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Finnlands Schlüsselposition in der Arktis

07/03/2017 14:21 CET | Aktualisiert 07/03/2017 14:21 CET

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Die Arktis ist immer noch eine der saubersten und unberührtesten Regionen der Welt. Allerdings wird es durch eine Reihe von schnellen Veränderungen gesteuert. Klimawandel und technologischer Fortschritt beeinflussen diesen Teil der Erde massiv. Neue Seewege, Energie- und Mineralreserven sowie der zunehmende Tourismus stellen somit eine neue Bedrohungen für den Nordpol dar. Auch ein gewisses Konfliktpotential in der Arktis kann das sicherheitspolitische Gleichgewicht der Region in Zukunft aus den Fugen bringen.

In München tagte im Februar eine der größten Sicherheitskonferenzen der Welt. Zur 53. Munich Security Conference kamen mehr als 30 Staats- und Regierungschefs und über 70 Minister für auswärtige Angelegenheiten und Verteidigung. Auch das Thema Arctic Security stand auf der Agenda und wurde bei einem eigenen Roundtable diskutiert. Wenn es um die Sicherheit des Nordpols geht, spielt besonders Finnland eine wichtige Rolle. Als einer der acht arktischen Anrainerstaaten, verfolgt das Land eigene wirtschaftliche, politische und sicherheitsrelevante Interessen. Mit einer umfassenden und ehrgeizigen Strategie, welche sich gezielt auf die Außenbeziehungen im arktischen Bereich konzentriert, hat man zum Beispiel eine Initiative zum Umweltschutz vorangetrieben, um größeren Einfluss auf die EU-Dimensionen in Nordeuropa hervorzurufen.

Arctic Strategy

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Finnlands politische Ziele kann man vor allem in vier Hauptsektoren einteilen:

Beim ersten "Fragile Arctic nature" rückt die Umweltperspektive in den Vordergrund und soll bei allen Aktivitäten in der Region berücksichtigt werden. Besonders die Förderung der nuklearen Sicherheit, wie auf der Kola-Halbinsel steht hier im Fokus. Beim "Economic activities and know-how" Programm kommt die finnische Kompetenz im Bereich Technologie, Transport und Schiffbau zur Geltung. Die fundierten Erfahrungen auf diesem Gebiet sollen lokalen Unternehmen die Möglichkeit zur Expandierung geben und einen Beitrag bei Großprojekten in der Barentssee leisten. Diese Konzept ist überaus geschäftsorientiert mit einer starken Betonung der Wirtschaftstätigkeit, gepaart mit Fachwissen, vor allem bei der Nutzung der natürlichen Ressourcen in der Arktis. Beim "Transport and Infrastructure" Sektor wird das Augenmerk zunächst auf die Verbesserung der Geschäftsmöglichkeiten in der Arktis durch die Entwicklung von Verkehrswegen, Kommunikations- und Logistiknetzwerken sowie Grenzübergängen gewährleistet. Darüberhinaus sollen die Transportwege in der Barents Region modernisiert werden und somit eine sichere Navigation in den nördlichen Meeren zu gewährleisten, sowohl hinsichtlich der physischen Auswirkungen des Klimawandels als auch des Wachstums im Seetransport. Als letzter Punkt im finnischen Strategiepapier steht "Indigenous Peoples". Hier sollen die Ureinwohner der Arktis bei Entscheidungsprozessen beachtet und eingegliedert werden sowie einen anerkannten Status erhalten. Damit würde der jahrelange Kampf der Sámi zur Selbstbestimmung bald Erfolg haben. Finnland beabsichtigt auch die Stellung der (nord-) indigenen Völker beim Arktischen Rat ( AC) und des Barents Euro-Arctic Council (BEAC) zu stärken.

Sicherheitsrisiko Arktis?

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Erst vor kurzem teste das russische Militär neue Waffen und Spezialrüstung- modelle auf dem eigenen 14.000 Quadratmeter großen Armeestützpunkt am Nordpol. Moskau investiert seit einigen Jahren Unsummen in den Ausbau seiner Militärpräsenz in der Arktis. Auf dem Archipel "Franz-Josef-Land" wurde 2015 auf der Insel "Alexandraland", die auf den Namen "Arktisches Kleeblatt" getaufte Militärbasis fertiggestellt und mit den russischen Farben rot, weiß und blau angemalt. Russlands verstärkten Aktivitäten am Nordpol sind die Folge einer erneuerten Militärdoktrin, in der die Region als Priorität eingestuft wurde. Hintergrund sind die reichen Rohstoffvorkommen dort und die strategische Position. Eine ähnliche Militärbasis hatte Russland bereits südlicher auf der Insel "Kotelny "gebaut. In einem Schreiben an die Vereinten Nationen äußerte Russland im August 2015 seinen Anspruch auf die rohstoffreiche Gebiete rund um den Nordpol. Dabei forderte Russland die Hoheitsrechte über eine Fläche von 1,2 Millionen Quadratkilometern in der Arktis. Das von Russland beanspruchte Gebiet umfasst auch den Nordpol und würde Moskau nach eigenen Angaben den Zugang zu 4,9 Milliarden Tonnen fossiler Brennstoffe verschaffen.

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Im Gegensatz zur öffentlich expansiven Militärpolitik aus Russland, hält sich Finnland bedeckt. Im Mittelpunkt steht es die gegenwärtigen Grenzen zu Russland weiterhin zu festigen. " Unser Ziel ist es vor allem mit Russland ein ausgewogenes Verhältnis in der Arktis zu haben", sagte der finnische Präsident Sauli Niinistö, während der 53. Sicherheitskonferenz in München. Überdies betonte er, dass Finnlands Fokus am Nordpol definitiv im Bereich des Umweltschutzes sowie der Nutzung der natürlichen Ressourcen liege.

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In wie Fern sich die russischen Interessen in der Arktis mit den der polaren Anrainerstaaten, ganz besonders Finnland vereinbaren lassen, wird die Zukunft zeigen. Fakt ist jedoch, dass der Wettkampf um die natürlichen Erdöl-und Gasvorkommen am Nordpol erst angefangen hat. Offen bleibt nur, welche Methoden zur Sicherstellung und Gewinnung angewandt werden - militärische oder wirtschaftliche.

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