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25 Dinge, die sich verbessert haben, seit ich ein Mann bin

Veröffentlicht: Aktualisiert:
VORTEILE MANN
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Dieser Beitrag erschien zuerst auf Everdayfeminism.com

Es hat sich einiges fĂŒr mich geĂ€ndert, seit ich die Testosteron-Behandlung begonnen habe.

Mein körperliches und geistiges Wohlbefinden hat sich verbessert, meine Prostata ist gewachsen, mein Körpergeruch ist so intensiv geworden, dass es mich sogar selbst ekelt, wenn ich nicht jeden Tag dusche (kein Deo ist diesem Gegner gewachsen).

Mein Körper sowie auch mein Geist haben sich auf eine großartige, bedeutende und einschneidende Weise verĂ€ndert und verbessert.

Aber dann sind da auch noch die kleinen, seltsamen Dinge: Endlich weiß auch ich Erdnussbutter und Schokolade zu schĂ€tzen, plötzlich ist meine Lieblingsfarbe blau und nicht mehr grĂŒn; das Fach, das ich in der Schule gehasst habe, ist auf einmal mein liebstes Hobby.

Alles, ob groß oder klein, hat sich verĂ€ndert.

TatsÀchlich bin ich aber immer noch dieselbe Person, nur die 2.0-Version.

Langfristig gesehen kann ich nicht immer genau sagen, welche VerĂ€nderungen wirklich körperliche Reaktionen auf das Testosteron sind, welche darauf zurĂŒckzufĂŒhren sind, dass ich mich einer vergifteten Umgebung entzogen habe oder ob es nicht einfach mein persönlicher Geschmack ist, der sich mit den Jahren verĂ€ndert hat.

So faszinierend es war zu beobachten, wie ich mich körperlich und geistig verÀndert habe, so spannend war es auch zu sehen, wie andere Menschen auf mich reagierten.

Kurz gesagt wurde ich im tĂ€glichen Leben besser behandelt, weil mich die Menschen als einen jungen, weißen, heterosexuellen (?!) Mann wahrnahmen. Und plötzlich bemerkte ich eine ganze Reihe von Vorteilen, die das mit sich brachte.

Aber um das einmal klarzustellen, ich schreibe diesen Artikel nicht, damit transphobische Menschen ihn mit den Worten „Siehst Du, siehst Du? Dieser Transmann sackt sĂ€mtliche Vorteile des Patriarchats ein, wir haben allen Grund ihn zu hassen!" herumzeigen können.

Wenn Sie das glauben, dann haben Sie nicht aufgepasst. Und ganz offensichtlich haben Sie sich nicht ausreichend ĂŒber TranssexualitĂ€t informiert. Oder ĂŒber das Patriarchat. Oder ĂŒber Feminismus. Oder einfach ganz allgemein ĂŒber die Ungerechtigkeit, die auf dieser, unserer vergifteten Kultur basiert.

Dieser Artikel konzentriert sich ganz allgemein auf die Vorrechte, die MĂ€nner genießen. Vorrechte, die vor allem jene heterosexuellen MĂ€nner genießen, die der Meinung sind, dass diese Vorrechte auch in erster Linie anderen Hetero-MĂ€nnern zuteil werden.

Ja, viele TransmĂ€nner nehmen diese mĂ€nnlichen Vorrechte wahr. Dem wĂŒrde ich in keiner Weise widersprechen.

Aber wir dĂŒrfen keine Zeit damit verschwenden, ĂŒber TransmĂ€nner herzuziehen, weil sie nun einmal auch in den Genuss dieser Vorrechte kommen. Einfach aus UmwandlungsgrĂŒnden, die mit dem Problem an sich nichts zu tun haben. Worauf wir uns konzentrieren mĂŒssen - und das wissen Sie - sind die mĂ€nnlichen Vorrechte an sich. Sie sind das eigentliche Problem. Das Patriarchat ist unfair, also mĂŒssen wir das Patriarchat bekĂ€mpfen.

TatsĂ€chlich ist es so, dass ich mich mit den mĂ€nnlichen Vorrechten nicht wohlfĂŒhle.

Ich sehe die Ungerechtigkeit, daher ist es meine Aufgabe, auf diese Ungerechtigkeit hinzuweisen.

Ich lese schließlich jetzt mit den Augen eines Mannes. Und die Ironie dabei ist, dass andere MĂ€nner geneigter sind, auf mich zu hören, wenn ich diese Dinge anspreche.

An dieser Stelle habe ich eine kurze Liste mit Begebenheiten aus dem tĂ€glichen Leben zusammengestellt, die zeigen soll, auf welche Art und Weise andere Menschen ihr Verhalten mir gegenĂŒber verĂ€ndert haben - bar jeder Logik.

1. Plötzlich bin ich witzig.

Ich war immer schon sarkastisch, ironisch und hatte einen trockenen Humor.

In der guten alten Zeit wurde ich bestenfalls als unlustig bezeichnet - schlimmstenfalls als Zicke.

Jetzt, da ich der kleine weiße Mann bin, bin ich plötzlich der Komiker und die Menschen lachen ĂŒber meine Äußerungen.

Aber nichts hat sich geĂ€ndert. Ich habe sogar einige meiner alten SprĂŒche wieder hervorgekramt, die damals niemand lustig fand, um es zu ĂŒberprĂŒfen.

2. Trotzdem werde ich auch ernster genommen.

Es erstaunt mich immer wieder, dass andere Menschen plötzlich sofort ihren Mund halten, sobald ich etwas sage.

Glaubt mir, meine Ideen sind nicht besser geworden.

Ich habe sogar versucht, ernsthafte Unterhaltungen durch das Einwerfen absolut unsinniger VorschlÀge ins LÀcherliche zu ziehen - und trotzdem war ich immer noch hochangesehen.

3. Ich werde fast nie unterbrochen.

Als Frau wurde ich sehr oft unterbrochen, was im Gegenzug dazu fĂŒhrte, dass ich anderen oft ĂŒber den Mund fuhr, als ein Mittel, um in einer Unterhaltung nicht unterzugehen.

UnglĂŒcklicherweise mache ich das auch heute ab und zu noch so, weil es einfach so in mir drin steckt. Auch, wenn es jetzt gar nicht mehr notwendig ist.

4. Ich verdiene mehr.

Der Beweis ist mein Gehaltsscheck. Schwarz auf weiß und in Zahlen.

5. Arm zu sein ist jetzt einfacher.

Abgesehen davon, dass ich jetzt mehr verdiene, ist es auch einfacher, eine neue Stelle zu finden, wenn der Personaler ein weißer Kerl ist.

Es hat etwas davon, einem Kumpel in einer Notsituation auszuhelfen.

6. Meine Kleidung ist jetzt praktischer.

Und besser gemacht, sie hÀlt lÀnger, ist billiger, ich werde nicht mehr schief angesehen...

7. Ich bekomme fĂŒr vieles einen Freifahrtschein.

Nur um das einmal deutlich zu sagen, ich habe nie etwas so Schlimmes getan, als dass ich das unvermeidliche „MĂ€nner sind Schweine" als Rechtfertigung hĂ€tte heranziehen mĂŒssen. Aber oft geht es mit mir durch, auch gegenĂŒber Vorgesetzten und AutoritĂ€tspersonen.

Bin ich wĂ€hrend meiner Schulzeit und meiner Zeit als BerufsanfĂ€nger dafĂŒr noch regelmĂ€ĂŸig in Schwierigkeiten geraten, so kann ich mich jetzt an kein einziges Mal erinnern, dass ich wegen meines großen Mundwerks zurechtgewiesen worden wĂ€re.

8. Ich werde fĂŒr eine Vergewaltigung nicht mehr selbst verantwortlich gemacht.

Ich erinnere mich an so viele PrÀventionsvortrÀge, in denen uns erzÀhlt wurde, wie wir uns zu verhalten hÀtten, wie wir uns zu kleiden hÀtten, wo wir zu laufen hÀtten, und dass ich mein GetrÀnk nie aus den Augen lassen sollte, usw.

Heute wird mir gar nichts mehr erzÀhlt. Nicht einmal, dass ich niemanden vergewaltigen sollte.

9. Ich kann nachts ganz getrost alleine nach Hause laufen.

Ich laufe nachts jetzt viel öfter alleine nach Hause, einfach weil ich ein Mann bin.

Ich ziehe mir die Kapuze ĂŒber und schon wechseln die Menschen die Straßenseite, allein um mir aus dem Weg zu gehen.

10. Ich muss mir auf Partys keine Gedanken darĂŒber machen, dass mir jemand etwas in mein GetrĂ€nk tun könnte.

Es sei denn, es handelt sich um einen Schwulen/Lesben-Club, in dem auch einige fragwĂŒrdige, unheimliche PĂ€derasten rumhĂ€ngen. In der Regel mache ich mir aber keine Gedanken mehr darĂŒber, mein GetrĂ€nk nicht unbeobachtet zu lassen.

11. Mir wird von Fremden (oder ĂŒberhaupt irgendjemandem) nicht mehr gesagt, ich solle doch mal lĂ€cheln.

Nicht einmal ist das passiert.

Nicht einmal.

12. Fremde kommentieren im Vorbeigehen nicht mehr meinen Körper.

Und erwarten dann auch noch, dass ich ihnen dafĂŒr danke.

Und wieder, nicht ein einziges Mal, ist mir das im tÀglichen Leben passiert.

13. Körperbehaarung ist erlaubt.

Mehr muss man dazu nicht sagen.

14. Ich darf altern.

Und werde grade mit steigendem Alter noch als gutaussehend oder elegant bezeichnet.

15. Ich darf essen ohne dass es jemand kontrolliert.

Ich bin immer noch wirklich sehr dĂŒnn, aber jetzt sparen sich andere Menschen jegliche Kommentare bezĂŒglich meines Essens.

16. Bei meiner Arbeit zÀhlen meine FÀhigkeiten, nicht mein Aussehen.

Manchmal trage ich nur Jeans und ein einfaches T-Shirt.

Den anderen ist es egal.

Die QualitÀt meiner Arbeit zÀhlt.

17. Die Pornoindustrie ist mÀnnlich ausgerichtet.

Nun, ausgerichtet auf den Durchschnittstypen, der sexuell an Frauen interessiert ist.

Selbst in „lesbischen" Pornos findet sich diese Ausrichtung.

18. Ältere weiße Typen behandeln mich wie ihren besten Freund.

Besonders dann, wenn ich gezwungen bin, Krawatte und Anzug zu tragen. Es erstaunt mich immer wieder, wie oft ich dann in Unterhaltungen verwickelt werde.... Auf eine vÀterliche Art und Weise.

Ein warmes LÀcheln, strahlende Augen, sie freuen sich, ein wenig von ihrer Erfahrung weitergeben zu können.

Ganz automatisch bin ich plötzlich ihr Protegé.

19. Ich kann ein Gamer sein und muss nicht fĂŒrchten, deshalb beleidigt zu werden.

Die Gaming-Industrie ist immer noch eine MĂ€nner-Welt.

Weibliche Charaktere werden immer noch sexualisiert, brutalisiert oder erniedrigt, wenn sie ĂŒberhaupt vertreten sind. Gleiches gilt fĂŒr die weiblichen Gamer.

20. Ich selbst stehe an erster Stelle.

Niemand erwartet von mir, dass ich fĂŒr andere ein Opfer bringe.

21. Ich muss mich sexuell viel weniger binden.

Ich kann mit so vielen Menschen so viel Sex haben, wie ich möchte. Und keiner sagt etwas.

22. Ich darf mich breit machen.

Ich darf mich in öffentlichen Verkehrsmitteln ausbreiten, und niemand, egal welchen Geschlechts, bittet mich, ein StĂŒck zur Seite zu rĂŒcken.

Andere Menschen verhalten sich so, als wÀre es mein volles Recht, mich so unverschÀmt zu benehmen.

(Bitte beachten Sie, dass ich das bisher nur zu Experimentierzwecken getan habe).

23. Ich bin kein Opfer des abgeschwÀchten Sexismus mehr.

Schon lange hat mich niemand mehr gefragt, ob ich kurz Kaffee holen, Dekorationen fĂŒr eine Party mit aufhĂ€ngen oder nach der Party aufrĂ€umen könnte.

24. Die Menschen sind ĂŒberzeugt, dass meine Erfolge alleine auf meinen Grips zurĂŒckzufĂŒhren sind.

Ja, ich habe immer hart gearbeitet. Aber ich hatte auch viel GlĂŒck und viel Hilfe.

Die Menschen stellen meinen Erfolg nicht mehr in Frage oder lassen durchblicken, dass dieser Erfolg einzig darauf zurĂŒckzufĂŒhren ist, dass ich meine Karten gut ausgespielt habe.

Ich allein bin das Geheimnis meines Erfolges. Alles ist hart erarbeitet und nichts hatte mit der Kultur zu tun, in der wir leben.

25. Ich kann die unglaublichsten Dinge sagen.

Und die Menschen werden mir Recht geben. Ernsthaft, ich habe es ausprobiert.

Ich könnte endlos so weiter machen, aber Sie wissen schon, der Platz und so.

Ich konnte kaum so schnell tippen, wie mir die oben genannten Beispiele eingefallen sind.

Da ich die Welt sowohl als Frau wie auch als Mann kennengelernt habe, sind mir diese Vorrechte nur allzu deutlich aufgefallen. Und es gibt immer noch viel zu viele dieser Art.

Wenn diese Liste nichts Neues fĂŒr Sie ist, dann reichen Sie sie an jemanden weiter, der sich mit diesem Thema bisher noch nicht auseinander gesetzt hat. Und wenn Ihnen diese Dinge vorher nie aufgefallen sind, dann nehmen Sie sich die Zeit, einmal darĂŒber nachzudenken, warum das so ist.

Aber viel wichtiger noch: Sprechen Sie darĂŒber. Lassen Sie diese Diskussion nicht untergehen.

Und wenn Sie ein Mann sind, dann tragen Sie ihren Teil dazu bei, diese Dinge aus dem Weg zu rĂ€umen, sobald sie Ihnen begegnen. Engagieren Sie sich, leisten Sie AufklĂ€rungsarbeit, sprechen Sie mit mĂ€nnlichen Jugendlichen ĂŒber akzeptables und inakzeptables Verhalten.

Die Menschen werden Ihnen zuhören.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Everyday Feminism und wurde von Cornelia LĂŒttmann aus dem Englischen ĂŒbersetzt.

James St. James ist einbeitragender Verfasser von Everyday Feminism. Er ist kein großer Fan seines Namens, aber er muss zugeben, dass er es leichter macht, ihn in Erinnerung zu behalten. Wenn er nicht gerade damit beschĂ€ftigt ist, Heterosexuellen mit seinen Transgender-Themen Angst einzujagen, spielt er gerne SEGA und isst SĂŒĂŸigkeiten. Folgen Sie ihm auf Twitter!


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