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Mein Kind kommt in die Kita - wird es davon überfordert?

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CHILDREN PLAYING
Sally Anscombe via Getty Images
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Beim ersten Kind machen Eltern sich von jeher sehr viele Gedanken. Wenn dieses Kind obendrauf nicht nur das erste, sondern auch noch das einzige ist, empfinden Eltern ihr Kind oft als etwas, das sie am liebsten in Watte packen würden. Ganz besonders trifft das auf Eltern zu, die sehr lange auf den ersehnten Nachwuchs gewartet haben.

Allerdings sind Kinder keine Ausstellungsstücke, sondern lebendige Wesen, die den Kontakt zur Umwelt brauchen.

Ein klein wenig Elternangst ist durchaus normal

Natürlich haben Eltern Bedenken, wenn ihr Kind künftig von fremden Betreuern umsorgt wird. Die Erzieher in der KiTa sind für euch ja genauso fremd, wie für euer Kind. Trotzdem ist das Personal daran interessiert, dass sich euer Kind schnell und gut eingewöhnt. Noch wichtiger: Es ist auch darin geschult.

Deshalb solltet ihr euch an die Vorschläge „eurer" künftigen Erzieherin halten. Die Eingewöhnung läuft in jeder Einrichtung ein wenig anders ab, da es dafür verschiedene Konzepte gibt.

Ihr dürftet jedoch wissen, dass die Erzieherinnen die Eingewöhnungszeit nicht nach eigener Lust und Laune gestalten, sondern anerkannten Empfehlungen folgen. Wenn die Erzieherin euch bittet, euch vom Kind zu verabschieden, so tut das auch.

Zieht den Abschied nicht unnötig in die Länge. Das Kind spürt eure Angst und wird sich entsprechend verhalten. Wenn ihr nicht bereit seid, euch vom Kind abzunabeln, wird euer Kind das auch nicht tun. Für eine optimale Eingewöhnung ist es wichtig, dass ihr euch klar macht, dass euer Kind es gut haben wird, auch wenn ihr nicht daneben steht.

Nein, die Erzieher wollen euer Kind nicht tyrannisieren!

Entgegen aller Vorstellungen in euren Albträumen wollen Erzieher(innen) in der KiTa in der Regel, dass es den Kindern gut geht. Dafür nehmen sie einiges in Kauf. Gerade in der Eingewöhnungszeit wird sehr individuell auf euer Kind eingegangen.

Dass euer Kind in dieser Zeit nur wenige Stunden in der Einrichtung verbringen soll, ist der langfristigen und optimalen Eingewöhnung geschuldet. Manche Eltern haben dafür kein Verständnis, denn sie zahlen ja bereits den „normalen" Preis.

Aber der Besuch einer Kindertagesstätte ist kein „normales" Geschäft, sondern der Eintritt ins soziale Leben. Der kann gelingen, oder eben nicht.

Ein paar Regeln gibt es schon

Auch wenn Erzieher keine Tyrannen sind, so wird in einer KiTa natürlich erwartet, dass sich auch euer Kind den Regeln der Einrichtung unterordnet. Das gilt übrigens auch für die Eltern, die sich an die Hol- und Bringzeiten der Einrichtung halten müssen.

Doch die Regeln für das Kind entsprechen ungefähr dem, was man sich unter einem harmonischen Zusammenleben vorstellt. Beispielsweise keine anderen Kinder schlagen. Aber auch, dass etwa zu einer bestimmten Zeit gefrühstückt wird und dass man dazu am Tisch sitzt.

Es gibt auch Einrichtungen, die ein offenes Frühstück anbieten. Diese Regeln sind sehr individuell, je nach Konzept, nach Platzangebot etcetera. In manchen Einrichtungen wird nach dem Mittagessen geschlafen, in anderen nur geruht und wieder in anderen wird der Mittagsschlaf gar nicht angeboten.

Eine wichtige Regel ist, dass das Kind auf die Erzieherin hören sollte. Also ist es hilfreich, wenn Eltern ihren Kindern beibringen, dass es auch mal auf andere Erwachsene zu hören hat. Das hat nichts mit bedingungslosem Gehorsam zu tun.

Aber Kinder, die es von zu Hause gewohnt sind, zu hören, ohne jedes Mal Diskussionen zu führen, gewöhnen sich leichter ein. Es gehört nun mal zum Zusammenleben einer Gesellschaft, dass es einen Bestimmer gibt und in der Kita ist das die Erzieherin.

Mit den Erziehern an einem Strang ziehen

Inzwischen gibt es nicht nur in der Schule, sondern auch in Vorschuleinrichtungen regelmäßige Elterngespräche. Begreift diese Gespräche als Hilfe. Wenn die Erzieherin feststellt, dass euer Kind andere Kinder schlägt, so solltet ihr dies nicht auf die leichte Schulter nehmen, sondern mit der Erzieherin gemeinsam überlegen, wie ihr diesem Verhalten entgegenwirken könnt.

Es kann auch sein, dass die Erzieherin euch darauf aufmerksam macht, dass euer Kind noch nicht altersgemäß spricht, oder Schwierigkeiten in der Motorik hat. Das alles solltet ihr nicht als Angriff auf eure Person werten, sondern als Hilfsangebot begreifen, denn die Erzieherin hat möglicherweise Vorschläge, wie ihr gemeinsam dem Kind helfen könnt.

Arbeitet mit der Erzieherin zusammen. Im Vorschulalter können viele Defizite noch ausgeglichen werden. Wichtig ist es dabei, dass Hilfsangebote frühzeitig angenommen werden.

Die KiTa ist keine Genie-Schmiede

In einer KiTa wird keine zweisprachige Erziehung angeboten und Kindern auch nicht lesen und rechnen beigebracht. Während man noch vor dreißig Jahren das Interesse der Kinder am Lesen unterbunden hat, werden solche Fähigkeiten inzwischen toleriert, aber nicht aktiv gefördert.

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Eine KiTa ist eine Bildungseinrichtung, aber keine Schule. Im Vordergrund stehen die soziale Kompetenz und das spielerische Kennenlernen verschiedener Möglichkeiten wie Musik, Sport, oder auch Naturwissenschaften. Sprache hat einen hohen Stellenwert, was zunächst die eigene Muttersprache anbelangt, die verstanden werden soll.

Dazu dienen Gespräche, Bilderbuchbetrachtungen und das Erzählen von Geschichten. Lesen gehört nicht dazu. Englisch und Französisch ebenso wenig. Es gibt jedoch inzwischen Kindergärten, die eine zweisprachige Erziehung anbieten.

Das übergeordnete Bildungsziel einer KiTa ist die Schulreife, die die Kinder am Ende erlangt haben sollten.

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