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Grenzen verschwimmen

28/05/2017 18:11 CEST | Aktualisiert 28/05/2017 18:11 CEST
coldsnowstorm via Getty Images

Oft höre ich von älteren Menschen die Klage, dass früher jeder seinen Kompetenzbereich hatte - sie nennen es Herrschaftsbereich - und so jeder wusste, was wann wo und wie zu tun war, doch heute alles auf schlimme Weise verschwimme, die Grenzen, nicht politisch versteht sich.

So bemerke ich den sich über die letzten Jahrzehnte erstreckenden, für manche erschreckenden Prozess, dass alle Grenzen sukzessive verschwimmen und sich auflösen, und sich alles mischt.

Dies zieht sich quer über den Erdball durch alle Regionen, Ethnien und Schichten, man denke erst gar nicht an Sedimentschichten - das Ineinanderübergehen und Vermischen der Sedimentschichten sei jetzt mal dahingestellt, und zwar genau da hin gestellt und nicht dort hin - und ist aus meiner Sicht und meiner Schicht betrachtet ein Prozess, der nicht erst in den letzten Jahrzehnten begonnenen Globalisierung, die ja nur „Kolonialisierung Next-Level" ist, nur eben mit anderen Mitteln.

Alles mischt sich, alles tauscht sich aus, und man kann dies begrüßen oder auch nicht, eine globale Tatsache ist es dennoch. Die einen können's kaum erwarten, streben nach Vereinigung, arbeiten fest daran, dass diese Wirklichkeit wird, und die anderen setzen alles dran, dass dies nicht Gestalt annimmt, und notfalls mit Gewalt, sehen ihre Normen, Werte und Bräuche in Auflösung begriffen, ihre Identität verloren gehen im Zuge der Globalisierung.

Doch angenommen die Dinge nehmen weiter so ihren Lauf, alles mischt sich, dann haben wir, etwas weiter gedacht, irgendwann den Durchschnittsmenschen, das perfekte Mittel von allem, kulturell homogenisiert durch das Regime von Konzernen.

Dann haben wir einen Menschen, der keine Stimme hat, oder nur ohne Aussage, einen Menschen, der kein Geschlecht mehr hat, sondern androgyn ist, oder sich zumindest so versteht und so auftritt, der braun ist - nicht politisch, aber epidermisch - ohne sich selbst darauf zu beziehen, warum auch, ist es ja das einzig verbliebene Hautcoleur als Grundlage für Tattoos & Co, über welche dann scheinbar die Individualität verkörpert wird.

Doch wo bleibt die Vielfalt, und gerade im Denken? Denn mit dieser Vereinigung geht Vereinheitlichung und Konzentration der Konzernmacht Hand in Hand.

So verbleibt dann nur mehr der Durchschnittsmensch, der alles kann und gleichzeitig nichts, der sich als Experte von allem versteht, und in jeden noch bestehenden Kompetenzbereich eindringt, um ihn abzuschaffen, der keine Grenzen kennt, und irgendwann in der systemischen Ausdehnung mit dem Kosmos sich so weit entgrenzt und dissoziiert, dass er schließlich verpufft, was dann spontan und schlagartig erfolgt und nicht mehr schleichend, der sich also von diesem Planeten ratzfatz schleicht.

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