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Der Wolf heult und die Herde rückt zitternd zusammen

30/04/2015 08:06 CEST | Aktualisiert 30/06/2015 11:12 CEST
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Es zählt zu einem perfiden und oft vollführten Schachzug von Regierungen gerade rechtzeitig kurz vor Wahlen, diffuse Terrorwarnungen auszusprechen, den Terrorlevel anzuheben, um mit gezieltem Nachdruck die Regierungsinteressen durchzusetzen, die Menschen bewusst in Angst zu versetzen und sich bei den anstehenden Wahlen deren Stimmen zu sichern.

Viel öfter als linke Regierungen wenden insbesondere rechte und konservative Regierungen diese Strategie des politischen Angstschürens (fear mongering) an, da sie der Angst und der militärischen Gewalt traditionell näher sind, und auch neben der Wirtschaft das Militär als wichtige Stütze des Staates sehen.

Solange in den kritischen Medien Ideologiekritik nicht ausreichend zu Wort kommt, um diese immer wiederkehrenden gezielt eingesetzten politischen Mechanismen von Verschleierungs- bzw. Ablenkungsideologien (Kurt Lenk) aufzudecken, werden auch weiterhin die WählerInnen, wenn sie im entscheidenden Moment den Wolf heulen hören, von dem sie nicht wissen, dass er bloß im Auftrag ihrer eigenen Regierung heult und sie bedroht, in dieser bewusst provozierten Gefahrensituation als Herde brav zusammenrücken und bei den Wahlen ihre wehrhafte Regierung weiter im Amt belassen oder sie ins Amt heben und hoffen, dass ihre Regierung sie vor dem Wolf schützt.

Wenn nun die Gefahr nicht von terroristischer oder militärischer, sondern von wirtschaftlicher Seite kommt, ist eine ähnliche WählerInnenpräferenz zu beobachten. Befindet sich das jeweilige Land in einer wirtschaftlich schwierigen Lage, wählen die besorgt-verängstigten WählerInnen bevorzugt die größte konservative Partei, wegen ihrer von den WählerInnen zugeschriebenen Wirtschaftkompetenz, in die Regierung.

Wenn der Wolf heult, rückt die Herde schnell zusammen. Diesen Mechanismus, diesen WählerInnenreflex, kennen Regierungen sehr gut und machen sich ihn zu nutze. So habe ich die Sorge, dass in den kommenden Tagen, also bis zum 7. Mai 2015, an dem die Parlamentswahlen in Großbritannien ins Haus stehen, das oben beschriebene Szenario zum Einsatz kommen könnte. Denn die Chancen für die Konservativen aus den Wahlen gegen Labour siegreich hervorzugehen stehen laut letzten Umfragewerten schlecht. Die Labour Party liegt mit 2% vor den Konservativen, wenn man den letzten Umfrageergebnissen Glauben schenkt.

Wen würde es also wundern, wenn die konservativen Tories nun diesen oben beschriebenen politischen Schachzug anwendeten und die Ängste der Menschen manipulativ verstärkten, die bei Gefahr stets den Konservativen die größere Sicherheits- und Militärkompetenz zutrauen und ihnen als WählerInnen in dieser Ausnahmesituation ängstlich in Scharen zuliefen. Hier gilt es auch das WählerInnenpotential der verunsicherten und durch ein Bedrohungsszenario wiederaktivierten NichtwählerInnen, das der WechselwählerInnen sowie jener alarmierten WählerInnen, die sonst in Friedenszeiten andere Parteien wählen würden, jedoch nun im Ausnahmezustand im sicheren Hafen der Tories Zuflucht suchen, nicht zu unterschätzen.

Diese Strategie wurde erst vor kurzem angewandt und hat wie am Schnürchen geklappt, als ein paar Tage vor dem Wahltag am 18. September 2014 über das Referendum zur Unabhängigkeit und somit zur Abspaltung Schottlands von Großbritannien - oh Wunder - die Terrorstufe des terroristischen Bedrohungspotentials für Großbritannien und damit auch für Schottland rechtzeitig und zeitgerecht durch Number 10 Downing Street angehoben wurde.

Die Rechnung ging für die regierende konservative Partei auf und die vor der Terrorwarnung existierende Mehrheit für eine Abspaltung Schottlands von Großbritannien ging noch kurz vor dem Wahltag verloren und Schottland verblieb somit in der Union mit England, Wales und Nordirland.

So bleibt nur zu hoffen, dass, weil viele internationale Beobachter davon wissen, diesmal die Parlamentswahlen in Großbritannien am 7. Mai 2015 nicht wieder durch eine rechtzeitig platzierte Terrorwarnung und eine Anhebung der Terrorstufe für Großbritannien in den Tagen vor dem Wahltag, lanciert von Nummer 10 Downing Street, überschattet werden, oder es gar zu einem schlimmeren Szenario, inszeniert durch den MI5, kommt, um zeitgerecht für den 7. Mai 2015 die nötigen zusätzlichen WählerInnen für die Tories zu mobilisieren und diese nur dadurch den Wahlsieg davontragen.

Dr. Dr. Immanuel Fruhmann


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