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"Wir schaffen das": Eine kleine Zwischenbilanz

Veröffentlicht: Aktualisiert:
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Kai Pfaffenbach / Reuters
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Seit einem Jahr streitet Deutschland über drei kurze Worte der Kanzlerin: "Wir schaffen das" Damit wollte sie Hoffnung verbreiten und den Flüchltingshelfern Mut machen. Um die Flüchtlinge ranken sich viele Mythen und Hoffnungen.

Es ist Zeit nach einem Jahr eine kleine Bilanz zu ziehen. Mit der Ankunft der Flüchtlinge kam es bei vielen Politikern und in vielen Redaktionsstuben zu großen Erwartungen. Mit der Zuwanderung wollte man viele Probleme lösen, die sich seit Jahren in Deutschland angestaut hatten.

Die große Hoffnung: Facharbeiter

Die erste große Hoffnung war die Behebung des Facharbeitermangels. In Deutschland gehen mehr Fachkräfte in Rente als neu ausgebildet werden können. Was liegt da näher als gut qualifizierte Flüchtlinge als Arbeitskräfte einzusetzen. Viele Redaktionsstuben großer Zeitungen und Fernsehsender entwickelten sich zu kleinen Märchenschlössern.

Unter den Flüchtlingen, die nicht arbeiten durften und schon lange hier leben und den Neuankömmlingen, schlummere ein kleiner Schatz an hochqualifizierten Fachleuten. Manche Politiker träumten, dass eine Heer von Ärzten und Akademikern nach Deutschland komme.

Menschen mit umfassenden Sprachkenntnissen. Die Träume waren grenzenlos. Unser Land wäre mit einem Schlag das Fachkräfteproblem los. Erste Prüfungen der Arbeisagenturen zeigten ein vielschichtiges Bild. Es gibt einige Ärzte unter den Flüchtlingen, aber auch viel Analphabeten. Diese Menschen zu qualifizieren ist eine Langzeitaufgabe.

Die zweite Hoffnung: Rentenpolitik

Eine zweite Hoffnung war unsere Rentenpolitk. Die Zuwanderung sollte das Verhältnis zwischen Beitragszahlern und Rentnern verbessern. Auch hier kann noch nicht abgesehen werden, wie viele Flüchtlinge zu den langfristigen Beitragszahlern der Rentenkasse gehören werden. Hier wurde ein Jahr spekuliert.

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Es kamen aber nicht Facharbeiter oder Unternehmensgründer, sondern einfach Menschen die ein Dach über dem Kopf brauchen. Es war ein Fehler, die humanitäre Katastrophe mit Themen zu verbinden, die damit nichts zu tun haben.

Wenn man den Satz "Wir schaffen das" so interpretiert, dass Deutschland seine Zukunftsprobleme losgeworden ist , muss man sagen, hier kann man das Ergebnis nicht absehen. Da aber der Arbeitsmarkt Dreh- und Angelpunkt einer Integration ist, kann man ehrlicher Weise nur ein Fragezeichen setzen.

Die Politik macht einen Fehler

Leider macht die Politik den Fehler den Anschein zu erwecken man könnte die Größe der Aufgabe schon ablesen. Zwar wurden die meisten der 1 Million Flüchtlinge regristriert, doch wissen wir überhaupt, wie viele Menschen im Zuge des Familiennachzuges zu uns kommen?

Wenn wir nur davon ausgehen, dass die Hälfte der Flüchtlinge anerkannt werden und jeder seine Frau und seine Kinder nachholt, kommt man schnell auf Millionen. So kann man nur sagen, dass im ersten Jahr vieles geleistet wurde.

Doch der Tanker Deutschland fährt noch im Nebel. Land ist noch nicht in Sicht. Wenn man aber nur auf die Helfer und Behörden vor Ort schaut, muss man sagen, dass die einen guten Job gemacht haben.

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Am 31. August ist es ein Jahr her, dass Angela Merkel gesagt hat: "Wir schaffen das."

Wie haben Flüchtlinge euren Alltag verändert? Was hat die Politik richtig gemacht und wo läuft etwas falsch? Wart ihr vielleicht am Anfang kritisch, aber habt jetzt ein gutes Gefühl? Oder ist es vielleicht genau anders herum?

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