BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

innatura Headshot

Seit Jahren helfen wir Flüchtlingen mit Sachspenden - doch der Staat erschwert uns die Arbeit

Veröffentlicht: Aktualisiert:
DONATION GERMANY
Kai Pfaffenbach / Reuters
Drucken

"Wir sind einfach überwältigt. Es ist wahrscheinlich die größte Sachspende, die eine Unterkunft je erhalten hat," sagt Holger Michel, Sprecher der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer im ehemaligen Rathaus Berlin-Wilmersdorf, beim Blick auf die Riesenladung von 1.800 Kartons voll mit Kleidung, Schuhen, Unterwäsche und Accessoires.

Gespendet wurden diese im Januar von der Firma Levi Strauss & Co an Berliner Notunterkünfte.

Der Warenwert: nahezu eine Million Euro. Solche Beispiele gibt es nicht jeden Tag. Doch tagtäglich werden im sozialen Sektor und in der Flüchtlingshilfe Produkte benötigt - Wasch- und Reinigungsmittel, Kleidung, Hygieneartikel, Bettwaren, Säuglingsprodukte, Spielwaren.

Und das anzuschaffen reißt große Löcher in meist eng bemessenen Budgets. An dieser Stelle helfen wir - die innatura gGmbh - weiter.

Wir verteilen Produkte, die niemand haben will

2013 gingen wir an den Start und vermitteln seitdem fabrikneue Sachspenden an soziale Organisationen und Einrichtungen - so auch die Großspende von Levi Strauss an die Berliner Notunterkünfte.

Über uns erhalten diese Organisationen planbaren Zugang zu fabrikneuen Produkten, und das zu sehr geringen Kosten.

Wir werben die Spenden direkt bei den Produzenten ein, lagern sie und vermitteln sie an die Einrichtungen weiter.

Meist sind es Waren, die nicht in den Handel kommen würden, weil sie leichte Mängel haben - also Fehlproduktionen, falsche Füllmengen, falsche bzw. nicht mehr
gültige Etikettierung.

Ob Wasch- und Reinigungsmittel, Kleidung und vieles andere mehr - die Hilfsorganisationen bestellen bedarfsgerecht und bequem wie in einem Onlineshop. Sie zahlen dabei nur einen Bruchteil dessen, was bei einem normalen Einkauf fällig würde, als Vermittlungsgebühr.

Diese benötigen wir als Nonprofit-Unternehmen, um seine Verwaltungs- und Lagerkosten zu finanzieren.

Viele Empfängerorganisationen von innatura arbeiten mit Geflüchteten, zum Beispiel Willkommensinitiativen und kommunale Einrichtungen für Flüchtlinge.

Durch den Bezug von Sachspenden bei uns können die Organisationen mit den vorhandenen Mitteln möglichst vielen Menschen helfen.

Auch Hilfsorganisationen, die direkt mit Geflüchteten vor Ort oder auf der Flüchtlingsroute arbeiten, beziehen über uns ihre Produkte.

Dabei sind die von uns vermittelten Sachspenden nicht nur "Dinge", sondern helfen auf
mehrfache Weise.

So hat die "Csilla von Boeselager Stiftung Osteuropahilfe" das Projekt "Arbeitslose arbeiten" aufgesetzt, bei dem Sozialhilfeempfänger in Nova Crnja und Ada (Serbien) aus einer Spende des Arbeitsbekleidungsherstellers Bierbaum-Proenen in Köln Decken genäht haben.

Diese Decken wurden dann an "Ärzte ohne Grenzen" gegeben, die am Grenzgebiet Mazedonien/Serbien beziehungsweise Serbien/Kroatien Flüchtlinge versorgen.

Spenden leichter gemacht, aber noch nicht leicht genug

Angesichts der großen Zahl der Flüchtlinge wuchs der Handlungsdruck auf die Bundesregierung und so wurden viele bürokratische Hürden für die Spendenvermittlung relativ zügig gesenkt.

Dadurch ermöglichte man uns Sachspenden schnellstmöglich an Flüchtlings- und Willkommensinitiativen zu vermitteln - selbst wenn diese noch nicht formal als Verein organisiert und noch nicht als gemeinnützig anerkannt sind.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Doch ein wichtiger Schritt steht noch aus: Das deutsche Umsatzsteuerrecht schreckt viele Unternehmen ab, Produkte, die sie nicht mehr vertreiben können, als Sachspenden zur Verfügung zu stellen.

Statt im Spendenlager landen die Waren im Müll. Der Grund: Die Unternehmen müssen auf die gespendeten Waren den vollen Umsatzsteuersatz entrichten!

Viele neuwertige und vollständig brauchbare Waren werden deshalb ungenutzt entsorgt, obwohl sie an vielen Stellen im sozialen Sektor und in der humanitären Hilfe dringend benötigt würden. Das muss sich ändern!

Der Beitrag wurde von Brigitte Lausch und "innatura"-Geschäftsführerin Dr. Julia Kronen verfasst.

______

2017-06-20-1497947758-6552597-HHPHOTOGREECEREFUGEES5348814HH.png

Mehr zum Thema: