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Das Schauermärchen von der massenhaften Altersarmut

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Hélène Vallée via Getty Images
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„In den kommenden Jahren wird es immer mehr ältere Menschen geben, die nicht ihre nächsten Reisen organisieren, sondern das Anstehen an der "Tafel" mit kostenlosem Essen - weil die Rente fürs Leben nicht mehr reicht. Der Alterssicherungsbericht der Bundesregierung ist ein Altersverunsicherungsbericht; er besagt nämlich: Wer allein auf die gesetzliche Rente angewiesen ist, wer also nicht zusätzlich für das Alter vorsorgen konnte oder nicht zusätzlich vorgesorgt hat, dem wird es schlecht gehen. Die Rentenkasse allein bringt nur trocken Brot."

Dieses düstere Szenario stammt nicht von linkspopulistischen oder rechtspopulistischen Untergangspropheten. Nein, das schrieb Heribert Prantl vor wenigen Tagen in der "Süddeutschen Zeitung". Wenn schon seriöse Journalisten im Renten-Panikorchester mitspielen, dann ahnt man, welche Art von Rentenwahlkampf uns im kommenden Jahr droht: Panikmache pur. Da kann es nicht schaden, auf die populärsten Rentenirrtümer hinzuweisen.

Rentenirrtum Nr. 1: Die Renten sinken

Das ist kompletter Unsinn. Dass die Renten sinken, ist gesetzlich ausgeschlossen, selbst wenn die Rentenformel bei rückläufigen Löhnen und Gehältern eine Rentenkürzung notwendig machte. Richtig ist allerdings: Die Renten werden in den nächsten Jahrzehnten langsamer steigen als die Arbeitseinkommen.

Rentenirrtum Nr. 2: Die Alten werden immer ärmer

Derzeit beziehen weniger als 3 Prozent aller Rentner Grundsicherung, das heißt, ihre Rente ist so niedrig, dass der Staat sie aufstocken muss, damit es zum Lebensunterhalt reicht. Dieser Prozentsatz wird sich bei unverändertem Rentensystem und unter ungünstigen Annahmen bis 2030 voraussichtlich verdoppeln.

Das ist in jedem Einzelfall bitter. Von einem Abrutschen in die Grundsicherung als Massenphänomen kann dennoch keine Rede sein. Eine Prognose des WDR, im Jahr 2030 würde jeder zweite Rentner auf Grundsicherung angewiesen sein, wurde von allen Experten als Unsinn abgetan.

Rentenirrtum Nr. 3: Rentenhöhe = Alterseinkommen

Aus einer Durchschnittsrente von knapp 800 Euro im Monat lässt sich, wenn man will, die Legende von den armen Alten stricken. Dabei wird unterstellt, dass jeder Rentner allein von seiner Rente leben muss. Das trifft aus vielerlei Gründen nicht zu.

Die meisten Rentnerehepaare beziehen zwei Renten. Viele Bezieher kleiner Renten bekommen noch zusätzlich Geld aus einer betrieblichen oder privaten Rentenversicherung. Viele Rentner nehmen Zinsen ein oder kassieren Mieten.

Mehr zum Thema: Rente: Das sagen junge Menschen dazu, dass sie in 40 Jahren arm sein könnten

Mancher statistische Klein-Rentner lebt sogar sehr gut. Wenn beispielsweise ein Jurist aus einer früheren, kurzen Zeit als Angestellter eine kleine Rente bezieht, im Ruhestand aber eine üppige Privatrente genießt.

Deshalb sieht die Rentner-Wirklichkeit ganz anders aus: Das durchschnittliche Monatseinkommen eines Rentnerehepaares beträgt 2534 Euro; bei alleinstehenden Männern sind es 1614 Euro, bei alleinstehenden Frauen 1420 Euro. Von wegen massenhafter Altersarmut.

Rentenirrtum Nr. 4: Die Reichen zahlen zu wenig in die Rentenkasse

Der Rentenbeitrag wird nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze von monatlich 6.050/5.200 Euro (West/Ost) erhoben. Darüber hinaus gehendes Einkommen wird zur Rentenfinanzierung nicht herangezogen.

Deshalb fordern Sozialdemokraten, Linke und Grüne, die Beitragsbemessungsgrenze abzuschaffen und den Rentenbeitrag bei den "Reichen" auf das gesamte Einkommen zu erheben. So soll mehr Geld in die Rentenkasse kommen.

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Das ist jedoch eine Milchmädchenrechnung. Die zusätzlichen Einnahmen nach Wegfall der Beitragsbemessungsgrenze würden nämlich benötigt, um die dann ebenfalls steigenden Rentenansprüche der Reichen zu finanzieren.

Denn die Beitragsbemessungsgrenze begrenzt nicht nur die Beitragszahlungen, sondern auch die künftige Rentenhöhe. Wer mehr einzahlen muss, müsste dann später auch eine höhere Rente bekommen. Die Finanzausstattung der Rentenkasse ließe sich so jedenfalls nicht verbessern.

Rentenirrtum Nr. 5: "Rente für alle" löst alle Probleme

Es wird immer wieder vorgeschlagen, die gesetzliche Rentenversicherung auf alle Bürger auszudehnen. Dann müssten nicht nur Arbeitnehmer (und deren Arbeitgeber) einbezahlen, sondern auch Selbständige und Beamte. Das Kalkül: Je mehr Beitragszahler, umso mehr Geld in der Kasse.

Das ist ebenso verlockend wie falsch. Wenn künftig alle Bürger Rentenbeiträge entrichten müssten, hätten auch alle Bürger Anspruch auf eine staatliche Rente. So lässt sich aber das Grundproblem der Rentenversicherung nicht lösen: Dass nämlich immer weniger Berufstätige immer mehr Ruheständler zu finanzieren haben. Mit der "Rente für alle" würden die künftigen Finanzierungsprobleme nicht entschärft, sondern vergrößert.

Fazit: Die demografische Entwicklung lässt sich nicht per Zauberformel außer Kraft setzen

Es gibt Problemfälle wie Frührentner oder Menschen, die ein ganzes Arbeitsleben lang nur wenig verdient haben; ihnen droht das Absinken auf die Grundsicherung. Die eigentliche Herausforderung der Rentenversicherung ist und bleibt aber die demografische Entwicklung: Heute finanzieren 100 Erwerbstätige 35 Ruheständler. Im Jahr 2040 verschlechtert sich diese Relation auf 100 zu 58.

Das ist nicht das Ergebnis politischen Versagens. Das ist der Tatsache geschuldet, dass die Babyboomer zu wenige Kinder in die Welt gesetzt haben. Es sind dieselben Männer und Frauen, die jetzt vom Staat eine Patentlösung für die Rente erwarten.

Wenn aber immer weniger Erwerbstätige die Rentenlast für immer mehr Ruheständler zu finanzieren haben, liegen die Alternativen auf der Hand: Steigende Beiträge, ein sinkendes Rentenniveau, höhere Steuerzuschüsse für die Rentenkasse oder eine Kombination aus diesen Möglichkeiten. Das alles hat nachteilige Folgen. Doch eine Zauberformel zur Lösung des Rentendilemmas gibt es nicht.

Der Beitrag erschien zuerst auf Tichys Einblick.

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