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Warum hat Deutschland so wenig Unternehmensgründer?

23/03/2016 17:25 CET | Aktualisiert 24/03/2017 10:12 CET

Deutschland hat zu wenig Unternehmensgründer. Dabei gibt es eigentlich viel Gründerpotential. Nur liegt es leider brach. Zwischen Wunsch und Wirklichkeit liegen oft nur drei Buchstaben: Mut. Damit mehr Menschen den Mut finden, ins unternehmerische Risiko zu gehen, brauchen wir endlich eine bessere Politik für Gründer: Deutschland fehlt noch immer ein attraktiver Markt für Wagniskapital und der Bürokratieabbau kommt nicht voran. Zudem fehlt unserer Gesellschaft ein konstruktiver Umgang mit dem Scheitern und unser Bildungssystem produziert zwar Manager, aber keine Unternehmer.

Fehlt den Deutschen das Gründer-Gen?

Woran liegt es, dass es in Deutschland - zum Beispiel im Vergleich mit den USA - so wenig Existenzgründer gibt? Fehlt den Deutschen das Gründer-Gen? Der Wirtschaftsverband DIE JUNGEN UNTERNEHMER wollte es genauer wissen und hat über das Meinungsforschungsinstitut YouGov die Deutschen im Februar 2016 zum Thema Existenzgründung befragt.

Das Ergebnis der Umfrage zeigt, dass knapp jeder zweite Deutsche (47 Prozent) schon einmal erwogen hat, ein Unternehmen zu gründen oder unternehmerisch tätig zu werden. Aber nur 22 Prozent haben ihre Idee dann auch konkret in die Tat umgesetzt. Bei den jungen Menschen zwischen 18 und 34 Jahren haben etwas weniger (knapp 44 Prozent) Unternehmertum für sich erwogen. Aktiv geworden sind nur 10 Prozent. Das ist eindeutig zu wenig, wenn wir weiter eine dynamische, innovative und wettbewerbsorientierte Gesellschaft bleiben wollen.

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Kapitalbeschaffung und Bürokratie als größte Hindernisse

Die Umfrage zeigt: Kapital ist die größte Hürde für potentielle Existenzgründer. 53 Prozent der Befragten, die über eine Aktivität als Unternehmer nachgedacht, diese aber nicht verwirklicht haben, sehen in der Kapitalbeschaffung das größte Hindernis.

Unsere Kreditinstitute sind nicht auf die Finanzierung von Start-up-Unternehmen eingestellt. Kreditvergabe funktioniert noch immer wie im Zeitalter der Industrialisierung. Maßstab für die Kreditwürdigkeit sind materielle Firmenwerte. Was deutschen Gründern und Jungunternehmern angeboten wird, liegt weit unter den Mitteln ihrer Konkurrenten in den USA. 2014 lag die Venture Capital-Lücke zwischen Deutschland und den USA bei gut 7 Milliarden Euro. Wenn mehr deutsche Start-ups echte Wachstumsperspektiven haben sollen, brauchen wir endlich ein Venture-Capital-Gesetz.

Bürokratie abbauen und Gründerklima verbessern

Der zweite große Bremsklotz ist die Bürokratie: 23 Prozent der Befragten fürchten den bürokratischen Aufwand einer Unternehmensgründung, 19 Prozent die Bürokratie im laufenden Betrieb. Deshalb haben sie von einer unternehmerischen Tätigkeit abgesehen. Bestes Beispiel für einen enormen Zuwachs an Bürokratieaufwand in jüngster Zeit sind die Dokumentationspflichten rund um den Mindestlohn. Sie sind für Existenzgründer, die ihre Energie in ihre Geschäftsidee stecken möchten und müssen, wenn sie am Markt bestehen wollen, besonders belastend.

Trotz aller Lippenbekenntnisse zum Bürokratieabbau reduziert die Bundesregierung ihre Vorschriften zur Produktion von Papierbergen in deutschen Unternehmen bestenfalls im Millimeter-Bereich. Gründer und Start-ups müssen dringend von möglichst viel Bürokratie in den ersten zwei Jahren befreit werden. Nur so können sie sich voll ihrem wichtigsten Ziel widmen, dem Aufbau ihres Unternehmens. Auch eine bessere E-Government-Umsetzung würde Gründer entlasten.

Es geht nicht nur um technische Fragen

Die Diskussion um mehr Gründungsdynamik darf sich nicht nur auf technische Fragen wie verfügbare Breitbandnetze und digitale Infrastruktur verengen. Das sind natürlich absolut notwendige Basics für viele digitale Geschäftsmodelle. Hier muss Deutschland auch noch viel aufholen. Wir brauchen aber auch und vor allem ein gesellschaftliches Klima, in dem Menschen wieder risikobereiter werden, weil ein Scheitern erlaubt und akzeptiert ist.

Auch die Schulen sind gefordert. Sie müssen ihren Beitrag leisten, indem sie wichtige Kompetenzen für die digitale Arbeitswelt vermitteln.

Es fehlt am politischen Willen

Wir brauchen in Deutschland mehr Start-ups, mehr Innovationen und mehr Risikobereitschaft, sonst geraten wir international noch mehr ins Hintertreffen. Dazu bedarf es entsprechender Anreize. Aufgabe der Politik ist es, bei Kapitalbeschaffung und Bürokratie die Rahmenbedingungen für Unternehmensgründungen deutlich zu verbessern. Hier fehlt es am politischen Willen.

Aber auch die Gesellschaft ist gefordert. Wir brauchen ein positives Klima für Gründer. Gerade junge Menschen sollten die Chancen erkennen, die darin liegen, sich selbst zu verwirklichen und als Unternehmer unser Land mitzugestalten. Unternehmertum muss wieder angesagt sein.

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