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Was ist generationengerechte Politik?

22/09/2017 19:49 CEST | Aktualisiert 22/09/2017 19:49 CEST
Paul Bradbury via Getty Images

Die Parteien verwalten die Gegenwart und verlieren die Zukunft aus den Augen. Schon Roman Herzog, mittlerweile verstorbener Bundespräsident a. D. warnte vor einer sogenannten Rentnerdemokratie.

Manch ein Gesellschaftsforscher sieht sogar neue Verteilungskämpfe heraufziehen, nicht zwischen sozialen Schichten, sondern zwischen Generationen. Um es nicht soweit kommen zu lassen, müssen wir nicht nur über generationengerechte Politik reden.

Wir müssen „Generationengerechtigkeit" im Grundgesetz verankern, um die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen.

Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung koppeln

Die demografische Entwicklung des Landes ist den Parteizentralen längst bekannt. Mehr als ein Drittel der 60 Millionen Wahlberechtigten in Deutschland sind heute älter als 60 Jahre und bewegt sich damit nahe oder jenseits des Renteneintrittsalters.

Zudem gehen die 60- bis 70-Jährigen in unserem Land mit einer Wahlbeteiligung von fast 80 Prozent deutlicher öfter wählen als beispielsweise die 21- bis 30-Jährigen, die eine Wahlbeteiligung von rund 60 Prozent vorweisen. Dieser Wandel hat für die Politik in unserem Land weitreichende Folgen.

Die Parteien verteilen - besonders in Wahljahren - Rentengeschenke. Die Rente mit 63 und die Mütterrente erhöhen die Rentenbeiträge und Steuern der jungen Arbeitnehmer. Die CSU fordert in diesem Wahlkampf, die Mütterrente noch weiter anzuheben, was alleine zwischen 2018 und 2030 rund 98 Milliarden Euro zusätzliche Kosten verursacht.

Die SPD-Rentenpläne kosten ebenfalls bis 2030 zwischen 70 und 100 Milliarden Euro. Dabei werden Deutschlands Bürgerinnen und Bürger immer älter und fühlen sich länger gesund. Der medizinische Fortschritt führt zu einer längeren Lebenserwartung.

Die Digitalisierung vereinfacht den Alltag und auch das Berufsleben, sodass Menschen länger arbeiten können. Warum haben wir also nicht längst eine Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung?

Lohnnebenkostenbremse einführen

Junge Menschen müssen für immer mehr Ältere einstehen. Sie übernehmen große Lasten aus Staatsverschuldung, sozialen Sicherungssystemen und Pensionslasten. Das Ergebnis: immer mehr Schulden auf immer weniger Schultern.

Es herrscht mittlerweile eine systematischen Mehrbelastung der jungen Generationen. Junge Menschen können so kaum Eigentum bilden oder eine tragfähige Altersvorsorge aufbauen. Um eine Überbelastung zu verhindern brauchen wir daher dringen eine Lohnebenkostenbremse.

Digitalisierung in Bildung und Regierung

Menschen in der Nähe des Rentenalters wollen gern den Status quo sichern. Sie sind gegen neue Flughäfen, gegen Windräder in ihrer Sichtweite und gegen neue Autobahnen, egal ob aus Asphalt oder Glasfaser. Viele Ältere sind skeptisch gegenüber neuer Technik.

Wenn zu viele Ältere gegen strukturelle Erneuerung sind, nimmt das der jungen Generation viele Chancen für die eigene Zukunft. Megatrends wie die Digitalisierung und die damit einhergehende Automatisierung vieler Arbeitsprozesse werden bei weitem nicht so ernst genommen, wie es eigentlich nötig wäre.

Im Glasfaserausbau ist Deutschland ein Entwicklungsland. Wir brauchen dringend einen Staatsminister, der Digitalisierungsprojekt vorantreibt. Auch in der Bildung müssen wir Lehrinhalte anpassen. Informatik gehört endlich auf den Lehrplan.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Handelsblatt.

Dr. Hubertus Porschen ist ehrenamtlicher Bundesvorsitzender des Wirtschaftsverbands DIE JUNGEN UNTERNEHMER, Gründer und Geschäftsführer der App-Arena GmbH in Köln sowie promovierter Volkswirt. Im Hinblick auf die anstehende Bundestagswahl initiierte der Verband die Aktion "Germany´s next Bundeskanzler/in" . Hier wurde die Stimme der jungen Generation gefunden, die die Interessen der Erst- und Zweitwähler am besten vertritt. Die Aktion soll junge Wähler für Politik begeistern.

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