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Ein Plädoyer für mehr Selbsterkenntnis

21/04/2015 15:40 CEST | Aktualisiert 21/06/2015 11:12 CEST
Thinkstock

Es gibt Menschen, die in ihrer schier grenzenlosen Reife und Selbstverantwortung doch allen Ernstes glauben, dass das, was ihnen so widerfährt, bloß Zufall sei, es mit ihnen rein gar nichts zu tun habe. Gut, sie glauben, der Zufall würde ihr Leben regieren, sei also verantwortlich für ihr Leben und in ihrem Leben und das, was ihnen geschieht, passiere auch anderen.

Dass es auch unbekannten anderen geschehe, ist jedoch eine reine Annahme, die dazu dient, sich selbst weiter in Verantwortungslosigkeit fürs eigene Leben zu belassen, sich vor Selbstverantwortung zu drücken. Und das Beispiel der Bekannten, denen das, was ihnen geschieht, scheinbar auch zufällig geschieht, spricht dafür, dass es sich nicht um Zufall handeln kann, sondern wohl eher um ein Muster.

Das Muster der fehlenden Selbstreflexion

Das Muster, das alle, die sich nicht mit Selbstreflexion befassen, miteinander teilen, ohne es zu kennen, ob sie nun ein Musterleben führen oder nicht, ist: sie leben im Muster. Sie leben das Muster, sich mit allem anderen, nur nicht mit sich selbst zu beschäftigen.

In der Welt, die sie betrachten, mit der sie sich beschäftigen, sind sie gewillt, Muster zu sehen, die Existenz von Mustern anzunehmen - man denke an die Naturgesetze, Marktgesetze etc. - nicht jedoch bei sich, wenn es um sie geht, wenn es darum ginge, sich selbst zu betrachten, sich mit sich selbst zu beschäftigen.

Dann sind in ihren Augen die Muster plötzlich Zufall. Sie gleichen jenen, die, um ihren Wagen zu reparieren, anstelle unter seine Motorhaube zu blicken, glauben, bessere Straßen zu bauen allein würde genügen, damit der Wagen wieder rollt.

Bleibt also nur noch die Frage: Warum brockt ihnen der 'Herr Zufall' das, was ihnen stets geschieht, in kleinen Variationen, in leicht abgewandelter Form, immer wieder von Neuem ein?

Es wird wohl daran liegen, dass sie die Muster nicht sehen, die Muster nicht lesen können, in denen sie ihr Leben leben. Sie sind musterblind, sie sind Musteranalphabeten. So ist das, was sie ihr Leben nennen, ein Bündel großteils selbstgeschaffener Muster und einiger Muster, in die sie zwar hineingeboren sind, für die sie jedoch ebenfalls selbst verantwortlich sind, weil sie sie negieren, daher nicht sehen, nicht lesen können, keinen Sinn für sie entwickeln.

Selbsterkenntnis um jeden Preis vermeiden

Sie sind zu dicht an ihren Mustern dran, um sie auch nur sehen, erkennen zu können. Und wenn man sie darauf hinweist, sagen sie: 'Nein, nein, das darf nicht sein', wissend, wenn sie sich auf diese Überlegung auch nur einen Moment einließen, ihr etwas experimentell und unvoreingenommen nachgingen, würden sie Schritte hin zur Selbsterkenntnis setzen, damit sich selbst gefährlich nahe kommen und anfangen, Selbstverantwortung zu leben, selbstgesteuert ihr Leben zu leben. Doch da stehen sie noch nicht, das können sie nicht ausstehen, sich mit sich selbst zu befassen.

Ich für meinen Teil habe die Erfahrung gemacht, dass nur der, der sich über Selbstreflexion und Selbsterkenntnis mit sich selbst befasst, auf sich selbst achtet, sich selbst beachtet, sich mit sich selbst beschäftigt, an sich selbst arbeitet, die Metaebene einnimmt, eine Position auf ihrer Aussichtsplattform, um den nötigen Abstand zu seinen Mustern zu gewinnen, um die Muster sehen zu können und nicht länger mit ihnen verwoben zu sein.

Es geht darum, die Muster nicht nur zu sehen und zu lesen, sondern sie zu dekodieren und damit zu dekonstruieren, zu destruieren und letztlich aufzulösen, und was mich angeht, Auswege aufzuzeigen.


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