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Flüchtlingscamp Ruhrgebiet/NRW: Deutschland kann auch vor Ort helfen!

15/09/2015 20:01 CEST | Aktualisiert 15/09/2016 11:12 CEST

Der Landtagsabgeordnete Serdar Yüksel hat in Zusammenarbeit mit der Caritas Flüchtlingshilfe Essen im irakischen Kurdistan ein Flüchtlingscamp initiiert. In diesem Camp soll ein Krankenhaus mit Entbindungsstation und eine Schule entstehen, denn die Bevölkerung in den Camps heiraten und sorgen für Nachwuchs. 

von Hüseyin Topel

Durch die große Flucht der Menschen vor dem sogenannten islamischen Staat (IS) sind längst nicht mehr nur die syrisch-irakischen Nachbarstaaten wie die Türkei oder Libyen betroffen. Genauso ist der gesamte Westen mit dieser Debatte täglich konfrontiert. Deutschland hat nach einer langen Phase endlich die Tore aufgemacht und empfängt wöchentlich zehntausende Flüchtlinge. Kommunen sind überlastet, Flüchtlingsbeauftragte verbringen schlaflose Nächte und Bürger zeigen Emotionen. 

Multiplikatoren in der Gesellschaft tragen viel bei

Einige bürgerliche Hilfsaktionen haben es in sich und Personen mit einer besonderen gesellschaftlichen Aufgabe können als Multiplikatoren helfen und Gutes bewirken. So auch Serdar Yüksel von der SPD.

Der 42-jährige Yüksel ist ein Landtagsabgeordneter des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW). Er ist kurdischer Abstammung, gebürtig aber  aus Bochum-Wattenscheid. Er hat mit dem Caritas Verband in Essen eine Initiative im Ruhrgebiet gestartet und innerhalb weniger Monate weit mehr als 200 tausend Euro an Hilfsgeldern gesammelt.

In Kooperation mit der Caritas Flüchtlingshilfe Essen hat Serdar Yüksel  in der Nord-Irakischen Stadt Dohuk, am Rande des wütenden Krieges, ein Hilfscamp errichtet. Dieser trägt den Namen „Flüchtlingsdorf Ruhrgebiet/NRW". In diesem Flüchtlingsdorf sollen tausende Menschen mit verwüsteten Existenzen unterkommen, hauptsächlich Leute, die in Ihre Heimat vermutlich nie wieder zurückkehren werden.

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Hilfe vor Ort eine Alternative gegen Überlastung hier

Vor wenigen Tagen kursierte im Social Web das Video des syrischen Jungen, der dem Westen eine vehemente Botschaft mitzuteilen hatte: „Wenn ihr wollt, dass wir nicht nach Europa kommen, dann beendet doch einfach den Krieg. Dann werden wir nicht kommen!" Natürlich ist es eine wichtige menschliche Aufgabe die Flüchtlinge aufzunehmen, aber Hilfe vor Ort ist eine gute und wichtige Alternative.

Deutschland nimmt weit mehr Flüchtlinge auf, als alle anderen europäischen Länder. NRW bekommt als bevölkerungsreichstes Bundesland im direkten Vergleich die meisten Flüchtlinge in Deutschland ab.

Laut Serdar Yüksel nimmt NRW gegenwärtig wöchentlich mehr als 7 tausend Flüchtlinge und somit mehr als Frankreich und Italien zusammen. Insgesamt ist die Lage sehr unübersichtlich, sodass selbst die Flüchtlingsbeauftragten der einzelnen Städte kaum einen Durchblick haben.

Frauen sind für den IS freie Beute

Die arme Bevölkerung dieser Gebiete hat an diese Terroristen nichts von materiellem Wert zu verlieren, aber ihr Leben, ihre Familie, Frauen und Töchter. Während Andersglaubende für die Terroristen des sogenannten islamischen Staates keine Menschen sind, werden Frauen und Mädchen als herrenlose Lustobjekte betrachtet, an denen sie sich frei bedienen können.

So sind im Irak und in Syrien unzählige Jesiden, Aleviten, Schiiten, Christen, Juden und unbeugsame Sunniten längst geköpft und tausende Frauen massenhaft versklavt und bestialisch vergewaltigt worden.

Durch die sexuelle Ausbeute der IS Terrormiliz sind viele uneheliche Kinder bereits auf die Welt gekommen. Diesen schwangeren Frauen stehen keine modernen Krankenhäuser mit entsprechenden Entbindungsstationen zur Verfügung.

„Neben diesen Zwangsgeburten wird in diesen Hilfscamps stärker geheiratet und für Nachwuchs gesorgt, wie nie zuvor. So, als würden sie mit Hochzeiten, und den an die Umstände angepassten Feierlichkeiten dem Krieg trotzen.

Es ist aus dem gemütlichen Stuhl in Deutschland quasi unvorstellbar und sogar erstaunlich, wenn man es mit den eigenen Augen vor Ort erlebt, aber in diesen Hilfscamps feiern die Leute mit großer Freude eine Hochzeit nach der anderen.", erzählt Yüksel von seinen Erfahrungen.

Auch für diese Wunschkinder und Mütter fehlen die Krankenhäuser mit geeigneten Entbindungsstationen. Deshalb planen Yüksel und die Caritas-Funktionäre, ein neues Krankenhaus für das  „Flüchtlingsdorf Ruhrgebiet". Eine Entbindungsstation darf dort selbstverständlich nicht fehlen. Eine Schule soll auch errichtet werden. 

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