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Putins geheime Phantasien: Warum der russische Präsident sich betont männlich inszeniert

13/08/2017 17:17 CEST | Aktualisiert 13/08/2017 17:17 CEST
Sputnik Photo Agency / Reuters

Freud war der Auffassung, dass bei Versprechern und spontanen Witzen die "ungelösten unbewussten Konflikte und verdrängten Wünsche" zum Vorschein kommen. Ein normaler heterosexueller Mensch wird nicht auf Schritt und Tritt Witze über Homosexuelle reißen.

Was Putin angeht, so wiederholt er seine homophoben Witze mit erstaunlicher Regelmäßigkeit. Allem Anschein nach ist dieses Thema für ihn sehr brisant, verbunden mit irgendwelchen Problemen, Ängsten, verdrängten Wünschen. Vielleicht auch deswegen solch eine pathologische Zurückhaltung hinsichtlich seines Privatlebens.

In seinen letzten Witzen verdächtigt Putin die Homosexuellen, sie würden ihn und seine Umgebung sexuell bedrängen. Vor kurzem prahlte Russlands Präsident mit seiner Annahme, dass jeder Homosexuelle, der auf ihn zufällig unter der Dusche treffe, ihn unbedingt anbaggern würde.

So erwähnte er sicherheitshalber seine Erfahrung als Ringer: "Ich wäre ungerne unter einer Dusche mit einem Homosexuellen. Warum soll ich ihn provozieren? Sie wissen ja, ich bin Meister im Judo".

Putin hat schwere Komplexe

Putins Äußerung "zum Ausflug mit einem Homosexuellen unter die Dusche" ist ein typischer Freudscher Versprecher, welcher von einer ganzen Reihe von schweren Komplexen und Abweichungen zeugt.

Erstens ist es die Angst vor dem Anderen. Das Syndrom eines schwächeren unsicheren Jungen, welcher unter ständiger Angst lebt, von anderen angegriffen zu werden, und deshalb allen davon erzählt, er sei "Meister im Judo" (so bekämen sie Angst und würden nicht angreifen).

Zweitens ist es die Angst vor einer eigenen latenten homosexuellen Natur, vor einer verdrängten "unkonventionellen" Orientierung. Wahrscheinlich hat Putin unbewusst Angst davor, nicht widerstehen zu können, sollte er mal mit einem Homosexuellen unter die Dusche geraten. Latente Homosexualität wird von demonstrativer Homophobie verdrängt, was nicht untypisch ist.

Warum auch immer beschloss Putin, dass man ihn unter der besagten Dusche unbedingt zur sexuellen Nötigung "provozieren" wird. Er kam nicht einmal darauf, dass er - ein älterer, vom Leben mitgenommener Herr - für jemanden gar nicht interessant erscheinen könnte.

Nur ein pathologisch sexhungriger Mensch erkennt nicht, dass sich Menschen (abgesehen von ihren sexuellen Neigungen) normalerweise in öffentlichen Duschen (sei es selbst in U-Booten) einfach nur waschen, ohne Rücksicht auf die Umgebung. Für ihn wäre es allerdings in dieser Hinsicht schwierig.

Putin und die unbewusste Angst vor Homosexualität

Bald nach dem "Witz" mit der Dusche folgte die nächste Stilblüte Putins, gerichtet an den Präsidenten der Ukraine Poroschenko: "Dort, wohin er (Poroschenko) möchte, gibt es mehr "Blaue* Uniformen" als bei uns. Er soll sich nicht allzu sehr entspannen. Nicht, dass noch etwas passiert. Er soll sich vorsichtig umschauen".

Hier kommt es zur typischen Übertragung eigener Angst auf den Anderen, in diesem Fall auf Poroschenko. Im Sinne von: "Ich kenne die Gefahr der Vergewaltigung seitens Homo-Europäer und dieser Naivling eben noch nicht".

Auf diese Weise demonstrierte Putin zum wiederholten Male seine unbewusste Angst vor Homosexuellen, und wenn man tiefer graben möchte, vor seinen eigenen homosexuellen Phantasien, die er gleichzeitig verdrängt und mit homophoben Zoten offenbart.

Mehr zum Thema: "Ich werde euch töten": Ich werde in Russland bedroht und soll trotzdem abgeschoben werden

Die eigenen psychologischen Probleme sind eines jeden Menschen Privatsache. Also bräuchte man Putins Hirngespinste nicht öffentlich diskutieren. Aber die Probleme eines Diktators werden zu Problemen des Landes.

Putin ist ein Neurotiker, der sein Leben lang seine eigenen Wünsche, Ängste und Neigungen vor seiner Umgebung verdrängt und versteckt. So ein Typ Mensch neigt zu Lügen und unmotivierter Aggression, was zur Basis der Politik unter Putins Regierung in Russland geworden ist.

"Als hätte er Angst von dem Westen vergewaltigt zu werden"

Gerade die unbewussten Ängste mit sexuellem Hintergrund gestalten Putins Beziehung zum Westen. Als hätte er Angst, von diesem vergewaltigt zu werden, daher in eine passive, untergeordnete, erniedrigte Stellung von den in militärischer und wirtschaftlicher Hinsicht mächtigeren westlichen Staaten gebracht zu werden.

Die gesamte Weltpolitik empfindet er als eine sadomasochistische Beziehung, in der die Partner (sprich potentielle Sadisten und Gewalttäter) "immer danach strebten, den anderen an die Kette zu nehmen. Sobald jemand angekettet ist, kann man ihm dann die Zähne und auch die Krallen ausreißen".

Mehr zum Thema: Ein russischer Bericht zeigt das ganze Grauen, das Homosexuelle in Tschetschenien durchmachen mussten

Putin ist für immer ein Heranwachsender aus ärmlichen Verhältnissen geblieben, der einen Judo-Kurs besuchte, um sich vor ständigen Erniedrigungen zu schützen (auf unbewusster Ebene womöglich um sich vor der Phobie homosexueller Übergriffe zu schützen, welche zu Sowjetzeiten zur Realität gehörten, zum Beispiel beim Militär oder im Gefängnis).

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Ich möchte an dieser Stelle nicht über die andauernden Gerüchte zu Putins Pädophilie sprechen, solch eine schwerwiegende Anschuldigung braucht hieb- und stichfeste Beweise, die es noch nicht gibt. Von großen Schwierigkeiten im sexuellen und psychologischen Bereich zeugen seine regelmäßigen Versprecher.

Diese von der Öffentlichkeit fernzuhalten wird immer mühsamer. Der Kreml sieht sich mittlerweile gezwungen, die Menschen von der "Normalität" Putins zu überzeugen.

Nicht etwa zufällig berichtete Putin vor kurzem höchstpersönlich in den Medien zum allerersten Mal von seinen Enkelkindern. Danach wimmelte es in den Medien von Gerüchten über eine "bevorstehende Hochzeit" des Präsidenten.

Auf diese Art und Weise versuchen die Machthaber vor den Wahlen den immer stärker aufkommenden Gerüchten zu sexuellen Neigungen des russischen Patienten Nummer 1 entgegenzutreten.

*Anmerkung des Übersetzers: Umgangssprachlich werden Homosexuelle im Russischen als "die Blauen" bezeichnet

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(jz)