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China profitiert von schmelzender Arktis

06/12/2017 15:47 CET | Aktualisiert 06/12/2017 15:47 CET

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Während die Arktis schmilzt, verwandelt sich die Region des Nordpols wohl zu einem der wertvollen globalen Orte für natürliche Ressourcen, wie Öl, Erdgas und einer Vielzahl von Mineralien. Auch China wittert nun Profit und will sich einen Platz an der Arktis sichern, mit der altbewährten Methode: Wer zahlt, der verlangt.

Nachdem das geopolitische Ressourcenpotenzial des Nordpols entlarvt wurde, ist nicht nur das Interesse einer Vielzahl nordischer Anrainerstaaten gestiegen sondern auch besonders aus Asien. Die Nutzung dieser Bodenschätze und die Möglichkeit eines erweiterten maritimen Zugangs zum Arktischen Ozean für die transozeanische Schifffahrtsroute steht hier im Vordergrund.

Die Öffnung der Arktis für die Exploration und Gewinnung von Ressourcen hat die Notwendigkeit einer einheitlichen oder zumindest koordinierten Kooperation der arktischen Staaten geschaffen. So sind die USA, Kanada, Russland, Norwegen, Schweden, Finnland und Dänemark mit den Vorteilen als auch den Risiken einer beschleunigten Entwicklung dieser eisigen Region konfrontiert.

Wer finanziert den Fortschritt?

In naher Zukunft ist der Arktische Ozean der gemeinsame Nenner für eine schnelle und positive Entwicklung des gesamten Gebiets, da sich Importe und Exporte wahrscheinlich auf dem Wasserweg bewegen müssen. Für den Fall einer negativen Vorgehensweise oder Problemen, müssten die Kosten für humanitäre Hilfe, Katastrophenhilfe oder gar für erforderliche Sanierungsmaßnahmen die Grenzstaaten des Nordpols tragen.

Die Arktis beherbergt bereits einige der größten Bergbaubetriebe der Welt, aber die regionale Entwicklung der Infrastruktur, was Straßen, Eisenbahnnetz und Häfen anbetrifft, um die Ressourcen aus der Arktis zu transportieren - steht vor massiven Finanzierungsproblemen.

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Was passiert bei einer Umweltkatastrophe?

Dies wirft nun die Frage auf, wer genau die Entwicklung der arktischen Infrastruktur finanzieren sollte? Und noch wichtiger ist, dass die Wende auf eine Art und Weise durchgeführt wird, die verbrieft ist und auf die einzigartigen Risiken von polaren Operationen ausgelegt ist. Denn ein Zwischenfall in der Gewinnung der Bodenschätze, zum Beispiel bei einer Öl-, Gas- oder Bergbaustelle hätte drastische Auswirkungen auf die gesamte arktische Küstenlinie und würde sogar weit mehr über die physischen Grenzen des Nordpols hinaus großen Schaden verursachen.

Jeder arktische Staat hat das souveräne Recht, seine wirtschaftlichen Aktivitäten in der Nähe der Küste zu entwickeln und zu regulieren. Alle haben jedoch eine Pflicht: es muss sichergestellt sein, dass der Abbau von Ressourcen durch Personen und Firmen ausgeführt wird, die über die technische Erfahrung verfügen, um potenzielle Vorfälle zu verhindern oder wenn etwas schief geht, die finanzielle Kapazität für die Erstattung, Reinigungskosten und Entschädigungen zu haben.

Leider ist die regionale Rechtsstruktur in der Arktis in vielerlei Hinsicht ein unbeschriebenes Blatt. Es gibt keine Standards oder rechtlichen Verfahren, die genau regulieren wie man in solchen Vorfällen vorgeht, besonders in Bezug auf die grenzüberschreitenden ökologischen Auswirkungen .

Die Situation wird dadurch noch komplizierter, dass finanzielle Mittel von außerhalb in die Arktis fließen. Zum Beispiel aus China. Einige Länder wie Grönland, dessen Rücklagen äußerst limitiert ist, sind bereit ausländisches Kapital zu akzeptieren. Wenn jedoch Unternehmen mit geringer Kapitalausstattung nicht gezwungen sind, die erforderliche Sicherung von Projekten zur Ressourcenextraktion bereitzustellen auch im Fall einer notwendigen Stilllegung der Mine oder des Bohrlochs, ist eine Umweltkatastrophe vorprogrammiert.

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China - der allgegenwärtige Geldgeber

Die Verteilung der Ressourcen in der Arktis ist ungleich, ebenso wie die politische Haltung gegenüber der Entwicklung und der damit verbundenen rechtlichen Rahmenbedingungen. Eine neue Studie der CNA über uneingeschränkte Auslandsinvestitionen in der Arktis zeigt, dass ausländische Direktinvestitionen in der Arktis rasant ansteigen.

China ist ein Hauptinvestor in den arktischen Ländern und am Nordpol selbst. Von 2012 bis Juli 2017 lagen die chinesischen Investitionen bei über 89,2 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Die gesamte arktische Wirtschaft hat ein Volumen von 450 Milliarden US-Dollar. Hierbei waren Energie-, Verkehrs- und Infrastrukturprojekte vor allem im Fokus der Chinesen.

Aber auch Russland erhielt in diesem Zeitraum die meisten ausländischen Investitionen, wobei die USA und Kanada jeweils die zweit- und drittgrößten finanziellen Mittel erhielten. Der wirtschaftliche und politische Kontext dieser Kapitalanlagenist beträchtlich. Beispielsweise scheinen chinesische Investitionen in Grönland praktisch vernachlässigbar zu sein - allerdings machen die 4 Milliarden Dollar aus China mehr als 185 Prozent des BIP Grönlands aus. Im Vergleich zu den anderen arktischen Nationen ist diese Zahl bemerkenswert hoch. Chinesische Investitionen in Kanada machen 3,8 Prozent des kanadischen BIP aus, 2,1 Prozent der russischen und 1,3 Prozent des US-amerikanischen BIP.

Die USA haben mehr Transaktionen als jede andere arktische Nation, jede Transaktion hat einen Wert von durchschnittlich 368 Millionen Dollar, während in Russland die durchschnittliche Transaktion bei 790 Millionen Dollar und in Kanada bei 568 Millionen Dollar liegt.

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Chinesische Taktik geht auf

Chinas Ressourcenstrategie wird von mehreren Faktoren bestimmt: sicherer Zugang zu natürlichenBodenschätzen, alternative Transitrouten, Präsenz in Schlüsselmärkten und Gewinnmitnahmen. China ist auch durch Forschungsinitiativen wie das Northern Lights Institute oder in politischen Foren wie dem Arktischen Rat aktiv präsent. Großflächige Infusionen von ausländischem Kapital und Arbeitskräften können Auswirkungen auf die politische Souveränität der Empfängerländer haben. Dies würde zur Folge habe, dass irgendwann die arktischen Staaten praktisch gefangen sind im chinesischen Geld, da die Minen, Öl- und Gasbetreiber in Asien ansässig sind.

China hat für sich selbst eine perfekte gesetzliche Regulierung geschaffen, um in der Arktis zu investieren. Profit schlagen sie bereits jetzt davon. Es muss allerdings objektive und regionale Standards für Investitionen und Transparenz geben, um sicherzustellen, dass Staaten mit niedrigen oder nicht vorhandenen Regulierungsstandards kein Magnet für skrupellose Betreiber werden.

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