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Iraner verfilmt Kindheit Muhammads

24/09/2015 19:04 CEST | Aktualisiert 24/09/2016 11:12 CEST
typhoonski via Getty Images

Filme über das Leben Muhammads waren bislang geprägt von vielen Kriegsszenen, obwohl der Prophet nur 11 Stunden seines Lebens im Krieg verbrachte. Der Iraner Majid Majidi hat nun einen Film gedreht, der Muhammad von einer anderen Seite zeigt.

Die Geschichten der Propheten finden regelmäßig Zuspruch bei den Regisseuren. So sind allein 2014 zwei Prophetengeschichten in Hollywood verfilmt worden: Zunächst der von Russell Crowe in eigener Regie produzierte Film „Noah", in dem er selbst in die Rolle des Propheten schlüpft, und Ende 2014 „Exodus", in dem der aus der „Batman Trilogie" bekannte Christian Bale in die Rolle von Moses schlüpfte.

Auch Jesus wurde Gegenstand zahlreicher Verfilmungen. Der bekannteste Film über ihn ist „Die Passion Christi" (2004). Regisseur Mel Gibson, der in seinem Film die christliche Version des Verrats an Jesus und die anschließende Verurteilung zur Schau stellte, gilt heute noch als Vorreiter in dieser Gattung.

Filme über den Islam und den Propheten

Auch Prophet Muhammad wurde bereits mehrere Male zum Gegenstand von Filmen, allerdings in deutlich weniger budgetierten Projekten. Außerdem ist die vollständige Darstellung des Propheten nach islamischen Regeln streng verboten. Der berühmteste und zugleich beliebteste Film über die Geburt des Islam ist nach wie vor „Muhammad - Der Gesandte Gottes" (Türkisch: „Çağrı"), der 1976 erstmals ausgestrahlt wurde. Mit einer für die damaligen Verhältnisse ungewöhnlichen Qualität und Starbesetzung ist er immer noch ein Hit in muslimischen Wohnzimmern. Symbolhaft für den Film wurde der 2001 verstorbene Star-Schauspieler Anthony Quinn, der Hamza, den Onkel Hamza des Propheten, verkörperte.

Muhammad wurde im Film gar nicht gezeigt, sondern war lediglich als unsichtbare Person stets im Mittelpunkt aller Handlungen. Bei direkten Dialogen zwischen dem Propheten und anderen Charakteren richteten sich die Blicke des Gegenübers immer direkt in die Kamera.

Nach mehr als drei Jahrzehnten und dutzenden weniger ernst zunehmenden Zwischenverfilmungen kommt nun ein iranischer Film über Muhammad auf die Leinwand, der außerordentlich hohe Erwartungen weckt. Der iranische Filmemacher Majid Majidi hat mit seinem Film „Muhammad: Messenger of God" einen Rekord aufgestellt. Der Film ist mit einem Budget von 40 Millionen Dollar ausgestattet und somit die teuerste iranische Produktion aller Zeiten.

Andere Vorgehensweise als 1976

Majidi hat nach eigenen Angaben im Vorfeld und während der Verfilmungen sowohl schiitische, als auch sunnitische Theologen, Experten und Gelehrte mit einbezogen, um den Film den religiösen Vorschriften konform zu gestalten. Dabei seien Kompromisse beider Seiten ausbalanciert und die sensiblen Werte nicht verletzt worden. Dennoch gibt es auch viel Kritik an dem Film, bei dem man nicht wie beim berühmten Vorgänger aus dem Jahre 1976 vorangegangen ist.

Majidis Film behandelt die Kindheit des Propheten von seiner Geburt bis hin zu seiner Jugend. Dabei kommen historische Charaktere wie sein Großvater Abdulmuttalib, sein Onkel Abu Talib und seine Mutter Amina vor die Kamera. Den Propheten stellt Majidi ohne ein Gesicht dar, jedoch sieht man in jedem Altersabschnitt sowohl Hände, Füße und auch Teile der Haare des Darstellers. Unklar ist noch, ob gewisse Szenen auch in einem Schatten-Licht-Verhältnis oder in schnell verlaufenden Szenen weitere Merkmale des Darstellers zu sehen sind.

Die Türkei ist das erste Land außerhalb Irans, in dem der Film ausgestrahlt wird. Aktuell läuft er in Kanada und im Iran zeitgleich, denn er wurde zu einem umjubelten Gegenstand der 39. Montreal Film Festivals. Der britische Filmkritiker Phil Hoad von The Guardian hat dem Film 4 von 5 Sternen gegeben und ihn als „dichterisch, intellektuell und in seinen graphischen Darstellungen sehr beeindruckend" bezeichnet.

„Muhammad - Der Gesandte Gottes-Film" zu kriegslastig

Zwar hatte der Film „Muhammad - Der Gesandte Gottes" religiöse Sensibilität an den Tag gelegt, die Majidi mit seinem Film nicht bietet, dennoch wird der beliebte Film für seine Kriegslastigkeit kritisiert.Tatsächlich dominieren in dem dreistündigen Film von 1976 Szenen kriegerischer Auseinandersetzungen.

Laut Reşit Haylamaz, einem der bekanntesten türkischen Experten für das Leben des Propheten und seine Gefährten, ist die Kritik an dem Film wegen der vielen Kriegsszenen durchaus berechtigt. Haylamaz hat bei seinen jahrelangen Recherchen herausgefunden, dass der Prophet Muhammad insgesamt nur 11 Stunden in kriegerische Situationen verwickelt war. „Von seinen 8000 Tagen als Prophet war er in der Reihenfolge Badr, Uhud und Huneyn in 3 Verteidigungskriege involviert. Drei Stunden dauerte der Krieg in Badr, fünf der längste Krieg in Uhud und etwa drei Stunden der letzte Krieg von Huneyn."

Nach Haylamaz habe der Prophet selbst auch in diesen Kriegen niemanden umgebracht. Für Haylamaz sind sowohl Filme als auch die meisten Überlieferungen über den Propheten von schlecht ausgebildeten und/oder ideologisch falsch gesinnten Gelehrten maßgeblich daran beteiligt, dass ein kriegerisches und falsches Bild von Muhammad entstanden ist.

Majidis Film ist seinem Vorreiter in dieser Thematik voraus. Eine sanftere Atmosphäre wird dem Film allein die Thematik verschaffen, da er sich ja lediglich um die Kindheit des Propheten dreht.

Majidis Pläne sind mit diesem Film aber noch lange nicht zu Ende. Er stünde besonders mit Katar in engeren Gesprächen, um für seine umfassenden Projekte ein sunnitisches Land mit ins Boot zu holen. Damit erhofft sich der iranische Filmemacher natürlich auch, mehr Glaubwürdigkeit in der gesamten islamischen Welt zu erlangen.

Mega-Projekte Majidis mit Katar

Majidi hat sich die bessere Erklärung und Präsentation des Propheten Muhammad auf die Fahne geschrieben. Deshalb plant er in Kooperation mit anderen muslimischen Staaten, aber vor allem mit Katar als spendablem Investor, eine Reihe solcher Filme zu produzieren. Aus dem Kinofilm, der als Startschuss fungieren soll, wird eine Serie für das Fernsehen mit insgesamt 52 Stunden Spiellänge geplant.

Katar plant seinerseits mit der inländischen Produktionsfirma „Nour" (Licht) ein eigenständiges Mega-Projekt, bei dem die großen Propheten Abraham, Moses, Jesus und Muhammad thematisiert werden sollen. Das Budget wird auf 1,2 Milliarden Dollar taxiert.

Gegenüber The Guardian erklärte Azahar Akbal, ein Sprecher der Medien-Produktionsfirma „Nour", dass sie sich eine Kooperation mit Majidi grundsätzlich vorstellen könnten. Für die Aussage „Wir machen hier keine Predigt. Wir wollen lediglich genau wie Hollywood schlicht die Aufmerksamkeit der Menschen auf uns ziehen", zog der Sprecher bereits im Vorfeld skeptische Blicke auf sich.

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