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Auch Tiere im deutschen Tierheim leiden

12/08/2015 17:59 CEST | Aktualisiert 12/08/2016 11:12 CEST
Thinkstock

Mit großer Sorge beobachte ich die Vorgehensweise vieler Tierschutzvereine, die die Hunde nach Deutschland vermitteln bzw. holen. Nicht nur ein paar Hunde, nicht nur ab und zu, inzwischen ist es ein Massentransport.

Nicht immer ist klar, wie krank die Hunde tatsächlich sind. Vereine, die das Tier im Ausland, wie Ungarn und Rumänien, vor dem Transport einer Rundumuntersuchung unterziehen, sind rar. Nicht nur, dass die Gefahr, gefährliche Krankheiten nach Deutschland zu bringen, - wie u.a. Giardien, - damit erhöht ist, auch stehen die neuen Halter bald schon vor einer extremen Herausforderung, die fast unlösbar ist.

Warum kümmern sich so viele Vereine um Auslandstiere, wenn in Deutschland die Tierheime voll sind? Warum stellen sie sich als Retter dar, wenn die End-Rettung zumeist dem neuen Halter überlassen wird, der nicht einmal eine Versicherung für das gefährdete Tier abschließen kann?

Wie ist es möglich, dass Vereine, die sich diesem Ausland-Tierschutz widmen, wie Unkraut aus dem Boden sprießen? Was haben die Vereinsmitglieder persönlich davon? (Oder gar geschäftlich?)

Um Missverständnisse vorzubeugen!

Ich habe tiefes Mitgefühl, ja, mitunter auch Mit-LEID mit den Hunden, die im Ausland vor der Tötung in verdreckten Käfigen vor sich hin vegetieren. Ich bin ein durch und durch empathischer Mensch, dem es sogar sehr schwer fällt, sich vom Leiden anderer abzugrenzen, insbesondere wenn es um Tier-LEID geht.

Aber ich bin willens und fähig, meinen Verstand einzusetzen, wenn Energien so derart falsch eingesetzt werden, wie hier.

In unseren deutschen Tierheimen warten Hunde Jahre, mitunter ein Leben lang auf ein liebevolles Zuhause, wo sie im Kreis einer Familie aufgenommen werden, - gerade dann, wenn sie zu den Sorgenkindern gehören, die nicht rundum gesund sind.

Und aus dem Ausland holt man MASSIG Tiere, die ggf. gerade mal eine lapidare Impfung bekamen und die oft schwer oder sogar todkrank sind?

Da werden dann Spenden eingenommen, um jedes einzelne Tier zu retten, da wird auf FB ein regelrechtes Netzwerk aufgebaut, woran keiner mehr vorbei kommt, und nicht selten werden Tiere an neue Halter vermittelt, ohne, dass diese neuen Halter wissen, was in dem Hund für Krankheiten lauern.

Und unsere Sorgenkinder aus dem Tierheim warten Jahr für Jahr für Jahr...

... obwohl viele deutsche Tierheime sogar die Kosten für Heilbehandlungen bis ans Lebensende übernehmen, wenn die Hunde ein Zuhause finden (würden).

Und wenn man dann noch einen Blick hinter die Kulissen der Vereine wirft, dann kann man nur noch den Kopf schütteln. Mit einzelnen Ausnahmen mobbt einer den anderen, wenn der andere denn einem anderen Verein angehört und hinterfragt man das Tun der Vereine, entwickelt sich das rettende „Gesicht", was gewohnt ist, Applaus zu ernten, zum Zombie des Bösen.

Ja...

Und wenn man noch weiter seine Nase in das Tun der Vereine hinein steckt, steht man bald schon vor der Frage, ob es hier um eine gemeinnützige Arbeit oder gar um ein knallhartes Geschäft geht, denn nicht selten bringt jeder einzelne Hund, den man rettet, bares Geld ein. Nein, ich rede nicht von Spenden!

An das Verantwortungsbewusstsein der Vereine zu appellieren, macht hier wohl wenig Sinn. Zu stark ist bereits ihre Lobby, die sie sich nicht nehmen lassen wollen. Auch hier: >> Mit wenigen Ausnahmen.

Aber vielleicht denken ja mal jene nach, die sich einen Hund anschaffen möchten, und die bereit sind, gleichzeitig was Gutes zu tun.

Geht HIER in Deutschland in die Tierheime.

Die Schutzgebühr für einen Hund aus dem deutschen Tierheim ist oft geringer, als für einen Auslandshund. Aber ihr habt hier die Garantie, dass ALLE Krankheiten, so sie denn bestehen, bekannt sind, und dass das Tierheim bis ans Hunde-Lebensende hilft.

Ihr denkt vielleicht, den Hunden im deutschen Tierheim geht es gut. Vielleicht entscheidet ihr Euch deswegen für eine wirklich arme Seele, die unbedingt aus dem Ausland gerettet werden muss.

Ihr irrt Euch sehr.

Natürlich werden die Tiere hier ordnungsgemäß versorgt. Natürlich bekommen sie Futter, Wärme, Medikamente, und soweit wie möglich Fürsorge. Aber auch diese Hunde leiden oft unter Hospitalisierung, so, wie auch ein Mensch, der lange im Krankenhaus ist, darunter leiden würde.

Und auch hier in Deutschland werden Tiere irgendwann, wenn sie nicht vermittelbar sind, eingeschläfert. Nur würde man hier niemals von Tötungsstationen reden, weil deutsche Tierheime souverän vermitteln und nicht manipulativ mit Schlag- und Reizwörtern.

Es gibt inzwischen einige stille Helfer, die sich um die Nachsorge der Auslandshunde kümmern. Diese werden dann aktiv, wenn ein Hund bereits nach Deutschland vermittelt wurde, und wenn der neue Hundehalter mit den Arztkosten überfordert ist. Flohmärkte entstehen, um diese Kosten aufbringen zu können.

Doch es ist ein Fass ohne Boden.

Vereine propagieren, dass sie Tiere vom Leiden befreien. Auf Grund der Masse aber werden die meisten Tiere nicht vom Leid befreit. Das Leid wird nur nach Deutschland verschoben, denn die Tiere nehmen ihre Krankheiten mit. Krankheiten, die beim neuen Hundehalter nicht selten den finanziellen Ruin bedeuten.

Wenn man beginnt, sich um die unzähligen Tiere in deutschen Tierheimen zu kümmern, so wie sich einige um die Nachsorge der Auslandshunde bemühen, können wir aufatmen. Und dann, ja, dann wäre auch ich dafür, dass alle freien Kapazitäten ins Ausland fließen. Aber ERST dann.

Und...

Wenn dieser Artikel nur einen einzigen Menschen dazu bringt, sein Tier aus dem deutschen Tierheim zu holen, anstatt aus dem Ausland zu adoptieren, dann hat es sich gelohnt, ihn geschrieben zu haben.


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