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"Jedes Kind hat ein Recht auf Impfen" - Appell eines Arztes an alle Eltern

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Schutzimpfungen gehören zu den wichtigsten Errungenschaften der modernen Medizin. Sie tragen - nach dem Zugang zu sauberem Wasser - am meisten dazu bei, Todesfälle und schwere Krankheiten zu vermeiden.

UNICEF betont das Recht jedes Kindes auf Schutzimpfungen. Nur dann sei das in der UN-Kinderrechtskonvention verbriefte Recht auf möglichst gute Gesundheit zu erreichen.

Viele Schutzimpfungen schützen nicht nur das geimpfte Kind, sondern zugleich auch die Gemeinschaft. Bei einer genügend hohen Beteiligung leben auch die, die nicht geimpft werden können oder partout nicht geimpft werden möchten, im Schutz der geimpften Mehrheit.

Bestimmte Infektionskrankheiten können auf diese Weise sogar regional zurückgedrängt oder weltweit ausgerottet werden, was mit den Pocken gelang und bei der Kinderlähmung in naher Zukunft erwartet wird. Aus diesem Grund haben Impfungen auch eine wichtige soziale Bedeutung.

Empfehlungen basieren auf bestem wissenschaftlichem Kenntnisstand

Welche Impfungen für den Einzelnen und die Gesellschaft besonders wichtig sind, wird in Deutschland von einer unabhängigen Expertenkommission, der "Ständigen Impfkommission" (STIKO), empfohlen.

Zu ihren Empfehlungen gelangt die STIKO durch ein sehr aufwendiges wissenschaftliches Verfahren, das sicherstellt, dass diese auf der besten verfügbaren wissenschaftlichen Kenntnis beruhen.

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Angesichts des immensen Nutzens der Schutzimpfungen kann ich die Bedenken mancher Eltern gegen das Impfen nur schwer nachvollziehen.

Die Gründe dafür sind wohl vielfältig und unterschiedlich: weltanschauliche Gründe, fehlendes Vertrauen in die wissenschaftliche Medizin überhaupt, die unwahren "alternativen Wahrheiten" mancher Impfgegner, vor allem aber mangelnde Informationen und Fehleinschätzungen.

Besonders häufig höre ich von Eltern die Besorgnis, dass Kinder viel zu früh und mit Kombinationsimpfstoffen gegen zu viele Krankheiten geimpft werden.

Das kann ich emotional sogar verstehen. Aber es ist gleichwohl falsch.

Eine Dreijährige musste vier Wochen lang um ihr Leben kämpfen

Das Immunsystem des jungen Säuglings ist keineswegs unreif. Glücklicherweise reift es im Mutterleib sehr gut heran, sonst hätten unsere Neugeborenen kaum Überlebenschancen. Gleich nach der Geburt stürmen Tausende von körperfremden Stoffen ("Antigene") aus der Nahrung und der gesamten Umwelt auf sie ein. Da spielen die wenigen Antigene in den Impfstoffen überhaupt keine Rolle.

Vor allem sehr junge Kinder sind durch Krankheiten gefährdet

Ein Kind, das 1960 gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten geimpft wurde, musste sich mit circa 3000 Antigenen auseinandersetzen.

Ein heutiger Sechsfach-Impfstoff enthält nur circa 20 verschiedene Antigene. Zugleich reduziert die Anwendung der Kombinationsimpfstoffe die Zahl der Injektionen und die Belastung durch Begleitstoffe.

Möglichst früh sollte man impfen, weil manche dieser Krankheiten, wie zum Beispiel Keuchhusten und die Hirnhautentzündung, durch sogenannte Hib-Bakterien gerade sehr junge Kinder gefährden.

Mehr zum Thema: Neue Zahlen beweisen, wie gefährlich die absurden Lügen der Impfgegner wirklich sind

Dass ich mich beruflich besonders mit Infektionskrankheiten beschäftigt habe, liegt an der dreijährigen Susi. Sie war nicht gegen Tetanus geimpft und erkrankte nach einer Bagatellverletzung beim Schaukeln.

Ich habe in meinem Krankenpflegepraktikum hautnah miterlebt, was sie durchmachen musste. Sie kämpfte über vier Wochen lang im künstlichen Koma um ihr Leben. Susi wurde glücklicherweise wieder gesund. Aber was hätte man ihr durch eine rechtzeitige Impfung ersparen können!

Der Beitrag erschien ursprünglich auf Xing.

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