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Frauen macht euch klar, dass ihr sexy seid und manche Männer damit nicht umgehen können

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Unser Kopf ist rund, damit wir bei neuen Erkenntnissen anders herum denken können und nicht weiterhin nur unsere lange widerlegten Vorurteile ummöblieren...

Erst mal sollten wir uns als Frauen und Mütter von Töchtern deutlich weniger fürchten, wir erleben weniger Gewalt als Jungen und Männer! Die Mordrate an Frauen ist von 497 im Jahr 2000 auf 296 in 2015 gesunken. Die Anzahl an Gewaltverbrechen nimmt seit 2008 generell ab!

Nur sexuelle Gewalt und Handtaschendiebstahl erleiden Frauen und Mädchen mehr als Männer! Aber auch diese Delikte sind deutlich rückläufig! Früher lasen wir nur über die Gewalttaten in unserer Region, jetzt erschüttern uns Vergewaltigungen aus aller Welt, nur deshalb haben wir das Gefühl es gibt mehr Gewalt.

70 Prozent alle sexuellen Gewalt findet im täglichen Umfeld statt

Wir erfahren in den Medien nur über Gewalt durch Fremde, deshalb denken wir immer noch, Gewalt würde uns auf der Straße drohen. Über die 70-80 % aller sexuellen Gewalt, die in Familien und deren alltäglichem Umfeld stattfindet, wird geschwiegen. Das ist die wahre ganz alltägliche Gewalt!

Dazu ein kleiner Exkurs über Gewalt: In der Schule und auf dem Schulweg erleben Jungen durch andere Jungen Gewalt, durch Schlagen zu 19,5%, durch Eigentum zerstören zu 18,1%, durch massives Hänseln zu 9%, durch Bedrohen und Einsperren zu 8,8%. Im Vergleich dazu erlebten Mädchen Gewalt nur zu 10% durch Schlagen etwas mehr als Jungen zu 20,9% durch Eigentum zerstören, nur zu 7,2% durch massives Hänseln und gar nicht durch Einsperren.

Als meine Kinder jugendlich waren, wurden alle Jungs nachts abgezockt und durften in Boxer-Shorts nach Hause laufen, den Mädchen passierte gar nichts in all den Jahren. Lief ein Junge in Mädchenbegleitung durch die Straßen, wurde er nicht angegriffen. Ich sagte damals, „die Zeiten haben sich offensichtlich geändert, heute müsst ihr Mädchen die Jungen nach Hause bringen." Es hat gut funktioniert.

Als Erwachsene erleben Männer nicht weniger Gewalt: im Rahmen des Wehrdienstes wurden 60% schikaniert, gedemütigt und jeder sechste wurde eingesperrt und/oder gefesselt, als Zivilisten erfuhren Männer zu 20,7% Körperverletzung ohne Waffen, Frauen nur zu 9,8%, mit Waffen steht es 7,6 zu 3,7%, bei Raub 13,4 zu 5,1%, bei Verletzung und Erpressung 7,6 zu 2,6%. Nur bei sexueller Gewalt waren Frauen häufiger Opfer, besonders von verwandten Tätern.

Jugendliche und Männer erleben öfter Gewalt

Jugendliche und Männer erleben öfter Gewalt durch Fremde als Frauen: 41% durch Fremde, 25% durch gute Bekannte und 14% durch flüchtige Bekannte.

Ich musste miterleben wie ein pädophiler Mann Jungen in Serie vernaschte. Er lockte sie mit Ausflügen im Ferrari, kaufte Eis, Cola,Chips und Fastfood und machte sich gezielt an alle Jungen ran, die wenig väterliche Zuwendung erfuhren.

Erschütternd war, als ich im Nachhinein erfuhr: Alle im Stadtteil wussten davon, auch alle Frauen! Der Täter war gesellschaftlich hochgestellt, „er gehörte dazu". Liebe Frauen ein bisschen Zivilcourage bitte!

Im Vergleich zu Jungen und Männern erleben Mädchen und Frauen, insbesondere zwischen 30 und 50 Jahren, zu 80% Gewalt durch Ex-Partner, Partner und Familienangehörige, Arbeitskollegen und Bekannte. Tatort war zu 70% die eigene Wohnung. Frauen wurden am meisten zuhause bedroht.

Konträr zu diesen Untersuchungsergebnissen haben Männer weniger Angst vor Gewalt als Frauen. Frauen, die real vor allem innerfamiliäre Gewalt erlebten, fürchteten sich zu Unrecht vor Gewalt im öffentlichen Raum.

Über Gewalt durch Fremde berichten die Opfer und die Medien. Über die Gewalt, die wir durch vertraute, oft sogar geliebte Menschen erfahren wird nicht berichtet. Die Opfer schämen sich. Sie haben den Täter hereingelassen, sind zu ihm gegangen, haben ihm fälschlich vertraut. Wir sind selber Schuld denken die Opfer.

In Wahrheit wurden die Opfer und alle Menschen, die sie hätten beschützen können, systematisch mit Komplimenten und Zuwendung verwöhnt, damit sie Vertrauen zum Täter fassen und er sie unverhofft mit seinen lange geplanten Übergriffen überraschen konnte.

"Statistisch gesehen völliger Blödsinn"

Unsere Vorstellungen hindern uns daran, die Realität wahrzunehmen. Ich kenne fast nur Frauen, die sich nachts nicht alleine auf die Straße wagen. Das ist statistisch gesehen völliger Blödsinn. Frauen sollten sich eher überlegen, wen sie in ihre Wohnung lassen, auch wenn sie die Person gut kennen und mögen.

Eine aktuelle Studie bestätigte 2014 die Daten von 2005. Frauen und Mädchen erleben quer durch alle sozialen Schichten, vor allem Gewalt in Beziehungen zu vertrauten Menschen.

Hier ein paar Zahlen zum Aufwachen für alle Eltern: Bange ermittelte aus mehreren deutschen Dunkelfelduntersuchungen und kam bei betroffenen Mädchen auf 16-29%, bei Jungen auf 4-22 % sexueller Übergriffe. Bei 23-25% der Mädchen und 20% der Jungen waren enge Verwandte die Täter.

Aus dem engen, vertrauten familiären Umfeld, stammten sie zu etwa 50% bei Mädchen und zu etwa 60% bei Jungen. Zusammengerechnet hieße das: Mädchen kannten zu etwa 75% und Jungen zu etwa 80% die Täter sehr gut. Die Eltern und betreuenden Pädagogen sahen die Täter auch täglich oder einmal in der Woche!

Nur für die fehlenden 20-25% sind Fremde zuständig! Diese Fremden erschrecken meistens als Exhibitionisten Kinder in der Nähe von Spielplätzen, aber sie erzwingen keinen traumatisierenden Körperkontakt. Sie verraten nicht ein bestehendes Vertrauensverhältnis.

Viele Kinder konnten ihren Eltern zeitnah von diesen exhibitionistischen Übergriffen erzählen, weil diese Täter keine engen Beziehung zu ihren Eltern hatten und bekamen Hilfe und viel Zuwendung nach dem Übergriff.

Wenn aber Mamas geliebter Papa der Täter ist, erzählt das Kind es Mama nicht. Es weiß es wird ihr furchtbar weh tun und das möchte das Kind nicht, weil es Mama liebt. Vielleicht hat es auch etwas Angst, ob Mama ihm glauben wird, weil Opa immer so nett ist. Das Kind liebt Opa ja auch!

Täter sind wenig auffällig, weder verrückt noch ekelhaft. Es sind eher Menschen, die unreif geblieben sind, mit jungenhaftem Charme, die manchmal ihr Gefühl von Unterlegenheit und ihren chronischen Frust durch Übergriffe kompensieren und allgemein wenig Verantwortung für ihr Tun übernehmen. Nur sehr wenige Täter sind Psychopathen, die meisten sind relativ unauffällige, aber schwache, unreife, süchtige Naturen.

Sie versuchen nicht ihre Probleme wie Unterlegenheitsgefühle, Einsamkeit, Arbeitslosigkeit oder Krankheit zu lösen, sondern überspielten ihr grundlegendes Lebensgefühl, ein armes Opfer der ungerechten Welt zu sein, mit Gewaltkicks, Kette-rauchen, Alkohol, Drogen, Internet-Sucht und Workaholic-Verhalten.

Fazit: Fürchtet Euch vor den netten, charakterschwachen!

Wir haben uns immer schon vor Unbekannten auf der Straße gefürchtet, aber die Menschen, die uns und unsere Töchter und uns übergriffig anfassen und vergewaltigen, kennen wir sehr gut. Wir sind regelmäßig mit ihnen zusammen, wir vertrauten ihnen unsere Kinder an, wir mögen sie! Jeder von uns kennt oder kannte einen Täter, dem er nie so etwas zugetraut hätte.

Bitte lassen Sie sich das einmal auf der Zunge zergehen, auch Sie kennen oder kannten einen Täterfreund, Täterkollegen, Täterpädagogen, Tätertrainer, Tätertherapeuten, Tätermusiklehrer, Täterpfarrer oder Täterpriester in ihrer nächsten Umgebung!

Die Täter sehen nicht aus wie Monster

Diese Täter sind besonders nett, hilfsbereit und charmant, damit kein Verdacht auf sie fällt. Sie sehen nicht aus wie Monster. Die österreichische Polizei ermittelte für das Jahr 2010, 151 Tötungsdelikte, 111 davon im familiären Umfeld. Die Opfer sind vor allem Kinder und Frauen.

Draußen passierte uns schon immer wenig, aber zuhause im Kontakt mit vertrauten Menschen konnte es auch früher schon „lebensgefährlich" sein! Wir lassen unsere Kinder nicht unbeobachtet draußen spielen und raubten ihnen damit wichtige Erfahrungen, um sie vermeintlich zu schützen, während der Musiklehrer, der Onkel oder der eigene Freund, geschätzt von uns allen, unserem Kind Gewalt antut.

Die andere Falle, in die wir tappen: wir denken, es passiert nur bei den anderen, in anderen Familien, in katholischen Internaten, in dem anderen Sportverein und natürlich nicht an unserer Schule, nicht in unserer Kita, nicht in unserem Freundeskreis und nicht in unserer Familie.

Wir denken „Gelegenheit macht Diebe", aber es wurde längst bewiesen, dass Täter ihre Übergriffe sorgfältig planen. Sie beobachteten ihre Opfer über längere Zeit, bevor sie sich ihnen nähern.

Mehr zum Thema: "Sie sind selbst schuld": So waren Frauen angezogen, als sie sexuell missbraucht wurden

Täter, die mehrere Videoclips mit Kindern sahen, wurden gefragt, welches Kind sie aussuchen würden. Alle wählten das gleiche Opfer, ein Kind, das auf dem Schulhof alleine stand, traurig guckte und unsicher wirkte. Übergriffe passierten noch nie aus sexueller Unbeherrschtheit, sie wurden akribisch geplant.

Die Täter setzten immer schon auf Sicherheit. Ihr Zugang zu den Opfern ist eine ungestillte Sehnsucht nach männlicher Zuwendung. Mich hat sehr erschrocken, dass Kinder von Müttern, die selber Missbrauch erlebt haben besonders gefährdet sind (siehe Dirk Bange).

Als biographischer Coach musste ich immer wieder erkennen, dass Mütter, die als Kinder Opfer waren, sich wenn ihre Kinder Übergriffe erlebten, große Sorgen um ihre Kinder machten, aber nicht in der Lage waren sich bewusst zu machen, was gerade vorging. Später im Rückblick waren die Mütter entsetzt, denn es hatte einige Verdachtsmomente gegeben. Wieso hatten sie es damals nicht kapiert!

Lasst euch helfen!

Fazit: Wenn ihr selber Opfer wart, nehmt Eure Sorgen ernst, besprecht sie nicht mit Euren Freundinnen, die kennen sich auch nicht aus, sondern geht sofort in eine kostenlose, professionelle Beratungsstelle und lasst Euch helfen!

Denkt nicht Eure Kinder könnten sich selber wehren gegen Tätermanipulation, oder sie würden Euch um Unterstützung bitten und Euch „böse Geheimnisse" erzählen. Sie tun es nur bei Übergriffen von Fremden. Bei 70-80% der sexuellen Gewalt, sind die Täter aber geliebte, nahe Menschen.

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Unter erwachsenen Vergewaltigungsopfern ist auch ein deutlich erhöhter Anteil an Frauen, die bereits in ihrer Kindheit sexuelle Gewalt erlitten haben. Ein befreundeter Psychologe, schämte sich, weil er sich von manchen Frauen immer so erotisiert fühlte.

Als ihm klar wurde, das es sich dabei immer um Frauen handelte, die in ihrer Kindheit Missbrauch erlebt hatten, nahm er sich eines Tages ein Herz und fragte eine Klientin, „entschuldigen Sie, können sie sich erklären, warum ich mich von Ihnen so erotisiert fühle?"

Nachdem die Frau ihren ersten Schock überwunden hatte und merkte, dass dies keine Einleitung für einen unprofessionellen Übergriff sein sollte, erwiderte sie, „mir geht es ständig mit allen Männern so, ich weiß auch nicht warum".

Opfer strahlen ungewollt zu viel Erotik aus

Die beiden kamen zu der Erkenntnis, dass die Frau offenbar, ohne jegliche Absicht, erotische Signale aussandte, auf die Männer entsprechend reagierten. Die Klientin hatte bisher angenommen, dass Männer einfach so sind und immer nur das eine wollen.

Durch konkretes Feedback des Psychologen wurde ihr bewusst, was an ihrem Verhalten so „aufreizend" wirkte, sie veränderte bewusst ihr Verhalten und machte ab sofort ganz andere Erfahrungen mit Männern .

Ich glaube, dass einerseits, durch die viel zu früh geweckte und überbetonte Sexualität, ehemalige Opfer ungewollt zu viel Erotik ausstrahlen und andererseits durch die frühen Grenzverletzungen schutzlos erscheinen. Damit sind sie leider immer wieder das perfekte Opfer.

Fazit: Frauen macht Euch klar, dass ihr extrem sexy seid und manche Männer damit nicht umgehen können. Wehrt Euch sofort, wenn Euch etwas nicht passt. Hört auf euren Bauch. Lasst einen Kerl nicht in Eure Wohnung wenn ihr ein mulmiges Gefühl habt. Er könnte sich an Euch und Euren Kindern vergreifen!

"Alte Scheunen brennen lichterloh!"

Wichtig ist es auch zu wissen, dass spätere Täter häufiger körperlicher Gewalt durch ihre alkoholisierten Väter viel Ablehnung von ihren Müttern, die häufig selber an einer posttraumatischen Belastungsstörung litten, erfahren haben.

Das hatte sie in ihrer schlechten Meinung des "mich kann man nur schlagen und beschimpfen, weil ich nichts kann, nichts tauge und nichts wert bin", die sie bereits über sich hatten, bestärkt. In der Schule wurden diese Kinder gemobbt und erlitten noch mehr Gewalt.

Fazit: Ihr Lebensmotiv war nie wieder Kontrollverlust zu erleiden und geile Macht zu erleben bei Übergriffen auf körperlich schwächere Opfer!

Einer meiner besten Freunde, der als Jugendlicher sehr viel subtile, verbale und handfeste Gewalt erlebte und schwer traumatisiert wurde, hatte sich vor vielen Jahren an seinen Töchtern regelmäßig vergriffen. Ich hätte es ihm nie zugetraut. ich mochte ihn so. Er war immer so lustig, er meditierte jeden Tag, er las spannende Bücher und wusste sehr viel.

Aus der Distanz konnte ich jetzt wahrnehmen, dass er einige "Tätermerkmale" zeigte: seinen Enkeln gegenüber wahrte er nicht die Erwachsenenrolle, er stritt mit ihnen wie ein Gleichaltriger, er gewann alle für sich mit seinem jungenhaften Charme und zeigte gleichzeitig eine jugendliche Unreife und Unbeherrschtheit.

Mit über sechzig verliebte er sich in die Jugendliebe seines Sohnes und meinte dazu: „Alte Scheunen brennen lichterloh." Seine Frau floh für eine Weile zu mir. Dieser Freund sagte zu ihr, dass er sich an keine Übergriffe auf seine Töchter erinnern konnte.

Ich hatte das absurde Gefühl, dass er nicht log. Gab es auch Tätertraumen mit Dissoziation während der Tat und totalem Gedächtnisverlust? Konnte er sich wirklich nicht erinnern, weil während der Tat auch bei ihm, wie bei den Opfern, die Verbindung zu den Bewusstseins- und Spracharealen im Gehirn blockiert wurden? Dieser Freund sagte sonst immer die Wahrheit!

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