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Angry Young Men - Wollen wir wirklich über den Jordan gehen?

21/01/2016 15:11 CET | Aktualisiert 21/01/2017 11:12 CET
Christian Offenberg via Getty Images

'Wir leben in einer großen Zeit' hieß es noch kurz vor Ausbruch des 1. Weltkriegs, und ich habe den Eindruck, dass wir wieder in einer 'großen Zeit' leben...

Nicht nur der biblische Dornbusch brannte und leitete eine neue Zeit ein, sondern wohin immer heute das Auge fällt in der Welt, da brennt es, kaum ein Land in dem die Lunte nicht entflammt, in dem es nicht brodelt, nicht die Gemüter am Überkochen sind.

Und ich frage mich, 'Is Israel real?'. Ja, Israel ist real und zwar für uns alle, mitsamt seiner gefährdeten Sicherheitslage. Wir haben den Nahost-Konflikt nun weltweit.

In der westlichen Welt ging dem militanten Dschihadismus und den Hasspredigern als Nährboden eine über Jahrzehnte missglückte Nahost-Politik voraus und den Attentaten mit islamistischem Hintergrund eine über Jahrzehnte missglückte Integrationspolitik mit Negierung, Benachteiligung und Abschiebung vieler Migranten in Vorstädte und für die staatliche Ordnungsmacht unbetretbare Distrikte mit Parallelgesellschaften, deren einzige Perspektive die Perspektivlosigkeit ist, an der Gesamtgesellschaft teilzunehmen, ergo die Aussicht auf weitere Aussichtslosigkeit, ohne wirkliche Chance einer Möglichkeit der Verbesserung ihrer Situation am Arbeitsmarkt und der Teilhabe am gemeinsamen gesellschaftlichen Leben aller im Staat.

Das Resultat ist: Die Radikalisierung und Rekrutierung gewaltbereiter Angry Young Men, zu denen sich seit kurzem auch die Angry Young Women gesellen, die sich mit der Legion der landlosen Palästinenser, Israels Bürger zweiter Klasse, identifizieren und solidarisieren.

Solidarisieren können sie sich aufgrund des gemeinsamen Glaubens, identifizieren wegen einer ähnlichen benachteiligten und diskriminierten Situation in ihren Aufenthaltsländern - die ihnen trotz erworbener Staatsbürgerschaft nicht zur Heimat geworden sind und sich daher als diskriminierte Fremde im eigenen (Gast)Land erleben. So haben sie über die Zeit hinweg als Kinder ihrer Eltern, die am Beginn des Tages als Gastarbeiter geholt wurden, nach fleißigem Tagwerk nun den Status unerwünscht gewordener Gäste am Abend erhalten.

Und wenn wir alle in Solidarität über den Jordan gehen, bekommen wir mit Sicherheit kalte Füße und nicht nur das, wir werden auch nass. So warten noch viele von uns auf einen 'Moses', der das Wasser teilen und uns trockenen Fußes in eine neue und bessere Welt für uns, die wir den Frieden für alle wollen, führt, und vergessen, dass es an jedem von uns liegt seinen Beitrag zu leisten.

Dr. Dr. Immanuel Fruhmann

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