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Diese Aussage von Martin Schulz zeigt, dass er den Sinn für die Realität verloren hat

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SCHULZ MERKEL
Yves Herman / Reuters
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Für Kanzlerkandidat Martin Schulz und seine SPD sieht die Sache nicht allzu gut aus. Nehmen wir nur die Umfragen der vergangenen acht Tage:

Im "Politbarometer" und beim "Deutschlandtrend" liegt die CDU/CSU 16 Punkte vor den Sozialdemokraten, bei Emnid und INSA "nur" 13 Punkte. Da kann eigentlich keine Hoffnung aufkommen.

Schulz hat Merkel die Vizekanzlerschaft angeboten

Gleichwohl hat Martin Schulz jetzt Angela Merkel die Vizekanzlerschaft angeboten. "Schulz: Wenn Frau Merkel in mein Kabinett eintreten will, kann sie das tun" titelt die für besonders witzige Überschriften nicht gerade bekannte "Frankfurter Allgemeine" in ihrer Dienstagausgabe.

Das Ganze wirkt wie ein lächerlicher Versuch von Schulz, sich irgendwie im Spiel zu halten. Natürlich ist die Wahl noch nicht entschieden. Gut möglich, dass CDU/CSU und SPD noch Stimmen zu Lasten der vier kleinen Parteien verlieren. Aber dass die SPD noch stärkste Partei wird, gehört eindeutig ins Reich der Träume.

Mehr zum Thema: Wie Angela Merkel und Martin Schulz mit ihrem Wahlkampf die Menschen in die Hände der AfD treiben

Da können die Genossen auch in der Erinnerung an den Wahlkampf 2005 keinen Trost finden. Gerhard Schröder hat damals kräftig aufgeholt, aber Merkel ging als Erste durchs Ziel. Und Schröder war im Vergleich zu Schulz der ungleich bessere Wahlkämpfer.

Der Mutmacher Schulz

Man muss aber auch sehen: Schulz hat gar keine andere Wahl, als sich optimistisch zu geben. Jeder Spitzenkandidat ist qua Amt der oberste Mutmacher seiner Partei. Er muss sich an jeden Strohhalm klammern, an dem er sich aus dem Umfragetal nach oben ziehen könnte.

Schließlich kann kein Spitzenkandidat, und seien die Umfragezahlen noch so schlecht, sich hinstellen und verkünden: Leute, stellen wir den Wahlkampf ein, wir haben ohnehin keine Chance. Denn von jedem Prozentpunkt mehr oder weniger hängt viel ab: Mandate, Karrieren und Jobs.

Der Mutmacher Schulz verkündet also fröhlich und unverdrossen: "Ich werde Kanzler". Was angesichts der Zahlen seltsam klingt - irgendwie trotzig und arrogant zugleich. Wer "ich werde Kanzler" sagt, tut auch so, als bestimme er allein den Wahlausgang.

Ein sehr fragwürdiges Rezept. Ja, Schulz muss kämpfen - schließlich geht es auch um seine „Anschlussverwendungen" innerhalb der SPD nach der Wahl. Aber etwas geschickter könnte er sich schon anstellen.

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Die SPD bangt um ein besseres Ergebnis als 2013

Hinter den Kulissen grassiert bei den Sozialdemokraten die Angst vor der Opposition. Von Franz Müntefering stammt bekanntlich der Satz "Opposition ist Mist". Nach dieser Wahl wäre die Oppositionsrolle aus Sicht der SPD "besonders großer Mist".

Denn es ist nicht auszuschließen, dass künftig ein Jamaika-Bündnis aus CDU/CSU, FDP und Grünen regiert und die SPD opponiert - ganz links flankiert von der Linkspartei und ganz rechts von der AfD. Die Vorstellung, ständig von links- und rechtspopulistischen Forderungen übertroffen zu werden, treibt führenden Genossen den Angstschweiß auf die Stirn.

Deshalb bangt man im Willy-Brandt-Haus darum, wenigstens besser abzuschneiden als 2013, als die SPD mit Peer Steinbrück auf 25,7 Prozent kam. Nur dann könnte man der eigenen Basis vermitteln, dass man als Juniorpartner in der GroKo nicht automatisch Stimmen verliert.

Mehr zum Thema: "Das kann nicht sein": Ein junger Pfleger geigt Merkel in der ARD-Wahlarena seine Meinung

Alles zu geben, ist manchmal trotzdem zu wenig

Dann könnte man das schwarz-rote "Weiter so" so verkaufen: Eine gestärkte SPD wird auch in der nächsten Regierung den Ton angeben. Soweit die Theorie.

Die Wirklichkeit sieht aber anders aus - und aus SPD-Sicht viel trauriger. Die SPD droht auf 23 Prozent oder gar noch weniger zurückzufallen. Das wäre für die Partei eine Katastrophe.

Bisher waren die 23 Prozent, die die SPD 2009 mit Frank-Walter Steinmeier erreichten, das schlechteste Ergebnis aller Zeiten. Sollte das jetzt noch unterboten werden, bliebe in der Partei wohl kein Stein auf dem anderen - und keiner der führenden Köpfe am alten Platz.

Beim Blick auf die SPD denkt man an eine alte Wahlkampfweisheit: Alles zu geben, was man hat, ist manchmal viel zu wenig.

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