BLOG

Die Gewinner-Kultur

04/03/2016 19:15 CET | Aktualisiert 05/03/2017 11:12 CET
Guillermo Perales Gonzale via Getty Images

Insbesondere Amerika ist keine gewinnende, wohl aber eine Gewinner-Kultur. Alles ist auf Gewinn und Gewinner ausgerichtet und Gewinner produzieren nun mal Verlierer.

Das liegt in der Natur der Sache, wie jedem vernunftbegabten Wesen einsichtig sein müsste. Und obwohl Gewinner und Verlierer einander bedingen, brauchen Gewinner Verlierer vielmehr, als Verlierer Gewinner. Denn Verlierer pflastern den Weg der Gewinner, und ohne Verlierer würden Gewinner nicht vorankommen, hätten niemanden, mit denen sie ihren Weg pflastern könnten, ja mehr noch, ohne Verlierer gäbe es genau genommen keine Gewinner.

Als Ausdruck eines in den USA äußerst bedauerlichen Sozialsystems, das sich gegenüber einem in der amerikanischen Kultur eingefleischten und tief verwurzelten gelebten und hoch gehaltenen Sozialdarwinismus nicht durchzusetzen vermochte und bis heute nicht vermag, kann nicht nur die übergroße Betonung des Sports, der nur zwischen Gewinnern und Verlierern zu unterscheiden vermag, sondern auch die panische Angst zu den Verlierern zu zählen und nicht zu den Gewinnern, gesehen werden, weshalb insbesondere US-Eltern ihre Kinder schon früh darauf trimmen Gewinner zu sein, zu gewinnen um jeden Preis.

Wenn nun aus Gründen der kulturellen Weiterentwicklung, die ja auch vor Amerika nicht dauerhaft haltmachen kann, die Mehrheit oder eine symbolträchtige Minderheit der US-Eltern nicht mehr Gewinner, sondern einfach nur Kinder haben wollte, würden die wenigen zurückbleibenden Gewinner plötzlich niemanden mehr haben, mit denen sie ihren Weg pflastern könnten und begännen aufgrund des fehlenden Gegenübers, des wegfallenden Widerstands ins Leere zu treten, zu stolpern und den Halt zu verlieren. So würden die Gewinner plötzlich zu Verlierern.

Dr. Dr. Immanuel Fruhmann

Auch auf HuffPost:

Lesenswert:

Sponsored by Trentino