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Warum ich mich für eine Karriere in der Pornoindustrie entschieden habe

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Meine Freunde nennen mich Jade, aber auf Twitter bin ich unter dem Namen Carly Rae bekannt. Ich bin 23 Jahre alt, wohne in Manchester und ich habe einen Universitätsabschluss in Mode.

Aber statt Karriere in der Modebranche zu machen, habe ich mich für einen Beruf entschieden, den viele Menschen schockierend finden.

Warum, das erkläre ich in der BBC Three-Dokumentation "Jade: Why I Chose Porn" (Jade: Warum ich mich für Pornos entschied). Ich hoffe, dass die Menschen nach dieser Dokumentation verstehen werden, warum ich diese Entscheidung getroffen habe.

Die Sicht auf die Porno-Industrie ist zu negativ

Teil dieser Dokumentation zu sein, war wichtig für mich. Ich wollte etwas schaffen, dass die Erwachsenen-Industrie wirklich so darstellt, wie ich sie sehe. In den Medien wird meistens nur gezeigt, welchen negativen Einfluss die Industrie auf das Leben eines Menschen oder auf die Menschen, die aus den falschen Gründen in diesem Geschäft landen, nehmen kann.

Unsere Sicht auf diese Industrie ist eindimensional. Denn für mich ist es anders.

Ich liebe meinen Job und die Möglichkeiten, die er mir bietet.

Ich sage nicht, dass der Job perfekt ist. Welcher Job ist das schon? Manchmal schlaucht er. Und manchmal bin ich unheimlich faul. Er zieht sich oft lange in die Abendstunden und der Tag beginnt für mich teilweise schon sehr früh.

Ich stehe um sechs Uhr morgens auf, um den Zug um acht Uhr nach London zu erwischen und bin nicht vor 23 Uhr wieder zu Hause. Aber das geht jedem so, der pendelt, um seine Rechnungen zahlen zu können.

Mein Beruf veränderte mich zum Guten

Ich hätte mir nie träumen lassen, um die Welt zu reisen, schon gar nicht als Model. Ich möchte, dass die Menschen verstehen, dass mein Beruf mich zum Guten verändert hat. Der Kopfsprung in diese Industrie hat mich schnell erwachsen werden lassen.

So bin ich zu einer selbstbewussten, vollständigen Person geworden. Hätte ich mich für einen anderen Karriereweg entschieden, hätte ich nicht so viel Verständnis für das Leben entwickeln können.

Ich spreche auch die schwierigen Seiten der Industrie an

Einen Freund zu finden, der kein Problem damit hat, dass seine Freundin Pornos dreht, ist ziemlich schwer. Auch am Set kann es zu Schwierigkeiten kommen - zum Beispiel, wenn man mich in einem Moment der Panik aufnimmt.

Außerdem kommt es vor, dass ich mich bei einem Dreh mit einem gut ausgestatteten Mann verletze, wenn ich mich nicht richtig aufgewärmt habe. Aber diese Situationen sind selten. Ich lerne aus Erfahrungen. So wie jede Frau in einer von Männern dominierten Welt, muss man manchmal hart dafür kämpfen, dass die eigene Meinung wahrgenommen wird.

In unserer Welt spielt Gleichberechtigung eine immer größere Rolle, aber manchmal muss ich meinen Worten mühsam Nachdruck verleihen. Das ist jedoch selten.

Durch die Pornos fand ich zu mir selbst

Die Pornos haben mir nicht nur geholfen, mich als Individuum zu formen, ich habe auch Dinge gelernt, die der Sexualkundeunterricht mir nicht vermitteln konnte. Ich weiß, dass die Mädchen, die wir im Fernsehen oder in Zeitschriften sehen, oft bis zur Perfektion bearbeitet wurden, und dass mein Körper normal ist.

Pornographische Filme zu schauen und von anderen Mädchen aus dem Geschäft umgeben zu sein, hat mich gelehrt, dass ich nicht alleine bin, dass andere Frauen jeden Tag das gleiche durchmachen.

Makellos zu sein ist hart.

Ich akzeptiere meinen Körper und ich stehe zu mir selbst. Ich bin froh, dass ich, seit ich 21 Jahre alt bin, finanziell auf eigenen Beinen stehe (für die meisten Menschen in meinem Alter ist das ein Luxus).

In der Dokumentation erkläre ich auch, dass ich Feministin bin. Ich habe die Kontrolle über mein Leben und die Entscheidungen, die ich treffe. Ich bin mein eigener Chef. Ich entscheide, welche Fotoshootings ich mache und welche nicht, es gibt keinen Druck von außen.

Das Positive überwiegt das Negative

Wenn sich Menschen die Dokumentation ansehen, dann möchte ich, dass sie verstehen, dass Porno-Darsteller nicht immer dem Klischee der Gesellschaft entsprechen. Die negativen Seiten, die in den Medien gezeigt werden und über die Politiker sprechen, entsprechen nicht immer der Wahrheit.

Wenn ich nach meinem Beruf gefragt werde, dann wird oft gefragt, ob ich Spaß daran habe - begleitet von einem seltsamen Blick. Die meisten Menschen sind da sehr skeptisch.

Sie haben den Eindruck, dass ich in eine bestimmte Rolle gezwungen werde und glauben nicht, dass ich für die Industrie tatsächlich viel Leidenschaft aufbringe und dass es das ist, was ich tun will.

Negative Reaktionen kann ich wegstecken. Jeder darf seine eigene Meinung haben. Ich verstehe, dass nicht jeder für die Porno-Industrie geschaffen ist. Ich denke und lebe total frei und nicht jeder kann sich diese Gelassenheit leisten.

Auch in der heutigen Zeit ist es für Frauen ein Tabu, über ihre Periode zu sprechen, wir haben also noch einen langen Weg vor uns, bis die Mehrheit der Gesellschaft so denkt wie ich.

Mein Ansporn ist es, das Leben voll auszukosten. Ich bereue keine Entscheidung, die ich bisher getroffen habe. Ich habe keinen Fünf- oder Zehnjahresplan wie andere Menschen, die sich auf ihre Karriere konzentrieren. So lange ich erfolgreich und glücklich bin, habe ich mein Ziel erreicht.

Jade: Why I Chose Porn (Jade: Warum ich Pornos drehe) ist ab dem 02. August um 10 Uhr auf bbc.co.uk/bbcthree und BBC Three on iPlayer verfügbar.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Huffington Post UK und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

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(lm)