BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Isabella Manzano Headshot

"Wie kurz vor dem Bürgerkrieg": Ich bin Spanierin - so erlebe ich die Krise in Katalonien

Veröffentlicht: Aktualisiert:
CATALONIA
Bloomberg via Getty Images
Drucken

Was sich gerade in Katalonien abspielt, kommt mir vor wie ein schlechter Scherz. Die Katalanen müssen doch wissen, dass ihr Vorhaben zu nichts führen wird.

Dieses Unabhängigkeitsbestreben ist wie ein Staatsstreich. Und selbst wenn es gelingt - niemand würde daraus einen Vorteil ziehen.

Ohne die wirtschaftliche Unterstützung der spanischen Regierung würde die Region verarmen. Das weiß auch die Generalitat. Viele Firmen haben ihren Sitz seit dem Referendum schon aus Katalonien abgezogen.

Was soll jetzt aus uns werden?

Menschen aus ganz Spanien leben und arbeiten in Katalonien. Ich selbst stamme aus Granada, aber im Frühjahr 2017 bin ich nach Barcelona gezogen. Ich lebe hier, ich arbeite hier, ich zahle hier Steuern.

Was soll jetzt aus uns werden? Wenn Katalonien unabhängig wird, verlieren wir vielleicht unseren Job. Wir werden wegziehen müssen.

Mehr zum Thema: In Katalonien droht der Knall: Experten warnen vor Ausschreitungen und "katalanischem Maidan"

Und was ist mit den ganzen ausländischen Unternehmen? Wenn Katalonien unabhängig wird, sind sie nicht mehr Teil der Europäischen Union. Viele meiner deutschen Kollegen leben seit 10 Jahren hier.

Puigdemont gehört ins Gefängnis

Der Wunsch nach Unabhängigkeit ist eine Ideologie, die sich von Generation zu Generation vererbt hat.

Hinzu kommt, dass im Vorfeld des Referendums viel gelogen wurde. Die Separatisten haben das Volk manipuliert und ihnen eingeredet, dass Spanien sie in der Wirtschaft betrügen würde.

Der katalanische Regierungschef gehört ins Gefängnis für das, was er an seinem Volk verbrochen hat.

Trotzdem sind nur 40 Prozent der Katalanen dafür. Aber es ist ihnen gelungen das ganze Land in Aufruhr zu versetzen. Wegen ihnen muss die ganze Region, um ihre Zukunft bangen.

Mehr zum Thema: Ich habe mich mit katalanischen Separatisten unterhalten und gemerkt, was gerade ganz Europa spaltet

Wir anderen sind es leid. Wir beten, dass dieser Konflikt bald gelöst wird. Indem es ein neues Referendum gibt, bei dem alle Spanier, die in Katalonien leben, ihre Stimme abgeben dürfen.

Ansonsten bleibt nur zu hoffen, dass die Regierung die Situation durch die Anwendung von Artikel 155 unter Kontrolle bekommt.

Gleichzeitig habe ich Angst, was die Maßnahmen auslösen könnten. Die Diskussion um die Unabhängigkeit hat zu einem Zerriss der katalanischen Gesellschaft geführt. Womöglich kommt es zu Ausschreitungen.

Manchmal fühlt es sich an, als stünden wir kurz vor einem Bürgerkrieg.

Das Gespräch wurde von Anna Rinderspacher aufgezeichnet.

2016-10-24-1477314417-8667323-image_1465815956.jpeg

Oft schauen wir auf gesellschaftliche Entwicklungen nur aus einer abstrakten Perspektive: Experten sprechen über Probleme anhand von Studien. Politiker loben, was gut läuft, anhand von grauen Statistiken - all das hat mit dem Alltag der Menschen, die von diesen Entwicklungen betroffen sind oder sie prägen, oft wenig zu tun.

Diese Menschen kommen jetzt in der HuffPost zu Wort. Denn wie fühlt sich Armut in einem reichen Land jenseits der Statistiken an? Wie sieht Deutschland aus der Perspektive eines Obdachlosen aus? Vor welchen Problemen steht ein gerade angekommener Flüchtling? Wer hat mit seiner Initiative ein gravierendes Problem gelöst? All das ist Thema in HuffPost-Voices.

Diskutiert mit und schickt uns eure Erlebnisse an Blog@huffingtonpost.de.