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Keine Zukunft für die Arbeit?

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Die Digitalisierung krempelt unsere Welt um. Ob Einkäufe im Buchladen, Bankgeschäfte oder der neueste Blockbuster am Abend. Fast alles ist auf dem Smartphone verfügbar oder lässt sich bequem vom Computer aus erledigen. Auch in der Arbeitswelt ist die Digitalisierung weiter auf dem Vormarsch.

Laptops, Tablets und mobile Netzwerkzugänge gehören zur Grundausstattung jedes Angestellten. Bei Siemens beispielsweise verfügen über 230.000 Mitarbeiter über einen Remote-Access zum Firmennetz, so viele wie die Bewohner einer mittleren Großstadt.

Homeoffice und mobiles Arbeiten sind also längst keine Privilegien digitaler Nomaden mehr, sondern für viele Menschen weltweit schlicht Alltag. Auch wenn der Mindset einiger Menschen und auch die Gesetzgebung mancher Länder noch nicht in der heutigen Zeit angekommen sind - die Welt verändert sich unaufhaltsam.

Die Vorteile mobilen Arbeitens liegen auf der Hand: Wer seinen Tag individuell gestaltet, kann Beruf und Privatleben besser unter einen Hut bringen - das gilt für Männer wie auch für Frauen. Das Feedback unserer Mitarbeiter fällt jedenfalls eindeutig aus.

Mehr Flexibilität bedeutet auch mehr Zufriedenheit. Das Büro verliert dabei nicht an Bedeutung. Es verändert seinen Charakter. Es ist nicht mehr nur Arbeitsplatz, sondern wird auch zu einem Treffpunkt. Zu beobachten ist das etwa in unserer neuen Konzernzentrale in der Münchener Innenstadt.

Trotz der Möglichkeit von zu Hause aus zu arbeiten, füllen sich die über 1.000 Schreibtische jeden Tag aufs Neue. Mit Mitarbeitern, die unverändert jeden Tag lieber ins Büro kommen aber auch mit Kollegen von Siemens-Standorten aus der ganzen Welt. Gearbeitet wird im Meeting-Room genauso wie im Mitarbeiter-Café über den Dächern Münchens.

In der neuen Welt ist es wichtig, DASS die Arbeit erledigt wird, nicht WO und WANN. Mehr Flexibilität bedeutet zweifellos mehr Verantwortung für den Einzelnen. Aber jedes Smartphone, jedes Tablet und jeder Computer hat auch einen Ausschaltknopf. Umgekehrt sollte keine Chefin oder kein Chef von seinen Mitarbeitern erwarten, E-Mails im Urlaub oder gar unterm Weihnachtsbaum zu checken.

Führung heißt heute nicht mehr Anleitung, sondern Vernetzung - und zwar innerhalb wie auch außerhalb des Unternehmens. Im digitalen Zeitalter wandelt sich der Chef zum Moderator.

Wer seine Kunden mit intelligenten Lösungen überzeugen will, muss die besten Köpfe an einen Tisch bringen - egal aus welcher Abteilung, egal aus welchem Land und unabhängig von Alter oder Status. Und das gilt insbesondere, wenn man die Vielfalt der Generationen und Talente betrachtet, die in den meisten Unternehmen arbeiten.

Die Erwartungen an das Arbeitsumfeld haben sich klar verändert, vor allem jene der Generation Y. Entweder stellen sich die Unternehmen auf die veränderten Anforderungen ein oder sie verlieren die Talente an andere. Auch das ist „Arbeit 4.0".

Ein wichtiger Baustein für den Wandel ist die Nutzung neuer Kommunikationskanäle. Arbeit wird im Zeitalter der Digitalisierung immer vernetzter. Zusammenarbeit kann etwa in sozialen Netzwerken stattfinden. Siemens hat 2013 ein eigenes internes Netzwerk, das Siemens Social Network, eingeführt.

Seither sind bereits mehr als 130.000 Mitarbeiter zu aktiven Nutzern geworden und haben weit über 15.000 Gruppen gegründet. Darin tauschen sich unsere Mitarbeiter über aktuelle Projekte genauso aus wie über ganz alltägliche Themen wie gute Restaurants in der näheren Umgebung oder Updates für das Firmenhandy.

Der Vorteil für ein globales Unternehmen wie Siemens ist ersichtlich: Mit dem geballten Wissen von Tausenden Fachleuten auf der ganzen Welt fällt es leichter, Know-how schnell zu teilen, sich zu vernetzen und gemeinsam neue Produkte und Lösungen zu entwickeln.

Auch in vielen unserer rund 300 Werke weltweit steht die Digitalisierung im Mittelpunkt. Siemens ist einer der Vorreiter bei Industrie 4.0 und setzt die neusten Fertigungsverfahren selbst ein. Produktion - und sei sie noch so modern - erfordert unverändert die Anwesenheit von Menschen. Das wird auch auf absehbare Zeit so bleiben.

Was sich aber ändern wird, ist die Art der Jobs. Manche Tätigkeiten werden ganz verschwinden, viele sich verändern und einige neu hinzukommen. Qualifikationen und Fachwissen gewinnen an Bedeutung. Und dies erfordert, dass alle kontinuierlich dazu lernen müssen. Wer nicht weiß, wie moderne Maschinen funktionieren, kann sie auch nicht steuern und warten.

Umso wichtiger ist eine solide Berufsausbildung. Sie ist heute die allerbeste Fahrkarte in Richtung Job! Aber auch hier überarbeiten wir laufend die Inhalte, aktuell von etwa 30 unserer Ausbildungsberufe. Ein Zerspanungsmechaniker lernt heute zum Beispiel auch, wie man mit einem 3D-Drucker umgeht - oder wie man selbst einen baut.

Durch die Digitalisierung entstehen auch neue Geschäftsmodelle. Ein Beispiel im industriellen Bereich ist etwa das so genannte „Performance Contracting". Konkret heißt das: Siemens verkauft nicht nur Züge, sondern auch die Verfügbarkeit dieser Züge zu jedem Zeitpunkt. Die Eisenbahngesellschaft zahlt also für die pünktliche Abwicklung des Zugverkehrs.

Ermöglicht wird dies durch ein digitales System, das den Betrieb von hunderten von Zügen weltweit überwacht und zugleich rechtzeitig automatisch Wartungsarbeiten beauftragt. Man spricht hier von „Predictive Maintenance", also der vorausschauenden Wartung und Überwachung von Maschinen und Anlagen.

Siemens macht das so zum Beispiel mit Hochgeschwindigkeitszügen, die in Spanien zwischen Barcelona und Madrid verkehren. Hier profitieren die Passagiere von einer Pünktlichkeit von 99,98 Prozent. Diese können wir erreichen, weil unzählige Sensoren in den Zügen unsere Servicetechniker über den Zustand aller wichtigen Komponenten informieren und so eine rechtzeitige Wartung der Züge erfolgen kann.

Die Digitalisierung bietet bei allen Veränderungen auch viele Chancen. Das gilt ebenfalls für die Arbeitswelt. Zur Gefahr wird die digitale Revolution erst, wenn wir uns dem Wandel verweigern. Denn es wird immer jemanden geben, der die Chance annimmt. Die Geschichte hat das schon mehr als einmal gezeigt.

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