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Was ich beim Interview mit Rudolf Scharping gelernt habe

22/08/2015 18:06 CEST | Aktualisiert 22/08/2016 11:12 CEST
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Am Freitag habe ich mit Rudolf Scharping telefoniert. Ehemaliger SPD-Chef, Verteidigungsminister, Ministerpräsident. Und jetzt Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer.

Das habe ich gelernt:

  1. Scharping ist ein zurückhaltender Typ, schwer aus der Reserve zu locken. Wenn er zu etwas schweigen will, dann schweigt er auch.
  2. Und wenn er zu etwas nichts sagen kann, dann schweigt er auch. Andere reden trotzdem. Den Eindruck bestätigt er ja auch, wenn er klagt, dass viele Politiker zu täglichem "Geplapper" neigen, anstatt sich mal auf ihre Ziele zu konzentrieren.
  3. Scharping fasst sich grundsätzlich gern kurz. Untypisch für einen (Ex-) Politiker.
  4. Über Politik redet er lieber als über Fahrräder. So wirkt es zumindest.
  5. Gern hätte ich Scharping von der ein oder anderen Verbesserung für Radfahrer im Straßenverkehr überzeugt, zum Beispiel der, die Rote-Ampel-Regel abzuschaffen. Klingt eigentlich verlockend für Radfahrer. Scharping ist bei solchen verhältnismäßig revolutionären Ideen aber skeptisch. Für einen Radfahrer-Lobbyisten hält er sich erstaunlich zurück.
  6. Er lacht nicht. Einzige Ausnahme: Als ich ihn gefragt habe, ob er den Posten des SPD-Chefs weiterempfehlen würde. Er weiß aus eigener Erfahrung ziemlich gut, dass es dankbarere Aufgaben gibt, als den sozialdemokratischen Laden zusammenzuhalten.
  7. Dass Scharping damals als SPD-Chef von Oskar Lafontaine und Gerhard Schröder abserviert wurde, hat er noch nicht vergessen. Das Schicksal möchte er dem aktuellen Vorsitzenden Sigmar Gabriel ersparen.
  8. Ex-Politiker werden nur noch selten nach ihrer Meinung gefragt, reden aber gern darüber.

In meinem Blog "Was ich beim Interview mit ... gelernt habe" möchte ich zeigen, was von Interviews jenseits des autorisierten Teils übrig geblieben ist. Was für einen Eindruck sie bei mir persönlich hinterlassen haben. Das Format hat nicht den Anspruch, den Gesprächspartner vollständig zu beschreiben. Es handelt sich immer nur um eine Momentaufnahme.


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