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Depressionen sind KEINE Geisteskrankheit

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DEPRESSION
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Es ist körperlich

Dies ist ein kurzer Artikel, den ich der Welt zeigen möchte, weil es mich regelmäßig aufregt, dass es so viele falsche Auffassungen über Depressionen gibt - was es ist und wer sie bekommt. Ich möchte mit einer simplen Frage beginnen.

Was ist der Unterschied zwischen Depressionen und einer Lebensmittelvergiftung?

Ich sage es dir.

Wenn man eine Lebensmittelvergiftung hat, kann man ganz einfach im Büro anrufen und der Chef wird einem ohne große Fragen ein oder zwei Tage freigeben. Hast du jemals versucht, dich wegen Depressionen krankzumelden? Ich wette, die meisten von euch haben das noch nie getan, hauptsächlich, weil ihr wisst, dass euer Chef euch nicht glauben wird, geschweige denn, dass er es okay finden würde.

Also denkt ihr euch eine "echte" Krankheit aus. Ihr wisst schon, eine, die nachvollziehbar ist.
Wie ist es, wenn ein Freund dich fragt, wie es dir heute geht? Mit einer Lebensmittelvergiftung könntest du ihm geradeheraus erzählen, was los ist und würdest auch noch Sympathien dafür ernten. Wenn du ihm sagst, dass du deprimiert bist, wirst du vermutlich nicht mehr als ein "Kopf hoch, so schlimm kann es doch nicht sein", bekommen.

An diesem Punkt fantasierst du darüber, ihm kräftig ins Gesicht zu schlagen.

Die Medien, sie seien gesegnet, tun ihr Bestes, um jede Form von seelischen Krankheiten in ein gutes Licht zu rücken. Sie erklären, dass Depressionen, Ängstlichkeit, Abhängigkeit und alles, was mit diesen drei Dingen in Verbindung steht, jetzt legitime Krankheiten sind, die denselben Respekt und dieselbe Aufmerksamkeit verdienen, wie alles Körperliche.

Nunja, vielen Dank, aber als ich das letzte Mal nachgesehen habe, war das Gehirn noch teil des Körpers, und zwar ein verdammt wichtiger.

Solange wir mit einer Krankheit des Gehirns anders umgehen als mit einer Erkrankung des restlichen Körpers, wird es niemals dieselbe Aufmerksamkeit für beides geben.

Wenn du es nicht selbst erlebt hast, kannst du es niemals wirklich verstehen

Wie viele von euch haben einen Schwanz? Ihr wisst schon, wie ein Affe. Wenn du keinen hast (und das hoffe ich für dich), kannst du dir vorstellen, wie es ist, damit nach einem Zweig zu greifen? Oder daran vor uns zurück zu schwingen? Das ist unmöglich.

Wir hatten nie einen Schwanz, also ist es keine große Überraschung.

Depressionen sind so ähnlich. Wenn es etwas ist, das du nie erlebt hast, dann kannst du es noch so sehr versuchen, aber du wirst nie erfahren, wie es sich anfühlt.

Du hast einen schlechten Tag? Nein, das sind keine Depressionen.

Du bist enttäuscht, weil dieses Mädchen oder dieser Kerl deine Annäherungsversuche abgewiesen hat? Nein, das sind keine Depressionen.

Hast du die ganze Woche durchgehangen, weil dein Lieblingsteam das Pokal-Endspiel verloren hat? Nein, das sind auch keine Depressionen.

Es ist nicht die Veränderung deiner Stimmung aufgrund eines trivialen Ereignisses in deinem Leben. Wenn deine Welt aufgrund der Dinge, die in deinem Geist vor sich gehen, langsam auf den Kopf gestellt wird, dann bist du möglicherweise depressiv. Wenn diese Gedanken dich seit Wochen oder Monaten begleiten, dann könntest du depressiv sein.

Es gibt einen großen Unterschied zwischen dem Gefühl, depressiv zu sein und tatsächlich unter Depressionen zu leiden. Und das bringt mich zu meinem nächsten Punkt.

Du kannst dich nicht einfach daraus ziehen oder dich "zusammenreißen".

Ich mag Analogien, also haltet euch fest, hier kommt noch eine.

Depressionen sind wie der Versuch, durch Wasser zu rennen und gesagt zu bekommen, dass man darüber hinwegkommen soll, ist vergleichbar mit der Fähigkeit, sich wie an Land zu bewegen. Es ist unmöglich. Du kannst die Zähne zusammenbeißen und versuchen, ein wenig Schwung zu bekommen, doch schließlich wird die Schwere dich davon abhalten, dich schnell genug zu bewegen.

Wenn die Depression dich im Griff hat, wird das Leben zu Wasser. Die Luft um dich herum wird zu Wasser, die dich mit seinem Gewicht lahmlegt und selbst die einfachsten Aufgaben sind auf einmal schwierig. Du fühlst dich träge, geistig wie körperlich und nichts kann dich daraus befreien.

Du bist im Grunde in deinem eigenen Gefängnis eingesperrt und der einzige Zugang zu deinem Gehirn liegt hinter dieser verschlossenen Tür. Manchmal, nur für kurze Zeit, ist es dir erlaubt, herauszukommen und deine Beine zu strecken, aber du weißt, dass das nur vorübergehend ist. Schließlich musst du doch in deine Zelle zurückkehren und darauf warten, dass du noch einmal eine Chance bekommst, wie ein normales Mitglied der Gesellschaft zu funktionieren.

Es gibt keine Wahl in dieser Sache. Alles, was wir tun können, ist, unsere guten Tage zu nutzen und zu versuchen, den Effekt, den die schlechten Tage auf uns haben, zu minimieren.

Ich möchte, dass du das hier tust

Wenn du jemals irgendeine Form von Depression, Angst oder Abhängigkeit erlebt hast, dann teile bitte diesen Artikel in den sozialen Medien. Je mehr Menschen verstehen, je stressfreier und einfacher wird unser Leben sein.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post UK und wurde von Gina Louisa Metzler aus dem Englischen übersetzt.

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