer und Verzweiflung ankündigten, griff ich zur Flasche. Es dauerte nicht lange und ich habe einige Tage gar nicht mehr nüchtern ertragen können. Den Tag im Rausch zu verbringen, schien mir absolut richtig und machte mein Dasein auch erst erträglich.

Heute weiß ich, dass Gefühle schwimmen können.

Schwermut schien von nun an mein Leben zu bestimmen. Ich kam aus dem Teufelskreis nicht mehr raus - eigentlich versuchte ich es auch erst gar nicht. Eines Tages empfand ich meinen Zustand als so unerträglich, dass ich nur noch „nach Hause" wollte. Ich zog mich an und ging ohne Gnals spazieren. „Mama kommt nicht wieder, Schatz". So verabschiedete ich mich und verließ das Haus.

Mein Weg führte mich zielstrebig zu einer Brücke, unter der die U-Bahn im Minutentakt drunter durch fuhr. Die Brücke erreicht, lehnte ich mich müde und erschöpft ans Geländer und blickte ins Weite. Warum? Immer wieder und immer wieder stellte ich mir dieselbe Frage. Ich fing an zu weinen, mein Herz stach und mein Magen krampfte sich zusammen.

Ich konnte den Sinn meiner Geschichte nicht erkennen und auch Antworten fand ich keine. Und ganz plötzlich konnte ich nachempfinden, weshalb sich Robert Enke für solch einen brutalen Selbsttod entschied. Es schien mir auf einmal einleuchtend. Der Tod kommt schnell.

So kletterte ich über das Geländer und stand auf der „anderen Seite" der Brücke. Ich fühlte mich wie im Rausch und ich spürte eine Art von Freiheit in mir. Ich war mir völlig im Klaren darüber, dass ich meine Geschichte schreibe, und dass ich entscheide, wie sie endet.

Das Ende. Da war es! Für mich ein Zeichen. Und plötzlich dachte ich an meinen kleinen Engel - meine Nichte - an Gnals und an meine Schwestern. Sollte meine Geschichte wirklich hier enden?! Ich würde meinen Engel nie mehr aufwachsen sehen, nie mehr meinen Schwestern sagen können, dass ich sie liebe und auch nie mehr mit Gnals kuscheln können.

Die Wörter „ENDE" und „NIE" machten mir schlagartig solche Angst, dass ich mich entschied, kehrt zu machen.

Einmal Hölle und zurück - ich erzähl dir meine Geschichte.

Fortsetzung folgt!

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