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Wir müssen sofort aufhören, unseren Kindern diese 4 Dinge anzutun

08/06/2017 17:46 CEST | Aktualisiert 08/06/2017 17:50 CEST
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Heute möchte ich über etwas sprechen, das mir sehr am Herzen liegt. Es geht um meine Kinder, die gerade dabei sind, sich selbst in dieser Welt zurecht zu finden.

Dabei ist es mir wichtig, dass sie sich zu selbstbewussten und starken Menschen entwickeln. Eine gute Erziehung ist wichtig - das kann aber nur funktionieren, wenn wir auf ein paar wichtige Dinge acht geben.

Eltern sollten daher tunlichst folgende Dinge vermeiden:

1. Hört auf, eure Kinder dazu zu zwingen, andere zu umarmen

Wie sollen wir jemals von unseren Kindern erwarten, dass sie die Privatzonen anderer respektieren, wenn wir sie dazu animieren, allen und jedem um den Hals zu fallen?

Versteht mich in diesem Punkt bitte nicht falsch: Es geht nicht darum, ihnen zu verbieten, andere zu umarmen, sondern darum, dass sie das selbst entscheiden sollen. Ihr solltet sie nicht dazu zwingen.

Es ist nicht ihre Aufgabe, die Erwartung anderer in diesem Hinblick zu erfüllen. Augenkontakt, Höflichkeit und ein nettes Gespräch - alles super. Den Abstand zu anderen Menschen nicht zu wahren und diese Zone durchbrechen - das ist ein No-Go!

Wenn andere Kinder keine Umarmung wollen, dann sollten eure Kinder höflich fragen, ob sie ihre Hand schütteln dürfen. Wenn sie dann immer noch abgewiesen werden - hey, dann habt ihr alles richtig gemacht, weil sie dadurch die Grenzen anderer respektieren lernen.

Mehr zum Thema: Ein Kinderarzt erklärt: Das ist der oft übersehene Grund, warum Kinder ihren Eltern nicht gehorchen

2. Hört auf, eure Kinder zu sexualisieren

Das klingt jetzt komisch, aber Kinder werden ständig sexualisiert. Von den Medien, von den Klamotten, die es in den Läden für sie zu kaufen gibt, von ihren Spielsachen - von so vielem.

Ich beziehe mich dabei auf die vielen subtilen Kommentare und Annahmen, die Erwachsene machen und dadurch unsere Kinder unnötig in sexuell vorgefertigte Rollen drängen.

Ein Beispiel: Wenn mein vierjähriger Junge mit einem gleichaltrigen Mädchen im Park spielt, dann nennt sie bitte nicht "seine kleine Freundin". Und sagt niemals zu meinem zehnjährigen Jungen, dass er jetzt schon so hübsch sei, dass "später die Frauen mal bei ihm Schlange stehen werden" (Ehrlich gesagt macht ihr ihm damit ziemlich viel Angst).

Geht nicht davon aus, dass mein Kind eines Tages heiraten wird. Egal, ob es sich um einen Jungen oder ein Mädchen handelt. Beginnt eure Sätze nicht mit "Wenn du eines Tages auch verheiratet bist..." oder "Diese Geschichte erzählen wir dir bei deiner eigenen Hochzeit".

Für Kinder ist die Eheschließung nicht der Heilige Gral des Erwachsenwerdens. Es ist eine Option - eine persönliche Entscheidung, nicht eine zwanghafte Notwendigkeit für die ultimative Glückseligkeit.

Unsere Kinder sollten nicht davor Angst haben müssen, dass wir sie mit einem peinlichen "Ich glaube, sie mag dich" oder "Oh, der ist aber süß" konfrontieren, sobald sie sich mal mit einem Mädchen (oder Jungen) unterhalten.

Meine Kinder sprechen nicht über diese Dinge. Sie sprechen von ihrem Fußballspiel, von ihrer Katze, von ihren Tagträumereien, wo sie von Drachen, Zauberern und Piratenschätzen träumen. Das sind die Dinge, die sie interessieren. Also hört auf, sie mit euren Erwachsenenthemen zu malträtieren. Das kommt schon noch früh genug.

Lasst sie Kinder sein so lange es geht - denn die Zeit vergeht ziemlich schnell.

3. Hört auf, sie in stereotype Geschlechtervorstellungen zu pressen

Unsere Gesellschaft ist voll stereotyper Geschlechtsvorstellungen. Es ist zwar besser geworden, aber solange uns Spielzeug-Regale und Kleider-Ständer in blau und pink einteilen, werden diese Stereotypen weiter bestehen.

Ich empfehle euch für eure Kinder folgende Spielsachen und Aktivitäten, die nichts mit Geschlechtsvorstellungen zu tun haben sollten: Skateboards, Baseball-Schläger, Ballettschuhe, Gartenwerkzeuge, Puppen, Spielzeugküchen, ferngesteuerte Spielzeugautos, Basketbälle, Plüschtiere, Pink, Lego, Malbücher, Sticker, Blau, Glitzer, Farbe - ihr versteht, was ich meine.

Hört auf, die Jungs zu fragen, welche Sportart sie treiben und den Mädchen Komplimente für ihre süßen Schuhe zu machen. Junge Menschen sind nicht eindimensional. Sie wissen das bereits und wir sollten das endlich einsehen.

Kinder sollten sich mit dem identifizieren können, was ihre Neugierde antreibt und die Interessen verfolgen, die sie glücklich machen und ausfüllen - egal, welches Geschlecht sie haben. Lasst sie einfach machen.

Bonuspunkte gibt es für die Menschen, die aufhören, "Jungs und Mädchen" zu sagen, wenn sie vor Kindergruppen, Teams oder Klassen sprechen.

Mehr zum Thema: Eine Pädagogin erklärt: Das ist der Schlüssel zu einer glücklichen Kindheit

4. Body-Shaming ist absolut unangebracht

Wir sollten niemals vor unseren Kindern über unser Aussehen oder unsere Makel sprechen.

Ich möchte nicht, dass bei ihnen dadurch der Eindruck erweckt wird, dass das Wichtigste eines Menschen, sein Äußerstes ist. Schönheit ist immer subjektiv. Auch wenn es vielleicht später mal eine gewisse Wichtigkeit in ihrem Leben haben wird - jetzt ist es schlichtweg nicht wichtig.

Denkt also unbedingt daran, bevor ihr euch über das Aussehen anderer Menschen auslasst. Wenn wir wollen, dass junge Menschen ihre eigenen Körper akzeptieren und sich selbst so akzeptieren wie sie sind, dann fängt das zuerst mit uns selbst an. Wir sollten die wahrgenommen Makel als etwas normales und positives kommunizieren - ganz ohne Wertung.

Unsere Körper tragen uns Berge hoch und lassen uns über Fußballfelder laufen. Sie halten andere in den Armen, wenn sie krank, müde oder traurig sind. Sie füttern Babies, schaffen Zufluchtsorte, komponieren Musik und kreieren neue Welten in Büchern und auf Leinwänden. Unsere Körper sind ziemlich einzigartig.

Wir sollten den jüngeren Generationen genau diese Dinge aufzeigen. Wir sollten ihnen zeigen, dass unsere Körper wichtig sind, nicht ihr äußeres Erscheinungsbild.

Wenn wir wollen, dass unsere Kinder glücklich, zuversichtlich und zufrieden sind, dann müssen wir ihnen genau diese Werte vorleben.

Lasst uns damit anfangen!

Dieser Text erschien in der HuffPost USA und wurde von Max Marquardt aus dem Englischen übersetzt.

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Oft schauen wir auf gesellschaftliche Entwicklungen nur aus einer abstrakten Perspektive: Experten sprechen über Probleme anhand von Studien. Politiker loben, was gut läuft, anhand von grauen Statistiken - all das hat mit dem Alltag der Menschen, die von diesen Entwicklungen betroffen sind oder sie prägen, oft wenig zu tun.

Diese Menschen kommen jetzt in der Huffington Post zu Wort. Denn wie fühlt sich Armut in einem reichen Land jenseits der Statistiken an? Wie sieht Deutschland aus der Perspektive eines Obdachlosen aus? Vor welchen Problemen steht ein gerade angekommener Flüchtling? Wer hat mit seiner Initiative ein gravierendes Problem gelöst? All das ist Thema in HuffPost-Voices.

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(lm)

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