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Liebe Eltern, packt endlich das Smartphone weg

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Gettystock
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Ein interessanter Beobachter unseres Alltags ist Zeit-Redakteur Harald Marteinstein.
Die Kolumme von Harald Martenstein im RBB-Sender Radio Eins über Quality-Time hat mich zum Nachdenken gebracht, ob dieser Begriff noch sinnvoll ist.

Viele Eltern, die stark beruflich beansprucht sind, haben wenig Zeit um sie zusammen mit ihren Kindern zu verbringen. Die Zeit, die einen für die Kinder verbleibt in denen man sich ganz allein um sie kümmern kann wird "Quality-time" genannt. Eigentlich müsste für diese Quality-Time einiger Raum in unserem Kalender sein. Der Tag hat 24 Stunden, davon schlafen wir 6-8 Stunden, gehen 8 Stunden zur Arbeit und fahren oft eine halbe Stunde bis zu einer Stunde von der Arbeit nach Hause. Bleiben 6 Stunden in der Woche für Haushalt und Freizeit.

Wie viel Zeit wird denn nun mit den Kindern intensiv genutzt? Wir befinden uns meiner Meinung nach in einem Dilemma. Dieses Dilemma beschreibt sich gut mit den Wort Selbstverwirklichung. In meiner Kindheit 1970 gab es diese Wort erst in Akademikerkreisen. Mein Heimatbezirk Berlin-Neukölln war davon unberührt. Die Väter in diesem Bezirk hatten einen Job und verbrachten viel Zeit vor dem Fernseher. Dort durfte man den Vater nicht stören.

Eine neue Vätergeneration

Am Wochenende sah man einige Väter in den "Bienenkorb" gehen, dem örtlichen Kneipentreff. Wir Kinder spielten damals oft auf dem Bürgersteig. Es reichte uns oft, wenn wir mit den Erwachsenen an den Wochenenden zusammen sein konnten. So saß ich bei meiner Mutter und half ihr beim Kochen oder schaute ihr bei Hausarbeiten zu. Meinen Vater begleitete ich beim Wagenwaschen.

Hier konnte man sich unterhalten und über die letzte Woche reden. Heute werden Kinder stark von ihren Eltern gefördert. Die Eltern müssen viel Zeit verwenden, ihre Kinder zu unterschiedlichen Aktivitäten zu fahren. Gemeinsame Zeit in denen man nur zusammen sitzt, wird seltener und auch nicht wertgeschätzt. Schließlich könnten die Kinder in der Zeit ja eine neue Sprache lernen oder eine Reitstunde nehmen. Dabei geht ein Stück Gemeinsamkeit verloren.

Viele werden sagen, die heutige Zeit hat eine neue Vätergeneration hervorgebracht. Viele fahren den Kinderwagen spazieren und machen Dinge mit den Kindern, die früher nur die Mütter machten. Doch oft ist das Smartphone der ständige Begleiter. Ich sehe viele Väter, die mit der einen Hand den Kinderwagen schieben und mit der anderen Hand das Smartphone gekonnt mit einer Hand bedienen.

Was ist denn nun Quality-Time?

Viele Eltern plagt auch der Zwiespalt, sich Entspannen zu wollen, aber auch Zeit für die Kinder zu haben. Für viele bleibt da keine Zeit für einen entspannenden Fernsehfim. Um beides zu verbinden greift der eine oder andere zu Tricks. Ein Vater, den ich kenne, mag es, sich nach der Arbeit und Fitness-Club-Besuch mit seinen Kindern gemeinsam vor den Fernseher zu setzen.

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Da der Filmgeschmack der Kinder ihn langweilt, hat er einen Kopfhörer mit Sportnachrichten im Ohr. Dazu kommt der ständige Blick auf das Smartphone. Ist das noch zusammen Zeit verbringen? Zusammen Zeit zu verbringen heißt doch sich auf den anderen Einlassen. Wir sollten es schaffen in solchen Momenten alle Geräte einmal auszuschalten. Was ist denn nun Quality-Time?

Es ist die Zeit in denen wir Kindern oder Freunden die volle Aufmerksamkeit schenken. Das Smart-Phone und der Fernseher sollten sich in diesen Momenten einmal verabschieden.

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