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Drei Gründe, warum ich mein Kind nicht im Internet zeige

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gpointstudio via Getty Images
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Bereits wenige Stunden nach dem Frauenarztbesuch erscheint das erste Foto von Emma auf Facebook. "Es wird ein Mädchen", schreibt die glückliche Mama unter das Ultraschallbild. 126 Freunden gefällt das. Emma selbst bekommt davon nichts mit, sie ist noch nicht einmal auf der Welt.

In den kommenden Monaten folgen weitere Bilder. Vom Warten im Kreißsaal. Dem ersten Schnappschuss mit zerknautschtem Gesicht nach der Geburt. Auch Fotos zusammen mit Oma und Opa werden hochgeladen. Bilder vom Wickeltisch und aus der Badewanne.

Vom ersten Tag an wird Emmas Leben öffentlich an der digitalen Pinnwand der Eltern präsentiert.

"Emma" existiert nicht wirklich. Sie ist nur ein Beispiel, um den meiner Meinung nach oft leichtsinnigen Umgang mit der Privatsphäre unserer Kinder zu verdeutlichen.

Schnappschüsse von den eigenen Kindern sind die schönsten Bilder. Mein eigenes Handy ist voll davon. Aber muss ich diese Fotos gleich mit der ganzen Welt teilen? Nein.

Als unsere Tochter zur Welt kam, haben mein Mann und ich uns ganz bewusst dazu entschieden, das Gesicht unserer Tochter zu schützen.

Nicht nur auf meinem Blog, sondern auch auf unseren privaten Facebook-Accounts hat bis heute noch niemand ihr Gesicht zu sehen bekommen. Kinderfotos mögen süß sein, doch sie haben meiner Meinung nach nichts auf Social Media Plattformen verloren.

Viele Eltern sind da deutlich entspannter und stellen das Leben ihres Nachwuchses ungehemmt im Netz zur Schau. Diese Entscheidung liegt natürlich jedem frei. Ich selbst folge mit Freude vielen Müttern, die ganz öffentlich Bilder von ihren Kindern online stellen.

Hier sind drei Gründe warum wir uns allerdings dagegen entschieden haben:

1. Von wegen "privat"!

Ich habe knapp 600 "Freunde" auf Facebook. Bei vielen kann man von einer echten Freundschaft jedoch gar nicht sprechen. Es sind teilweise Schulfreunde aus alten Zeiten, die ich seit locker neun Jahren nicht mehr gesehen habe. Oder nette Menschen, die ich irgendwo auf Reisen kennengelernt habe. Arbeitskollegen. Freunde von Freunden, mit denen man vielleicht irgendwann einmal einen lustigen Abend an der Bar verbracht hat.

"Freundschaftsanfrage bestätigen" - ja, ok. Aber müssen diese Leute gleich täglich miterleben, wie meine Tochter aufwächst? Geht diese Bekanntschaften das erste Ultraschallbild meiner Tochter wirklich etwas an? Ich finde nicht und teile solche besonderen Fotos lieber mit einem auserwählten Kreis von Familie und Freunden.

2. Bilder können geklaut werden!

Nennt mich paranoid, aber da draußen gibt es nicht nur Gutmenschen. Instagram & Co. können auch Plattformen für Leute mit bösen Absichten sein. Pädophil veranlagte Menschen beispielsweise, die sich möglicherweise hinter Fake-Profilen verstecken und die Bilder meines Kindes für ihre Zwecke nutzen.

Das niedliche Foto vom Badeurlaub kann so ganz schnell per Screenshot ungewollt in die falschen Hände gelangen. Selbst die Hagener Polizei hat vor einigen Monaten mit diesem Posting auf die Gefahren von Kinderfotos im Netz aufmerksam gemacht.

Ich will nicht sagen, dass es tatsächlich so sein muss, aber allein der Gedanke daran bringt mich dazu, vorsichtig mit der Privatsphäre meiner Tochter umzugehen.

3. Das Internet vergisst nicht

Liegt es also wirklich im Interesse meines Kindes eine Vielzahl möglicher Peinlichkeiten öffentlich zu posten? Fotos, die ich heute niedlich finde, können selbst viele Jahre später ein potenzieller Auslöser für Lästerattacken werden. Wir alle wissen, wie gemein Kinder manchmal sein können. Ich als Mama möchte dafür nicht verantwortlich sein.

Vielleicht will meine Tochter später auch einfach nicht, dass ihre komplette Kindheit im Netz zu sehen ist. Und wer jetzt argumentiert, dass man Fotos auch jederzeit wieder von Internetplattformen löschen könne, vergisst, dass das Internet eben nichts vergisst.

Natürlich sind ihre Schnappschüsse wunderschön. Aber ich persönlich muss mir das nicht mit hunderten Likes auf Facebook bestätigen lassen.

Es gibt andere Möglichkeiten, eure Erfahrungen zu teilen!

Ein Familienblog ganz ohne Familienfotos? Das funktioniert irgendwie auch nicht. Aber es gibt Wege seine Texte zu bebildern ohne dabei gleich alles preiszugeben.

Viele Mamablogger, inklusive mir, posten Kinderfotos ohne Gesichter. Da sieht man dann statt dem süßen Lächeln eben mal Detailaufnahmen einer Kinderhand, laufende Patschefüßchen oder einen Kinderrücken. Und es klappt: Auch gesichtslose Schnappschüsse können wirklich prima aussehen. Man braucht eben nur etwas Kreativität.

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Die Autorin betreibt den Blog Inka Verliebt.

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Digitale Kindheit: In welchem Alter sollten Kinder Smartphones haben? Wie wichtig ist es, früh zu lernen, wie Computer funktionieren? Und: Sind Computerspiele nun schädlich - oder gar nützlich? Diese Fragen machen viele Eltern hilflos.

Das will die HuffPost ändern. Wir haben Experten aus allen relevanten Bereichen gesprochen. In Interviews, Analysen und Blogs werden wir das Thema in der aktuellen Themenwoche behandeln.

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