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Das wirksamste Instrument gegen den Klimawandel ist Bildung

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KLIMAWANDEL
ullstein bild via Getty Images
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Weltweit müssen wir eine zunehmende Entfremdung des Menschen von der Natur verzeichnen. Das hat zur Folge, dass unser Handeln die Natur zunehmend zerstört und somit auch den Klimawandel vorantreibt. Der Schlüssel zur erneuten Annäherung des Menschen an die Natur - und damit verantwortungsvollem Handeln - ist Bildung.

Daher lag auch ein Fokus der diesjährigen internationalen Klimakonferenz COP22 in Marokko auf Bildung für nachhaltige Entwicklung, BNE. Regierungsabgeordnete, Nichtregierungsorganisationen und Wirtschaftsvertreter tauschten sich dort darüber aus, wie auch Bildung zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens beitragen kann.

Denn von der Nähe zur Natur profitieren wir selbst am meisten: Unser Wohlbefinden hängt stark vom Zustand unserer natürlichen Umwelt ab. Für unsere Gesundheit, körperlich wie mental, ist es entscheidend, dass wir uns in einer intakten Umwelt aufhalten. Schon nach kurzen Aufenthalten in der Natur verbessern sich geistige Fähigkeiten und Denkleistung und es geht uns besser - das belegen schwedische Studien.

Erkrankungen durch Luftverschmutzungen und Umweltgifte

Weitere Erkenntnisse aus verschiedenen Ländern zeigen, dass Kinder in einer natürlichen, intakten Umgebung kreativer spielen als an zubetonierten Spielorten. Umweltexperten wie Jonathon Porritt behaupten sogar, der Kontakt mit der Natur sei der schnellste Weg zum Wohlbefinden.

Noch stärker betrifft das gerade Kinder und junge Menschen: Überall auf der Welt erleben diese hautnah die schädlichen Auswirkungen der zunehmenden Umweltzerstörung und des Klimawandels und laufen Gefahr durch Luftverschmutzungen oder Umweltgifte chronisch zu erkranken. Im Extremfall verlieren Gemeinden sogar ihre gesamte natürliche Umgebung durch den Anstieg der Meeresspiegel, Überflutungen, Dürren und Naturkatastrophen.

Mehr zum Thema: "Kipp-Punkt einer Energierevolution": 45 Länder wollen komplett auf Öl, Kohle und Erdgas verzichten

In vielen westlichen Gesellschaften ist die Naturentfremdung besonders bei Kindern weit vorangeschritten, wie auch Richard Louv in seinem Buch Last Child in the Woods beschreibt. Innerhalb einer Generation ist der Anteil der Kinder in Großbritannien, die regelmäßig in der freien Natur spielen, auf unter 10 Prozent gefallen. In vielen Ländern erleben wir die erste Generation von Kindern, die weitestgehend Drinnen aufwächst, abgekoppelt von der natürlichen Welt.

Wie können wir von jungen Menschen erwarten, dass sie den Schutz der Umwelt vorantreiben, wenn sie immer weniger mit ihr zu tun haben? Ganz einfach: das können wir nicht. Niemand schützt, was er nicht kennt.

Hier kommt Maryland ins Spiel. Als erster Bundesstaat der USA hat Maryland 2011 Umweltbildung als Pflichtfach für den Abschluss der Sekundarschule eingeführt. Eine politische Maßnahme, für die der Bundestaat mit dem Future Policy Award 2015 ausgezeichnet wurde. Die ersten Ergebnisse sind positiv. Es zeigen sich anhaltende Veränderungen im Verhalten und Handeln der Schülerschaft, aber auch eine verbesserte Aufnahme von Wissen und Lehrinhalten.

Beteiligung bei lokalen Umweltschutzaktivitäten

In den vergangenen Jahren erweiterten und vertieften die Schüler ihr Wissen um die Komplexität von Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen, was sich in den Ergebnissen der Abschlussprüfungen klar widerspiegelt. Die Vorgabe stärkte auch die Zusammenarbeit zwischen den Anbietern von außerschulischen Umweltbildungsangeboten und Schulen, die sicherstellt, dass jedes Kind regelmäßig eindrückliche Erfahrungen in der Natur machen kann.

Um die positiven Effekte von Marylands Umweltbildungsstandards (Environmental Literacy Standards) zu erkunden und als Inspiration zu nutzen, lud die Stiftung World Future Council kürzlich Vertreter aus Bildungs- und Umweltministerien aus 16 Ländern aus Asien, Afrika, Lateinamerika, Europa und USA zu einem 3-tägigen internationalen Workshop nach Maryland ein.

Neben fundierten Informationen zur Gesetzgebung und Implementierung lag der Fokus auch auf praktischem Lernen in der Natur direkt vor Ort und die dadurch entstehenden Vorteile: die Schüler engagieren sich mehr, sie erzielen bessere Ergebnisse in der Schule und sie fühlen sich wohler. Die Delegierten hatten die Möglichkeit mit den Schulkindern an unterschiedlichsten Exkursionen teilzunehmen.

Gemeinsam mit den Schülern überprüften sie die Verschmutzung von Flüssen und setzten die Ergebnisse in Verbindung mit der Landnutzung an den Ufern, identifizierten wilde Tiere und Pflanzen des Ökosystems in der Chesapeake Bucht und führten Experimente durch, um zu verstehen, warum beispielsweise Austern so wichtig für die Wasserqualität sind. Der Lehrplan sieht vor, dass sich die Schülerschaft in der Wiederherstellung von Feuchtgebieten engagiert, Bäume pflanzt und sich bei lokalen Umweltschutzaktivitäten beteiligt.

Verbindung zwischen Unterrichtspraxis und der Verbesserung der lokalen Umwelt

Es ist nur einleuchtend, warum viele Befürworter von Umweltbildung eine klare Verbindung zwischen dieser Unterrichtspraxis und der Verbesserung der lokalen Umwelt sehen. Die positiven Entwicklungen der Umwelt vor Ort haben sich in den letzten Jahren geradezu überschlagen.

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In einem seltenen hoffnungsvollen Moment in Leonardo DiCaprios Klimadokumentation Before the Flood sagt Piers Sellers, Direktor der wissenschaftlichen Abteilung der NASA, der sich mit dem Zustand der Erde beschäftigt: "Ich glaube an die Menschen. Wenn sie erst einmal aus dem Nebel der Verwirrung um ein Thema herauskommen, die Gefahr realistisch einschätzen können und die nötigen Informationen darüber erhalten, wie sie sich am besten verhalten sollen, dann fangen sie an und handeln. Was in der Umsetzung unmöglich erscheint, wird dann möglich."

Wenn wir wollen, dass die nächste Generation die Klima- und Umweltherausforderungen annimmt, müssen wir sie mit einem stabilen Fundament - einem Bezug zur Natur, Grundsätzen der Nachhaltigkeit und einem hohen Grad an Umweltbildung - ausstatten. Bewährte Konzepte, wie das in Maryland, zeigen uns den Weg dorthin.

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