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In meinem Unternehmen darf sich jeder aussuchen, wie viel er arbeiten möchte - das sind die Folgen

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Shot of businesspeople having a meeting in a boardroom | gradyreese via Getty Images
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In meinem Leben gab es ihn, den klassischen Wendepunkt - den, den man sonst nur aus Filmen kennt. Ich hatte ihn wirklich und er hat mein Leben durch eine Erkenntnis völlig verändert.

Oder besser gesagt durch eine Frage, die ich mir seitdem stelle: Wer sagt eigentlich, dass jeder Job am besten in 40 Stunden die Woche passt?

Sie wollten sich eine Stelle teilen

Alles fing mit zwei Frauen an, die sich gemeinsam für einen Job bei mir beworben haben.

Damals arbeitete ich noch in der Personalberatung. Sie wollten eine Stelle in der Führungsetage haben. Nicht etwa jede für sich - sie wollten sich die Stelle teilen.

Und so kam ich mit meiner Kollegin Anna auf die Idee einer Jobsharing - Plattform. Bei "Tandemploy" finden Berufstätige Tandempartner, mit denen sie sich einen Job teilen und sich zu zweit bewerben können. Wir "matchen" sie basierend auf Erfahrung und Bereich, aber auch bezüglich ihrer Arbeitsweise und der richtigen Chemie.

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Diese Plattform existiert heute noch - doch damit war mein Berufsweg noch nicht abgeschlossen. Mit der Zeit kamen immer mehr Firmen auf uns zu, die das Konzept toll fanden und es in ihrem Unternehmen intern verwirklichen wollten.

Und so beschlossen wir, mit unseren 10 Mitarbeitern eine Software zu entwickeln, die andere Unternehmen bei der Verwirklichung des flexiblen Arbeitens unterstützen soll. Heute arbeiten bereits 17 Mitarbeiter in unserem Unternehmen.

Sechs Mitarbeiter haben ein Drei-Tage-Wochenende

Auch in meiner Firma haben wir uns von der 40 Stunden-Woche verabschiedet. Bei der Einstellung fragen wir jeden neuen Mitarbeiter, wie viel er arbeiten möchte. Die meisten nennen eine Zahl zwischen 25 und 32 Stunden in der Woche. Sechs Mitarbeiter haben jeden Freitag frei - und damit ein Drei-Tage-Wochenende.

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Auch sonst haben unsere Mitarbeiter große Freiheiten. Wenn mal die Tagesmutter ausfällt ist es kein Problem, das Kind mit zur Arbeit zu nehmen. Wenn man einen Tag lang lieber von Zuhause aus arbeiten will, braucht man dies nur anzukündigen.

Die einzige Bedingung: die Arbeit muss gemacht werden. Und das erfordert große Disziplin in der Absprache untereinander. Denn jeder hat ein Team, mit dem er sich Aufgaben teilt, tauscht oder sie gemeinsam erledigt.

Natürlich arbeiten wir alle trotzdem hart - wir sind schließlich ein Start-up. Aber mit flexiblen Arbeitszeiten haben wir eine viel konzentriertere Atmosphäre geschaffen. Einige meiner Mitarbeiter kenne ich noch von früher. Bei ihnen sehe ich besonders, wie gut das neue Konzept zu ihnen passt.

Für Arbeit, für die sie damals 40 Stunden gebraucht hatten, brauchen jetzt nur 25 oder 30 Stunden.

Kreativ kann nur der sein, der einen freien Geist hat

Worauf es ankommt, sind Kreativität und Ideen - und die können eben nur entwickelt werden, wenn man einen freien Geist hat und nicht gestresst ist.

Genauso wichtig dabei ist der freundschaftliche Umgang. Da niemand überbelastet oder ausgebrannt ist, ist die Stimmung im Büro meistens locker und entspannt.

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Ich möchte nicht behaupten, dass unser Unternehmen und das System der Arbeitsteilung perfekt ist. Vielmehr ist es jedoch ein Statement, das beweist: Es kann umso effizienter gearbeitet werden, wenn wir die Lebensphasen der Mitarbeiter schätzen und ihnen maximal viel Flexibilität geben.

Namhafte Unternehmen haben Jobsharing und flexibles Arbeiten bereits mithilfe unserer Software realisiert, darunter der Energieversorgungskonzern RWE und der Kosmetikhersteller Beiersdorf.

Mit jedem Unternehmen, das sich dieser neuen Form des Arbeitens anschließt, kommen wir dem Umdenken ein wenig näher. Denn wer sagt eigentlich, dass jeder Job am besten in 40 Stunden die Woche passt?

Dieser Beitrag ist Teil der Themenreihe "New Work". Alle aktuellen Beiträge dazu findet ihr hier.

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