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Der Schock geht durch die Menge

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Viele Menschen sind dann immer ganz enttäuscht, fallen aus allen Wolken, sind zum Teil sogar empört - es geht dann regelrecht zu wie im Taubenschlag - wenn sie bemerken, dass eines ihrer Idole, ihrer Ikonen, ihrer Stars, die sie einst auf das Podest gestellt und damit verübermenschlicht zu Helden gemacht haben, sich als Schauspieler, Model, Sportler, sonstiger großer Geist oder einfach nur als Star mit irgendwelchen fragwürdigen oder sogar äußerst zweifelhaften Äußerungen oder Urteilen in der Öffentlichkeit hervortut.

Das finde ich dann immer wieder lustig... nicht die äußerst entbehrlichen Äußerungen dieser Stars und angeblich großen Geister, sondern die Reaktion ihrer Fans und der Öffentlichkeit auf deren Äußerungen.

Denn die Öffentlichkeit, also die Menschen, vergessen nur allzu schnell, allzu leicht und allzu gern - sofern sie überhaupt jemals daran gedacht haben oder daran denken - dass sie diese Menschen nicht zu Stars erkoren, überstilisiert, idolisiert, stets idealisiert gesehen haben wegen des differenzierten Intellekts oder entwickelten Innenlebens dieser Stars, sondern weil diese schnell, schön, groß, durchtrainiert, gut gebaut sind oder in den Augen ihrer Fans und der Öffentlichkeit andere attraktive Attribute verkörpern. Diese Stars sind eben in erster Linie entwickelte Körper und nicht für ihren Intellekt bekannt oder berühmt geworden.

Oft konnten jene Stars nicht mal ihren Intellekt entwickeln oder ihren Persönlichkeitsbildungsprozess abschließen, weil die Öffentlichkeit düster nach neuem frischen Fleisch dürstete, und daher jene Stars bereits als Kinder oder Teenager von ihren geld- und geltungssüchtigen Eltern in der Manege, dem Medienzirkus, allen im übertragenen Sinne zum Schmause vorgeworfen wurden, natürlich über Sendestationen in alle Welt übertragen.

Die Empörung der Öffentlichkeit über die fragwürdigen bis zweifelhaften Äußerungen vieler Stars, die sie aufgrund ihres noch zweifelhafteren Intellekts und ihrer defizitären Persönlichkeit an die Öffentlichkeit, in der sie fortdauernd stehen, dringen lassen, käme dem gleich, wie wenn die Menschen, also die Öffentlichkeit schockiert, verstört, empört darüber wäre, wenn sie erführe, dass die Mehrzahl der PhilosophInnen unter ihren Hemden keine Sixpacks haben, und zwar wohl nicht in erster Linie deshalb, weil es ihnen missfiele einen Sixpack zu haben, sondern weil sie die Lebenszeit, die es bedürfte einen Sixpack zu bekommen und ihn sich zu erhalten, anstatt in ihren Körper zu investieren, dafür verwenden ihren Geist, ihren Intellekt, zu trainieren, um Gesellschaftskritisches zu gesellschaftsrelevanten Themen zu äußern, zu schreiben, und damit der Gesellschaft und allen, die in ihr wichtig sind oder sich wichtig tun - was nun Ansichtssache ist - einen Spiegel vorhalten zu können, nicht nur zur Reflexion, wie sie es gewohnt sind, sondern auch zur Selbstreflexion.

Dr. Dr. Immanuel Fruhmann

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