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Die vielen Hasen sind des Trumps Tod

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DONALD TRUMP
Carlos Barria / Reuters
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Ich finde es lustig, doch eigentlich schauerlich schön zu beobachten, dass die deutschen Medien über viele Monate nun ihre Aufgabe kritisch zu sein, ausgewogene Berichterstattung zu leisten darauf zu reduzieren scheinen, aus allen Gesellschaftsbereichen eben nur die zu Wort kommen zu lassen, nur die in Diskussionsrunden einzuladen, die kein gutes Haar an Präsident Donald Trump lassen, ihn zum psychologischen Fall machen und rauf und runter psychotherapieren, und wenn's ganz hoch kommt, laden sie auch die ein, lassen sie auch die zu Wort kommen, die Donald Trump gegenüber neutral eingestellt sind.

Doch - im Sinne der Unabhängigkeit der Medien - wo bitteschön und in welchen Runden werden die eingeladen und zu Wort kommen gelassen, wo im Blätterwald der ausgewogenen Berichterstattung die abgedruckt, die Trump Sympathisanten sind?

Diese Position wird höchstens kurz als Online-Kommentar eingespielt, pro forma, weswegen es ganz danach wirkt, als wenn es den Programmdirektoren, Chefredakteuren und sonstigen Entscheidern in der deutschsprachigen Medienwelt allein beim Anblick des Präsidenten Donald Trump schon übel hochkommt und sie nun alles dafür tun nicht darüber hinwegzukommen, dass nach ihrem überaus geschätzten, den Charakter ihrer schönen neuen Welt so schön verkörpernden, Medienliebling Barack Obama, ihr Kandidat, oder sollte ich sagen ihre Kandidatin fürs Präsidentenamt an jenem schicksalsreichen Tag im November 2016 es nicht geschafft hat zum erneuten Male ins Weiße Haus einzuziehen, und dieses über weite Teile der deutschsprachigen Medienwelt homogene Trump-Bashing damit rechtfertigen, dass sie geängstigt sind von den Aussagen und Handlungen des Präsidenten Donald Trump.

Doch bei all ihrem fortwährenden öffentlichen und intensiven Psychologisieren und Psychotherapieren der Person Donald Trump legen sie damit wohl eher offen, dass sie in ihrer überbordenden Angst ihres chronisch ängstlichen Gemüts selbst wohl eher die Psychotherapie nötig hätten, die sie dem US-Präsidenten Donald Trump nahelegen und geradezu verbal aufzudrängen suchen, der ironischerweise allem Anschein nach ganz und gar kein Angstpatient ist.

Es liegt also bei genauerer Beobachtung für den Vorwurf der Kritiker an dem erratischen Verhalten, der Unberechenbarkeit und Unkontrollierbarkeit Trumps, weit weniger eine tatsächliche Grundlage vor, als vielmehr eine Unvereinbarkeit. Oder sollte ich mit Thomas S. Kuhns Inkommensurabilität von einem Paradigmenwechsel sprechen und in diesem Fall von der damit verbundenen Störung und dem Rückbau einer von der Mehrheit der Medienwelt über die letzten Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte, propagierten schönen neuen Weltordnung? Es ist also mit Trump ein sozioökonomischer Paradigmenwechsel eingeleitet worden.

So wird der Katzenjammer derer in den Medien, die ihre Ängste pflegen, wohl noch einige Zeit anhalten, schlimmstenfalls bis zum nächsten US-Präsidenten, der, wie ich ihnen und ihren Ängsten nur wünschen kann, wieder ihr Liebling ist und zu ihrer Ideologie und kollektiv geteilten Neurose passt, damit die eindeutig einhellig negative Unisono-Beschallung durch die Medienstationen, die in ihrem Charakter der offensichtlichen Lastigkeit schon an Propagandastationen grenzen, endlich ein Ende hat.

Man kann nun ideologiekritisch und politisch zu Donald Trump stehen, wie man will, doch eines bleibt bestehen: Die sogenannten Experten, die bis hin zu Psychotherapeuten in die medialen Diskussionsrunden geladen werden, um alle ins gleiche Trump-Bashing-Horn zu blasen, haben bis auf ihre aufrichtige Ablehnung Donald Trump gegenüber nichts zu bieten, nichts gezeigt, keine Vorschläge und Lösungen eingebracht, außer als Gewinner der Globalisierung, die diese Medienleute und Experten selber darstellen, so vielen Amerikanern und Sympathisanten Trumps überzeugend, in zuckersüßen, politisch korrekten euphemistischen Worten und zu Worthülsen gebildeten Sätzen, mit ihrem gleich bleibenden zynisch anmutenden medialen Subtext wie folgt zu vermitteln: Sofern ihr in einer Branche arbeitet, deren Arbeitsplätze ins billigere Ausland abwandern oder schon abgewandert sind, und ihr daher kein Einkommen mehr habt, wisst ihr nun, wie ihr euch zu verhalten habt! Findet euch gefälligst mit eurer Armut ab, die ihr dem Ausverkauf des Westens - einer der Auswüchse der Globalisierung - zu verdanken habt!

Und dieser zynische Subtext, verbunden mit überbordendem Trump-Bashing, der als Volkstribun gegen eine korrupte Globalisierungselite angetreten ist und bis dato für die Mehrheit seiner Anhänger überzeugend gegen deren Ausbeutung zu Felde zieht, gegen eine korrupte Globalisierungskaste, die nur mehr oder besser noch immer bloß für den Selbsterhalt arbeitet, kommt gerade von jenen, die Diskussionsrunden und Blätter füllenden, Globalisierungsgewinnlern, die interessanterweise sonst gerne und lautstark bei jeder Gelegenheit anderen Zynismus vorwerfen.

Dr. Dr. Immanuel Fruhmann

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